Blogeinträge (Tag-sortiert)

Tag: Bücher

Der letzte Agent

Ich lese ja an sich nicht häufig Krimis. Aber wenn, dann gehört Jacques Berndorf (neben dem schwedischen Krimiautor Henning Mankell) eindeutig zu meinen Favoriten. Nicht nur, weil die Plots sämtlich in der Eifel, also praktisch bei uns in der Nachbarschaft stattfinden. *gg*. Nein, Berndorf versteht sich einfach darauf, einen ebenso spannenden wie schlüssigen Handlungsablauf mit interessanten Themen zu verbinden.
Ein immer wieder interessantes Thema ist jedenfalls das, was in diesem Buch zum Tragen kommt: Ein Stasikomplott, dem die Hauptperson, der berühmte Journalist Siggi Baumeister, auf die Schliche kommt und sich dabei sogar selbst in Gefahr bringt.

Der Klappentext:
Der Journalist Siggi Baumeister hat alle Hände voll zu tun. Nicht nur mit der grässlich zugerichteten Leiche, die er im Eifelwald findet, gewissermaßen fast vor seiner Haustür. Auch eine resolute alte Dame aus Berlin tritt plötzlich auf den Plan und stellt sich als seine Tante Anni vor. Baumeister hat noch nie von ihr gehört. Und schließlich entpuppt sie sich als eine mit allen Wassern gewaschene Frau vom Fach, eine pensionierte Kripo-Kommissarin. Baumeister kann jede Hilfe gebrauchen, denn die Fährte, die er verfolgt, führt ihn direkt zu einem alten Stasi-Komplott, das man erschreckend wendig der neuen politischen Situation angepasst hat. Nur eines hat man beim Alten gelassen: Die Entschlossenheit, lästige Störenfriede gnadenlos zu liquidieren...

Fazit: Eine sehr lesenswerte Lektüre, nicht nur für eingefleischte Krimifans. Fesselnd bis zum Schluss, wenn es auch zum Ende hin ein wenig verworren wird und beim Zuklappen des Buches einige Fragen offen bleiben. Aber das mag wiederum an der Thematik liegen bzw. ist so gewollt. Allerdings ist es aufgrund der blutigen Details sicherlich nichts für zarte Gemüter oder für Menschen, die lieber Bücher lesen, die eine heile Welt beschreiben.

Karin 01.02.2007, 02.55 | (0/0) Kommentare | PL

Ruhig Blut!

Das Buch von Terry Pratchett habe ich schon seit einigen Tagen ausgelesen, wobei ich es mit Unterbrechungen gelesen habe. Nun wird es aber höchste Zeit, dass ich es vorstelle. ;-)

Zum Inhalt: Im Königreich Lancre wird anlässlich der Namensgebung der neugeborenen Thronfolgerin, der kleinen Esme, zu einem großen Fest geladen. Einfache Bürger wie der Falkenzüchter Festgreifaah finden sich ebenfalls dort ein wie die Hexen Nanny Ogg und Agnes (Oma Wetterwachs bleibt der Zeremonie aus ungeklärten Gründen fern und tritt erst später in die Geschichte ein), der omnianische Priester Himmelwärts, der die Zeremonie der Namensgebung offiziell vollziehen soll, und die Vampirfamilie Elstyr.
Noch ahnt niemand, welche Ereignisse infolge dieser Versammlung sich noch zutragen werden. Und die Vampire scheinen durchaus nette Leute zu sein... Dass sie die Menschen beeinflussen und sich im Schloss dauerhaft einrichten werden, um dort die Macht und Kontrolle zu übernehmen, wird schon sehr bald deutlich.
Nun haben es sich die Hexen zur Aufgabe gemacht, gegen die Vampire vorzugehen. In Himmelwärts finden sie hierbei schnell einen Verbündeten, obwohl die herkömmlichen Methoden der Vampirbekämpfung bei diesen modernen Vampiren wenig zu nützen scheinen.
Nachdem sie die Königin, Hexe Magrat, samt Kind aus dem Schloss befreit, dafür gesorgt haben, dass König Verence in Sicherheit ist, machen sie sich auf die Suche nach Oma Wetterwachs. Als sie sie endlich finden, gelingt es ihnen schließlich, sie davon zu überzeugen, ihnen im Kampt gegen die Vampire zu helfen.
Im Verlauf der Geschichte trennen sich die Wege mehrmals und bedienen sie sich verschiedener Listen, um ihr Ziel zu erreichen. Dabei sind ihnen bestimmte Gegebenheiten förderlich.
Im Schloss der Elstyrs, wo alle auf ihrem Weg schließlich wieder zusammenkommen, findet die Angelegenheit schließlich (während Oma Wetterwachs genüsslich ihren Tee trinkt) ein Ende. Doch bis auch die Geschichte zuende ist, folgen noch ein paar positive Überraschungen.

Bewertung: Grundsätzlich fand ich das Buch unterhaltsam, es liest sich locker-leicht, und der typische sarkastische Erzählstil Pratchetts ist auch hier gegeben. Allerdings hatte ich mir von dem Buch insgesamt mehr versprochen. Ein wenig vermisse ich hier auch die philosophische Tiefgründigkeit, die ich in anderen Werken dieses Autors so schätze. Also, ich würde es nicht gerade als ein Meisterwerk von ihm bezeichnen. Es war ganz nett und erheiternd, aber auch nicht mehr.

Karin 01.02.2007, 02.21 | (0/0) Kommentare | PL

Tao-te-king

Ich möchte hier nicht auf alle Aspekte des Tao-te-king eingehen. Wer Näheres darüber sowie über den Daoismus im Allgemeinen wissen will, der kann sich unter den gegebenen Links informieren. Was ich hier schreibe, sind lediglich meine ganz persönlichen Eindrücke und Gedanken, die ich bei der Lektüre gewonnen habe bzw. besonders markante Dinge, die mir dabei aufgefallen sind. Jedoch erhebe ich damit keinen Anspruch auf Vollständigkeit, denn dafür umfasst es zu viel.

Ein paar Grundzüge möchte ich aber dennoch einleitend vorstellen.

Zunächst zur Begriffserklärung: Tao heißt im Chinesischen Weg, Te = Tugend. Demnach soll das Tao-te-king den Anhängern des Taoismus einen Weg der Tugend aufzeigen. Es ist wohl das wichtigste Werk dieser Lehre, eingeteilt in 81 versförmig geschriebenen, inhaltlich mehr oder weniger lose aufeinander folgenden Kapiteln (die Reihenfolge scheint eher zufällig, teils durcheinander und sich teils vom Inhalt her wiederholend), was sicherlich auch damit zusammenhängt, dass manches im Laufe der Jahre verloren ging und / oder im Laufe der zahlreichen Übersetzungen und Abschriften, die davon gemacht wurden, durcheinander geriet.
Es ist nicht einmal sicher, ob die ganzen Texte überhaupt alle von Lao-Tse stammten (es sind vermutlich auch einige Zitate anderer dabei), oder ob manches bereits von seinen Schülern mit hineingenommen wurde. Die Version des Reclam-Verlages dürfte aber wohl die Ursprünglichste sein.

Kleiner Tipp vorweg, wenn Ihr das Büchlein lesen wollt: Unbedingt vorher den Einleitungstext lesen, um sich einen Überblick zu verschaffen und damit man sich anschließend gedanklich besser dort hineinversetzen kann.

Zum Grundverständnis der Tao-Lehre: Wesentliches Ziel und Grundvoraussetzung ist die Einheit von Himmel und Erde. Diese ist nur dann gewährleistet, wenn keines von beidem hervortritt.

Diese beiden sind eins und gleich.
Hervorgetreten, sind ihre Namen verschieden.

Ihre Vereinung nennen wir mystisch:
Die Pforte zu jedwedem Geheimnis.


Ein weiterer wichtiger Bestandteil der Lehre ist das Yin-und Yang-Prinzip. Dazu muss ich denke ich nichts mehr erläutern; sonst würde dieser Beitrag zu lang.

Die größte Tugend des Weges ist im Wesentlichen Bescheidenheit. Erreicht werden soll das Ziel der Einheit durch das Ohne-Tun (Wu-wei). Damit ist keineswegs gemeint, dass nichts getan werden soll, sondern ganz einfach, dass man alles natürlich ablaufen lässt, so wie es eben kommt; dass man sich nicht gegen die natürlichen Entwicklungen stellt.

Und hier taucht auch schon der erste Widerspruch auf: Denn die Tao-Lehre verlangt im Gegenzug vom Herrscher, der dem Weg folgt (das Werk ist nämlich auch ein politisches Werk, das sich einst auch an die Herrscher jener Zeit, die der Lehre folgen sollten, richtete), dass er das Volk so unwissend wie möglich halten solle, weil darin die einzige Möglichkeit gesehen wird, dass sich keiner auflehnt. Lernen wird dort als etwas Schlechtes angesehen (!). Die Menschen sollen naiv daherleben, ewig Kind bleiben (die Kindheit wird als etwas Reines angesehen, der Wurzelgrund) und sollen anstatt Gewinn zu erzielen sich auf das Wesentliche konzentrieren.

Erkennst Du das Dasein als einen Gewinn,
Erkenne:
Das Nicht-Sein macht brauchbar.

Das Kapitel 10 fasst besonders gut den Weg zusammen:

Zügelnd den Leibgeist, umfassend das Eine,
Kannst ohne Fehl Du sein.

Versammelnd den Atem, gelangend zur Weichheit,

So kannst ein Kind Du sein.


Reinigend, l
äuternd den mystischen Blick,
Kannst ohne Mal Du bleiben.

Schonend das Volk dein Land regierend,

Kannst ohne Tun Du bleiben.


Die himmlischen Pforten ge
öffnet, geschlossen,
Kannst Du zum Weibchen werden.

Erleuchtend die vier Enden der Welt,

Kannst unerkannt Du sein auf Erden.


Erzeuge das, hege das!


Erzeugen, doch nicht besitzen,
Tun, doch nicht drauf baun;

Leiten, doch nicht beherrschen -
Dies nennt man Mystische Tugend.

Eindeutig ist der Taoismus eine pazifistische Philosophie (bin mir nicht sicher, ob man von einer Religion sprechen kann, denn sie haben ja keinen Gott und keine konkreten Bezugspersonen als Vorbilder, wenn man einmal von Lao-tse und den anderen Gelehrten absieht). Das Tao-te-king spricht sich gegen jegliche Anwendung von Gewalt (die ja dem Weg schon in sich widersprechen würde) und gegen Waffen aus.

Im Staatswesen plädieren sie hingegen für ein anarchisches System ohne Steuem, in dem sich alles quasi von selbst ordnet (hier zeigt sich trotz manch guter Ansätze die Weltfremdheit dieser Glaubens- und Denkrichtung).

Gibt es im Reich viel Hindrung und Verbot,
So wird das Volk nur
ärmer werden.
Gibt es im Volk viel n
ützliches Gerät (Anm: Menschen)
So wird das Herrscherhaus zerst
ört.
Mehrt sich der Menschen Schl
äue und Geschick,
Kommt auf viel Ordnungswidrigkeit.

Je mehr Gesetz und Weisung man erlässt,
Desto mehr Räuber gibts und Diebe.

Dann das Thema Sexualität. Auch hier ist der Standpunkt widersprüchlich. Zum Einen wird sie hier als etwas Natürliches angesehen, das von Kind an vorhanden ist. Aber dann heißt es wieder einen Satz später:

Das Leben mehren heißt: Unheil beschwören.

(Ja, und wie haben die alten Taoisten dann bitteschön überlebt? ;-))

Irgendwo anders steht sinngemäß, die Frau wäre dem Mann unterlegen (einerseits), aber andererseits wird das Weiche das Harte besiegen, was heißt, die Frau wäre letztlich stärker.

Das sind jetzt die markantesten Punkte, die mir aufgefallen sind. Es kann natürlich sein, dass ich einige Aspekte vergessen habe. Doch in großen Zügen mag das als Einblick genügen. Sicherlich gibt es noch zig weitere Aspekte, die man diskutieren könnte, und das macht es so interessant.

Fazit: Mir hat das Büchlein sehr viel Stoff zum Nachdenken und Inspiration für den Alltag gegeben - wenngleich es anfangs nicht leicht war, sich in dessen allgemeine Denkstrukturen hineinzudenken, und ich auch noch lange nicht mit allem einverstanden bin, was es predigt. Aber auch dazu sagt es ja selbst:

Wohl!
Wer vorschnell Ja sagt, findet kaum Vertrauen;
Wer vieles leicht nimmt, hat viel Schwierigkeit.


Deshalb der Heilige Mensch:

Gleichsam tut er sich schwer.

Darum bleibt er ohne Schwierigkeit bis ans Ende.


Ich bin fasziniert, wie mit einfachen und klaren Worten wesentliche Lebensweisheiten ausgedrückt werden, von denen man sicherlich so einige mit in sein eigenes Leben nehmen kann.

Karin 23.01.2007, 01.40 | (2/1) Kommentare (RSS) | PL

Volle Deckung, Mr. Bush

Wie in der Seitenspalte meines Blogs angegeben, lese ich momentan noch „Volle Deckung, Mr. Bush“ von Michael Moore. Der Name dieses Autors und Doku-Filmregisseurs dürfte heute jedem ein Begriff sein. Und auch wenn die Fakten drei Jahre nach der Veröffentlichung des Buches größtenteils bekannt sind und viele Themen auch im späteren Film „Fahrenheit 9/11“, den sicherlich viele inzwischen bereits gesehen haben, aufgegriffen werden, ist es doch einmal mehr aufrüttelnd, wenn man sie in geballter Form noch einmal liest. Von seiner Aktualität hat es jedenfalls nichts eingebüßt.


Nach der typischen Moore-Manier vereint er auch in diesem Buch fundiert recherchiertes Hintergrundwissen und Argumente gegen die Bush-Politik mit satirisch-bissigen Seitenhieben auf eben diese. Die Kapitel teilen sich so auf, dass jedes ein ganzes Themenspektrum im Zusammenhang behandelt. Zwischendurch gibt es zur Auflockerung (damit es nicht zu trocken wird - falls es bei Moore überhaupt trocken werden kann; ich habe es nicht so empfunden) und zur Reflexion auch ein paar hauptsächlich satirische, aber nicht minder gehaltvolle Kapitel.


In „Öl gut, alles gut“ beispielsweise erzählt er von einem fiktiven Interview in einem Traum, in dem er in der Zukunft mit seiner Ururenkelin spricht - in einer Zukunft, in der man beispielsweise mit Bleistiften statt mit Kugelschreibern schreibt, weil es kein Öl mehr gibt (auch in Kunststoff ist ja Öl enthalten).

Und in „Jesus W. Christ“, gewissermaßen eine Parodie darauf, dass sich George W. Bush in seinen Reden so oft und gern auf Gott bezieht, lässt er diesen (also Gott) zu Wort kommen und stellt klar, dass das, was Bush so treibt, alles andere als Gottes Wille sein kann. Dieser Text ist so gut, dass ich als kleinen Vorgeschmack für Euch ein Stück daraus zitieren möchte:


„Tja, so war das mit dem reichen Nichtsnutz. Bevor ich eine Heuschreckenplage senden konnte, hatte sich George W. der göttlichen Vorsehung entzogen. Ich tat mein Bestes, sein Leben so elend wie möglich zu gestalten. Ich sorgte dafür, dass all seine geschäftlichen Unternehmungen scheiterten. Ich ließ seine Baseballmannschaft völlig versagen. [...]

Aber nichts konnte George W. wirklich beeindrucken. Also brachte ich seinen Vater ins Weiße Haus, weil ich dachte, darüber würde der kleine Georgie niemals hinwegkommen. Es trieb seinen Bruder Neil in den Savings & Loan-Skandal, und Bruder Marvin ist prompt abgetaucht.

Aber George hat das nicht im Geringsten entmutigt, er fand sogar Wege, die Position seines Vaters zu seinem Vorteil zu nutzen. Ehe ich mich versah, war er Gouverneur von Texas und entschied darüber, wann Leute sterben. DAS IST MEIN JOB! Ich weiß auch nicht, vielleicht werde ich langsam alt und lasse nach, aber alles, was ich probiert habe [...] schlug fehl.“


Auf jeden Fall lohnt sich das Buch für alle, die sich kritisch mit der US-amerikanischen Politik auseinander setzen (möchten) - auch für die, die schon ziemlich viel darüber wissen und / oder „Stupid White Man“ gelesen haben (wie ich), ist es absolut empfehlenswert. Man entdeckt doch immer wieder neue Einzelheiten und Argumente oder zumindest Tatsachen, die man in der Informationsflut schon fast vergessen hatte.


 

Wer noch mehr (ganz aktuelles) Hintergrundwissen will, der schaue mal auf die Website des Autors.

Karin 02.01.2007, 12.08 | (0/0) Kommentare | PL

Statt guter Vorsätze für 2007 :)

Was Pat und Frau Bramasole können, kann ich schon lange. ;)

Auch wenn ich natürlich wie jene nicht vorhabe, an dem offiziellen Wettbewerb teilzunehmen (aus Zeitgründen - ich verzettel mich halt nicht so gern so viel ;)), und auch nicht dort angemeldet bin, finde ich es mal eine gute Idee, statt guter Vorsätze fürs neue Jahr sich vorzunehmen, was man schon immer mal lesen wollte - oder auch teils sonst nie erst sehr viel später in Angriff genommen hätte.

Hier also meine Liste:
  1. Traugott Bachmann: Ich gab manchen Anstoß -> am längsten auf dem Sub (Erbe meiner Oma; ob die das wohl gelesen hat???)
  2. Thomas Mann: Der Zauberberg -> Klassiker
  3. Tad Williams: Otherland Teil 1: Stadt der goldenen Schatten -> 918 Seiten
  4. Ich biete der Stadt meine Haut (Kurzgeschichten - HG. Rainer Weiss) -> Nackenbeißer *
  5. Terry Pratchett: Ruhig Blut -> Buch mit grellem Umschlag
  6. Steven Hawking: Das Universum in einer Nusschale -> Fremdgenre
  7. Max Frisch: Mein Name sei Gantenbein
  8. Robert M. Pirsig: Zen oder die Kunst das Motorrad zu warten
  9. Lotus-Sutra - Das große Erleuchtungsbuch des Buddhismus (Übersetzung von Margareta von Borsig)
  10. Umberto Eco: Die Insel des vorigen Tages
Die Nummerierung hat übrigens nichts mit der Reihenfolge zu tun, in der ich diese Bücher lesen werde.
* Durchgestrichen heißt: Habe ich schon gelesen (aus meinem Nackenbeißer habe ich schon einige Geschichten quer durchs Buch gelesen: vom Gefühl her würde ich sagen, etwa die Hälfte).

Nun, da habe ich mir ja einiges vorgenommen für nächstes Jahr - wenn man bedenkt, dass ich noch mindestens dreißig weitere Bücher lesen muss mir vorgenommen habe zu lesen. Und wer weiß? Vielleicht schieben sich da noch ein paar andere Bücher, Krimis oder was auch immer dazwischen... *gg*

Dabei habe ich im Alltag ja noch einiges andere zu tun als lesen... Und - ach ja - ich habe ja auch noch ein Leben! :))

Trotzdem werde ich mir die Zeit nehmen, Euch die Bücher oben, wenn gelesen, auch vorzustellen, und Euch soweit möglich auf dem aktuellen Stand halten.

Karin 13.12.2006, 15.17 | (3/2) Kommentare (RSS) | PL

Buchvorstellung: Abschied von Sidonie

»Am achtzehnten August 1933 entdeckte der Pförtner des Krankenhauses von Steyr ein schlafendes Kind. Neben dem Säugling, der in Lumpen gewickelt war, lag ein Stück Papier, auf dem mit ungelenker Schrift geschrieben stand: »Ich heiße Sidonie Adlersburg und bin geboren auf der Straße nach Altheim. Bitte um Eltern.««

So beginnt das Buch »Abschied von Sidonie« von Erich Hackl, das mich von der ersten Seite an gefesselt und mich bis zum Ende und darüber hinaus nicht mehr losgelassen hat. Wobei ich hinzufügen möchte, dass der Autor nach meinem Empfinden das Thema und die Geschichte / das Schicksal des Zigeunermädchens durchaus sehr einfühlsam anpackt, und keineswegs eiskalt, so wie es die Kritiken meinen. Also, mich hat das Buch beim Lesen zumindest sehr berührt, und die sachlich-nüchterne Erzählweise ist meiner Ansicht nach ein durchaus gewolltes Stilmittel, um einerseits die notwendige Distanz zu schaffen, um sich ein Urteil bilden zu können, und zwar, OHNE andererseits die subjektive Perspektive auszuklammern.

Zum Inhalt: Nachdem alle Bemühungen des Jugendamtes, das Kind wieder seiner Mutter zuzuführen, im Sande verlaufen, und nachdem es in dem Krankenhaus behandelt worden ist (es leidet unter der Englischen Krankheit, einer Art Knochenverkalkung), gelangt es schließlich zu Josefa und Hans Breirather, einer Kommunistenfamilie, die allein schon wegen ihrer politischen Gesinnung in diesen prekären Zeiten in der Gesellschaft aneckt. Diese kümmern sich genauso liebevoll um das Mädchen wie um ihren eigenen Sohn Manfred und nehmen sie wie ihre eigene Tochter an. Auch die Spielkameraden integrieren sie gut in der Gruppe, obwohl anfangs noch die eine oder andere Bemerkung über ihre dunkle Hautfarbe fällt.

Später, als sie in die Schule kommt, wird allerdings schon immer deutlicher die Diskriminierung spürbar. Auch wird im Verlauf der Geschichte immer klarer, wie sehr gerade die hochrangigeren, aber auch die untergeordneten Personen in Wirklichkeit nur noch als Marionetten des nationalsozialistischen Regimes handeln und sich nicht mehr trauen, nach ihrem eigenen Gewissen (falls noch vorhanden) zu agieren.

Somit ist das Ende schon gewissermaßen vorprogrammiert: Unter dem Vorwand, Sidonie ihrer echten Mutter und Familie zu übergeben (was in dem Sinne ja auch stimmt), nimmt man sie der Ziehfamilie weg, und kurz darauf wird sie mit ihrer ganzen Familie mit dem letzten Zug nach Auschwitz deportiert, wo sie nach wenigen Wochen, die sie apathisch und nichts essend an einer Stelle herumsteht, trotz der Versuche von der Familie, sie dazu zu bewegen, etwas zu essen, und des Bruders, sie dazu zu überreden, sich zum Schlafen hinzulegen, stirbt.

Der Roman endet mit einer zusammenfassenden Betrachtung des Autors, mit der er zugleich den mangelnden Mut der verantwortlichen Personen beklagt, die es versäumt haben, im rechten Moment für das Mädchen einzutreten, anstatt den Lauf der Ereignisse durch ihr Handeln zu fördern.

Und er macht deutlich, dass es auch hätte anders sein können. So schließt die Geschichte folgendermaßen:
»Und doch besteht einer, der es wissen muss und Joschi Adlersburg heißt, darauf, dass sich auch das nicht zu Erwartende zugetragen hat, nicht in Letten, sondern 160 Kilometer weiter südlich, in der Steiermark, in einer Ortschaft namens Pölfing-Brünn, das Kind hieß nicht Sidonie, sondern Margit und lebt heute noch, eine Frau von 55 Jahren, und kein Buch muss an ihr Schicksal erinnern, weil zur rechten Zeit Menschen ihrer gedachten.«

Karin 14.11.2006, 15.32 | (1/0) Kommentare (RSS) | PL

Oh je,

...jetzt kann ich nicht einmal mehr schreiben: "Ich klicke hier mit der Maus rum", weil ich dann immer befürchten muss, dass einige meiner jüngeren Leser dann etwas ganz anderes denken und/oder sich darüber schlapp lachen könnten...

Was habe ich mir da nun wieder eingebrockt, als ich mir dieses Büchlein hier (von dem ich gerade sehe, dass es sogar schon eine neue Ausgabe 2007 gibt) bestellte, dass heute - zu meiner großen Freude übrigens - in meinem Briefkasten landete? :))

Da gibt es immer wieder neue lustige (zugegeben, teils auch strittige) Begriffe zu entdecken, die immer wieder unterhaltsam sind.

Besonders toll finde ich übrigens, dass es gleich viersprachig gehalten ist. Das ist nicht nur interessant (so erfährt man zum Beispiel, dass das mit der "Straßenpizza" in Wirklichkeit aus Frankreich stammt - ob das wirklich daran liegt, dass die Franzosen diese so sauber und rund "produzieren", möchte ich lieber nicht überprüfen *fg und das Gesicht verzieh*), sondern kann einem im Ausland auch das eine oder andere Fettnäpfchen oder Missverständnis ersparen:

So wird es nach aufmerksamem Studium dieser Fibel wohl nicht mehr zu folgender witzigen Situation kommen, die ich mir gerade leicht amüsiert vorstelle:
"Do you know my friend Larry?"
"Er... no. Why?"
"Go speak to Larry!"
"Who is that?"


Ich verrate Euch jetzt ein Geheimnis: Larry gibt es wahrscheinlich gar nicht.
Es ist einfach nur die englische Entsprechung von: "Wayne interessiert's?" und somit ein freundlicher Ausdruck von Desinteresse oder Gleichgültigkeit.
Jetzt werdet Ihr beim nächsten Auslandsaufenthalt also hoffentlich nicht darauf reinfallen. Und wenn doch, sagt nicht hinterher, ich hätte Euch nicht gewarnt. ;)

Karin 13.11.2006, 13.33 | (0/0) Kommentare | PL

Na toll!

Steht irgendwo auf meiner Stirn in meinem Hirn geschrieben: "Ich lasse mich verar***en"? Anscheinend gehöre ich zu denen, die ab und zu durch ihre Leichtgläubigkeit / ihre Naivität besonders gefährdet sind, in hinterlistig aufgestellte Fettnäpfchen zu treten. SO fängt die Woche nicht gerade verheißungsvoll an, und das wird mich jetzt bestimmt noch den ganzen Tag beschäftigen - dabei kann ich es gerade jetzt am wenigsten gebrauchen, wo ich mich doch auf andere wichtige Dinge konzentrieren muss.
Eines ist jedoch klar: Ich mag zwar leichtgläubig sein, aber gefallen lasse ich mir nicht alles, und ich weiß auch, wenn ich im Recht bin! Deswegen sehe ich eventuellen in naher Zukunft auftretenden Komplikationen oder gar Konfrontationen eher gelassen entgegen.
Jawohl: GELASSEN! Ich lasse mir den Tag und die Woche nicht von solchen höchst bedenklichen Verar**ungsmethoden gewisser dubioser Pseudounternehmen kaputt machen.



POSITIV ist schon mal, dass heute neuer Lesestoff via Bookcrossing ankam: "Volle Deckung, Mr. Bush!" (der wird ja vielleicht und hoffentlich bald abgewählt - den Bush meine ich) von Michael Moore und als Zusatzüberraschung mit derselben Sendung "Abschied von Sidonie
" von Erich Hackl, nach dem ich mich gar nicht erinnern kann, gefragt zu haben (aber scheint gut zu sein, den Kritiken zufolge).

So, und Miss Scherbart geht jetzt NICHT in Deckung, sondern volle Kraft voraus! Muss noch was tun und habe außerdem heute Nachmittag einen wichtigen Termin, von dem ich mir allerdings nicht allzu viel verspreche.

Karin 30.10.2006, 12.15 | (1/1) Kommentare (RSS) | PL

Der Golem - Buchvorstellung

Klappentext:

»Meyrinks Golem, als Buch und Film einer der dauerhaftesten Erfolge dieses Jahrhunderts, gehört zu den Klassikern der phantastischen Literatur. Wie seine Vorbilder E.T.A. Hoffmann und Poe, im weiteren Sinne auch Kafka, lässt Meyrink das Traumhafte schon in der Alltagswelt beginnen, Realität und Überwirklichkeit fließend ineinander übergehen. Dazu bedurfte es freilich einer Umgebung wie der des geheimnisumwitterten Judenviertels der Prager Altstadt und einer legendären Figur: des Wunderrabbis aus dem jüdischen Sagenschatz. Sein immer wiederkehrendes Lehmungeheuer, der Golem, wurde zu einer Chiffre für eine mystische Übermacht, die Zeiten und Schicksale auf unheimliche Weise vertauscht. Hier werden Erfahrungen im Grenzbereich der Seele zwingend in eine spannende Handlung umgesetzt.«


Kleine Leseprobe (erste Seite vom ersten Kapitel: »Schlaf«):

»Das Mondlicht fällt auf das Fußende meines Bettes und liegt dort wie ein großer, heller, flacher Stein.
Wenn der Vollmond in seiner Gestalt zu schrumpfen beginnt und seine rechte Seite anfängt zu verfallen - wie ein Gesicht, das dem Alter entgegengeht, zuerst an einer Wange Falten zeigt und abmagert - dann bemächtigt sich meiner um solche Zeit des Nachts eine trübe, qualvolle Unruhe.
Ich schlafe nicht und wache nicht, und im Halbtraum mischt sich in meiner Seele Erlebtes mit Gelesenem und Gehörtem, wie Ströme von verschiedener Farbe und Klarheit zusammenfließen.
Ich hatte über das Leben des Buddha Gotama gelesen, ehe ich mich niedergelegt, und in tausend Spielarten zog der Satz, immer wieder von vorne beginnend, durch meinen Sinn:
»Eine Krähe flog zu einem Stein hin, der wie ein Stück Fett aussah, und dachte: Vielleicht ist hier etwas Wohlschmeckendes. Da nun die Krähe dort nichts Wohlschmeckendes fand, flog sie fort. Wie die Krähe, die sich dem Stein genähert, so verlassen wir - wir, die Versucher - den Asketen Gotama, da wir den Gefallen an ihm verloren haben.«
Und das Bild von dem Stein, der aussah wie ein Stück Fett, wächst ins Ungeheuerliche in meinem Hirn: Ich schreite durch ein ausgetrocknetes Flussbett und hebe glatte Kiesel auf. (...)
Und ich will sie weit von mir werfen, diese Kiesel, doch immer fallen sie mir aus der Hand, und ich kann sie aus dem Bereich meiner Augen nicht bannen.«


Mein erster Eindruck:

Also, mich haben diese ersten paar Zeilen schon gefesselt. Es passt von der Stimmung her auch gut zum Herbst und zu Halloween, ziemlich düster, aber für mich doch magisch in seinen Bann ziehend, so dass man nicht mehr aufhören möchte zu lesen. Doch, es hat was. Allerdings muss ich schon sagen, dass ich das Buch auch nicht im tiefsten Winter lesen würde - es würde mich zu sehr hinunterziehen. Ich glaube, so würde es vielen ergehen, und das ist auch ein Grund, weshalb es wohl nicht jedem gefallen könnte.

So, und jetzt verschwinde ich mal in die Versenkung. ;)

Karin 24.10.2006, 19.30 | (1/1) Kommentare (RSS) | PL

Konsequent

Dieser Mann lebt es vor - oder versucht zumindest, so ökologisch korrekt wie nur eben möglich zu leben. Das nenne ich mal konsequent und beispielhaft. Ich denke, wenn mehr Leute, am besten sogar die meisten, noch bewusster mit ihren Konsum-, Einkaufs- und sonstigen ökologisch bedeutungsvollen Lebensgewohnheiten umgehen würden, dann sähe die Welt langfristig gesehen schon sehr viel besser aus, Ressourcen würde länger reichen und gerechter verteilt; alle hätten etwas davon, nicht zuletzt würde auch unser Planet es uns danken und die Luft wäre besser.
Der Link verweist übrigens auf einen Buchtipp - ein Buch, wo Leo Hickman seine Erfahrungen mit diesem Versuch aufgeschrieben hat. Ein Artikel in der Samstagsbeilage "Moderne Zeiten" des Kölner stadtanzeiger machte mich darauf aufmerksam.
Und hier könnt Ihr mal testen, wie viele Erden Ihr mit Eurer jetzigen Lebensweise verbraucht. Die Seite enthält auch konkrete Tipps, was man ändern/tun kann, um seine "Ökobilanz" (ich nenne es mal so) aufzubessern.

Karin 20.09.2006, 21.46 | (0/0) Kommentare | PL

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Notizen und Gedanken



Glück ist ein Duft,
den niemand verströmen kann,
ohne selbst eine Brise abzubekommen.
Ralph Waldo Emerson (1803-1883)







Ein Träumer ist jemand,
der seinen Weg im Mondlicht findet,
und die Morgendämmerung
vor dem Rest der Welt sieht.

Oscar Wilde (1854-1900)


Der Weg zum Ziel beginnt an dem Tag,
an dem Du die 100%ige Verantwortung
für Dein Tun übernimmst.

Dante Alighieri (1265-1321)


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