Blogeinträge (Tag-sortiert)

Tag: Bücher

Leo Hickman: Fast nackt

Sein abenteuerlicher Versuch, ethisch korrekt zu leben.

Da ich vor kurzem wieder diese Thematik ansprach, möchte ich Euch heute dieses Buch empfehlen. Obwohl die Lektüre bereits ca. 1,5 Jahre zurückliegt, habe ich es noch immer nicht vergessen. Ich denke, das spricht wohl für sich.


Von mir interpretierter Inhalt

In einem lockeren, unterhaltsamen und populären Schreibstil erzählt der Autor, durchaus selbstkritisch und mit einer angemessenen Portion Humor, wie er sich und seine Konsumgewohnheiten im Laufe dieses einen Jahres (und natürlich darüber hinaus) zusammen mit seiner Frau und seiner kleinen Tochter Schritt für Schritt immer mehr auf ökologisch, umwelt- und sozialbewusst umgepolt hat. Dabei erwiesen sich einige Maßnahmen als einfacher als gedacht; andere hingegen brauchten mehr Überlegungs- und Gewöhnungszeit oder waren in diesem Fall auch nicht unmittelbar umsetzbar.
Unterstützt wird das Paar dabei von drei "Beratern", die sich mit dem Thema auf ihre jeweilige Weise auskennen und somit auch verschiedene Aspekte ansprechen: Hannah Berry, die für das britische Verbrauchermagazin "Ethical Consumer" arbeitet und Vegetarierin ist. Mike Childs, Marketingleiter von "Friends of the Earth", einem internationalen Netzwerk von Umweltgruppen. Und Renée Elliott, die Aufsichtsratmitglied der Soil Association und Gründerin der Planet Organic-Bioläden in Großbritannien ist.
Weiterhin geben die zahlreichen Briefe und Mails, die den Autor im Verlauf des Experimentes erreichen, ihm (und uns Lesern) sehr viele Tipps, aber auch Rückhalt. ...weiterlesen

Karin 04.02.2010, 19.10 | (2/2) Kommentare (RSS) | PL

Minette Walters: Der Außenseiter

Klappentext

"Wegen des brutalen Mordes an seiner Großmutter wird der Außenseiter Howard Stamp zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt. Bald darauf begeht der geistig zurückgebliebene junge Mann im Gefängnis Selbstmord. Dreißig Jahre später rollt der Anthropologe Jonathan Hughes den Fall erneut auf, da er von Stamps Unschuld überzeugt ist. Bald schon stößt er auf die wahren Hintergründe des furchtbaren Verbrechens. Doch der wahre Mörder läuft noch frei herum..."


Weitere Erläuterungen zum Inhalt

Zu Beginn des Romans wird der Leser Zeuge der Vergewaltigung der damals im Jahre 1970 14-jährigen Cill Trevelyan in einem Park in der Kleinstadt Highdown, Kreis Bournemouth, durch einige männliche Jugendliche. Ihre damalige Freundin Louise Burton, mit dem das Mädchen an jenem Tag mal wieder die Schule schwänzte, wird Zeugin der Vergewaltigung und bringt ihr anschließend frische Klamotten, da die ihren völlig zerrissen und blutverschmiert sind.

Nun wird unter anderem der oben genannte Fall Howard Stamps geschildert. Ausgehend von der Hypothese, dass Howard Stamp möglicherweise unschuldig als Mörder seiner Großmutter verurteilt wurde, deckt Dr. Jonathan Hughes Indizien auf, die dagegen sprechen könnten, dass er der Täter gewesen ist. Der Mord fand ebenfalls in Highdown statt.

George Gardener, Stadträdtin von Highdown, bietet ihm ihre Hilfe bei weiteren Ermittlungen im Fall Howard an, da sie selber darüber bereits einige Recherchen angestellt hat. Zwei Monate später - wir schreiben das Jahr 2003 - treffen sie sich dort in einer Kneipe namens "Crown and Feathers", welche (wie man im Verlauf erfährt) einem gewissen Roy Trent gehört. Das Treffen verläuft ein wenig anders als geplant, und die beiden sind sich offenbar nicht gleich sympathisch, sondern teils auch von gegenseitigen Vorurteilen geprägt. Außerdem passiert noch ein kleiner Zwischenfall am Bahnhof, wo Mr. Hughes auf seinen Zug zurück nach London wartet.

Trotz dieses nicht gerade glorreichen Startes beschließen sie am Ende doch, miteinander zu arbeiten. Die Ergebnisse ihrer Ermittlungen sollen in einem neuen Buch veröffentlicht werden, welches Hughes Literaturagent und bester Freund, Andrew Spicer, vermarkten will.

Im Verlauf ihrer Recherchen und der damit verbundenen logischen Überlegungen und Verknüpfungen stellt sich den beiden auch die Frage, ob ein möglicher Zusammenhang zwischen dem Verschwinden Cill Trevelyans nach deren Vergewaltigung und dem Mord an Stamps Großmutter bestehen könnte. Letzterer geschah nämlich nur kurz nach Cills Verschwinden. Aber das ist nicht die einzige Koinzidenz: So waren die Haare, welche am Tatort gefunden wurden, rot. Auch im anderen Fall gibt es einige rothaarige Menschen...

Was George und Jonathan so erfahren, und ihre eigenen Überlegungen und Spekulationen, ist nur die eine, wenngleich eine wichtige, Perspektive des Romans. Die Szenen, wo William Burton versucht, die fehlenden Puzzleteile seiner Vergangenheit zusammenzufügen, ebenso wie die Gespräche zwischen Roy Trent und Priscilla Fletcher komplettieren für den Leser das Bild von den beiden Ereignissen und deren Drumherum.

Wie sich die Fäden nun genau verknüpfen, ob Howard wirklich unschuldig ist, oder wer ggf. der wahre Mörder sein könnte, dies und mehr klärt sich im Buch auf. ;-)


Meine Rezension

Für mich war es ein sehr spannender Kriminalroman. Ein möglicher Justizirrtum, ein mutmaßlich unschuldig verurteilter Mensch, dem man die Schuld in die Schuhe schob, bloß weil der Fall schnell abgeschlossen werden sollte und man zur Beruhigung der Öffentlichkeit und der Medien einen "Mörder" präsentieren wollte, dadurch bedingte undifferenzierte Betrachtung des Beweismaterials... aber auch die Tatsache, wie Vorurteile gegenüber einem Menschen (Anderssein, Außenseiterrolle, äußerliche Stigmata) das Urteil über ihn negativ beeinflussen können... all das sind Themen, mit denen das Buch mich hat ködern können. Diese Themen werden hier sehr gut miteinander verknüpft, ohne dass man etwa zu viel auf einmal erfährt.

Der Handlungsverlauf, in denen die gestochen scharf gezeichneten, gut voneinander zu unterscheidenenden Charaktere (wenn mal ein oder zwei zunächst nicht gleich so klar sind, hat das seinen Grund) natürlich eingebettet sind, ist flüssig und lässt zugleich Raum für eigene weiterführende Gedanken und Überlegungen, wie es sich denn nun verhalten könnte. Hat man anfangs keinerlei Ahnung, was der Mord an Howards Großmutter mit der zu Beginn geschilderten Vergewaltigung zu tun haben könnte, oder warum die Autorin uns das erzählt, wird dies später immer klarer. Aber Achtung! Es könnten auch ein paar falsche Fährten dabei sein! So fügen sich immer mehr Puzzleteilchen zusammen, man gerät zwischenzeitlich über den einen oder anderen Punkt wieder in Zweifel, einiges wird getrost verworfen - doch am Ende hat man doch ein vollständiges Bild und löst es sich auf.

Obwohl ich noch nie in Bournemouth war, habe ich bei der Lektüre doch den Eindruck gehabt, dass die örtlichen Gegebenheiten, auch zur Zeit der beiden Tatbestände, gut recherchiert waren. Die prekären gesellschaftlichen Verhältnisse, unter denen Cill, Louise, Howard und die anderen Romanfiguren dort aufwuchsen, kamen in diesem Werk jedenfalls eindrücklich und glaubhaft rüber.

Dass die Story auktorial (und bezeichnenderweise in der Vergangenheitsform) erzählt wird und somit die Perspektiven ab und zu wechseln, empfinde ich für dieses Genre schon allein aus Gründen des Mitfieberns als sehr passend und der Dynamik und Spannung dienlich. Trotz verschiedener Perspektiven hatte ich jedoch niemals den Eindruck, dass etwas Überflüssiges eingestreut worden wäre. Nebenfakten bleiben da, wo sie hingehören: Nämlich im Hintergrund. Sie werden erwähnt, wo sie gerade passen, schieben sich aber nicht ablenkend vor die Hauptsache. Vielmehr runden sie das Ganze ab, machen es lebendig und somit glaubwürdig. Die Briefe und Mails, die manchmal zwischen den Kapiteln kommen, tragen ebenso zur authentischen Wirkung bei wie die lebensechten Dialoge, welche perfekt mit den erzählenden Passagen abgestimmt sind.

Karin 29.01.2010, 21.24 | (0/0) Kommentare | PL

Heute hat mich die Datumsgrenze erreicht ;-)

Sie kam mir heute ins Haus geflattert und wird demnächst durch dieses hindurch verlaufen:

Die "Datumsgrenze".

Tauschticket sei Dank!

Aufmerksam wurde ich darauf durch die Plattform ciao.

Der viel versprechende Klappentext verleitet mich dazu, noch heute Abend damit anzufangen:

"Eigentlich hätte es eine Aktion zur Rettung des Regenwaldes sein sollen: Ein bunt gemischte junge Truppe aus Journalisten, Abenteurern und Medienstars macht sich per Zeppelin auf nach Sumatra, um möglichst viel Aufsehen zu erregen - aus unterschiedlichen Motiven. Doch als man sich nach einer Notlandung auf einer unbewohnten Insel wiederfindet, ist es mit dem Idyll schnell vorbei. Gewalttätigkeit bricht unter der dünnen Schale der Wohlerzogenheit hervor, und ein gnadenloser Kampf jeder gegen jeden beginnt.
Bis aus dem Dschungel ein Tiger auftaucht...
Ein Abenteuerthriller, der die Hitze der Tropen fühlbar macht."

Ohne Krimi [kann auch durch andere Genres ersetzt werden] geht die Mimi Karin nie ins Bett... *sing* Oder so.



Gleichzeitig mit der "Datumsgrenze" trudelte übrigens noch ein zweites Buch in den Briefkasten ein. Dieses war ausschließlich ein Tauschticket-Fundstück:

"Mit Brief und Siegel" von Peter Carter.

Klappentext:


Die Norderns wohnen in einem Vorort Ostberlins, etwas beengt zwar, aber man ist zufrieden. Von Kleinigkeiten wie den vielen Überstunden des Vaters, der im Ministerium arbeitet, und Pauls eher mäßigen Leistungen in der Schule einmal abgesehen, ist ihre Welt rundum in Ordnung. Erika bereitet sich gerade auf die Berliner Leichtathletik-Schulmeisterschaften vor. Sie ist eine begabte Hochspringerin und soll bald staatlich gefördert werden.
Mitten in den Alltag der Norderns hinein platzt Onkel Karl aus dem Westen, der totgeglaubte Bruder der Omi. Seine Vergangenheit - mit Brief und Siegel dokumentiert - bringt die ganze Familie aus dem Gleichgewicht. Sollten diese Dokumente der Polizei in die Hände fallen, sieht die Zukunft der Norderns so schwarz aus wie die Vergangenheit des Onkels...


Passend zum kürzlichen Gedenktag.

Karin 12.11.2009, 21.34 | (0/0) Kommentare | PL

Ein kleines Paradies für Bücherwürmer

Endlich gibt es jetzt auch eine Bookcrossing-Zone hier in Düren - ein Ort, wo ich meine zuvor bei Bookcrossing registrierten Bücher abladen und natürlich auch selbst nach Herzenslust stöbern kann. Bis jetzt habe ich in dem dortigen, extra für Bookcrossing eingerichteten Regal bereits einiges Interessante gefunden und teils schon durchgelesen. Nicht alles spricht mich gleichermaßen an (das wäre ja auch schlimm - dann käme ich ja nie zum Ende!). Und ein wenig schade finde ich es doch, dass sich seit der Eröffnung dieser Bookcrossing-Zone (nach dem Registrierdatum mancher Bücher zu urteilen müsste es ungefähr im November gewesen sein) offenbar noch nicht sehr viel dort getan hat. Aber vielleicht ist das nur mein Eindruck. Außerdem sind die Öffnungszeiten der Stadtbibliothek, in dem diese Ecke eingerichtet ist, nicht gerade großzügig ausgelegt, so dass viele Ortsansässige eventuell nicht die Gelegenheit haben, sich dort umzuschauen. Nun ja, aber einiges kann sich wohl auch dort noch entwickeln. Ich werde jedenfalls meinen Teil dazu beisteuern, indem ich meine alten Bücher, die ich bereits mit einer BCID und einem entsprechenden, eindeutigen Aufkleber versehen habe, mal dort hinkarre. In der Hoffnung, dass eines Tages irgendjemand daran seine Freude haben wird. Immerhin sind sie dort gut aufgehoben und gehen nicht verloren, bis so ein Jemand sie findet.
Über Bookcrossing hatte ich ja schon vor langer Zeit einmal hier geschrieben.

Karin 02.03.2009, 22.02 | (0/0) Kommentare | PL

Das bleiche Herz

Schon lange hat mich ein Buch nicht mehr so gefesselt wie dieses.

Inhalt:

Dr. Cass Bainbridge zieht aus der gemeinsamen Wohnung, die sie mit ihrem Verlobten Matt bewohnt hatte, in den Küstenort Brighton, um ihre neue Dozentenstelle an der Universität in Sussex anzutreten. Zum Einen wegen der Stelle, zum Anderen aber auch, weil sie diese Auszeit wohl braucht, um sich über die Beziehung, aber auch sich selbst wieder klarer zu werden. Dass Matt nicht gerade begeistert von dem Umzug ist, ist nicht schwer zu erraten.
Cass, die Hauptperson dieses Romans, aus deren Perspektive die Geschichte erzählt wird, ist eine etwas pummligere Frau, ziemlich chaotisch und unorganisiert, und ist hinter ihrer halbwegs selbstsicheren und gefassten Fassade etwas unsicher. Dies zeigt sich auch bei ihrem ersten Seminar an der Uni, an dem sie ihre Studenten kennen lernt.
Dass ihr Kollege Julian an diesem ersten Tag ganz dreist ohne anzuklopfen ihr Büro betritt, ist ihr auch nicht unbedingt angenehm. Zumal sie in dem Moment auch das Gefühl hat, er würde sie leicht anbaggern.
Noch merkwürdiger ist allerdings Alec, ein hochintelligenter Student aus dem Seminar, in dem sie doziert. Er scheint sie aus unerfindlichen Gründen zu verachten - jedenfalls kritisiert er sie des Öfteren, nimmt alles sehr genau und setzt sie sogar unter Druck, als sie ihm die benotete Hausarbeit nicht schnell genug zurückgibt.
Das Allerseltsamste kommt aber noch: Cass erhält immer öfter anonyme Mails und Anrufe, in denen außer gelegentlich einem Atmen nichts zu hören ist, oder in denen der Anrufer gleich auflegt. Außerdem hat sie immer öfter das Gefühl, verfolgt zu werden, glaubt sogar einen Menschen am Fenster ihrer Wohnung zu sehen, der über die Feuerleiter hinaufgekommen sein könnte. Anfangs kann sie diese Ereignisse noch als Hirngespinste, Zufall oder als etwas, das sich logisch erklären lässt, abtun. Doch all dies bricht nicht ab. Erklärungen dafür hat sie nicht. Nur vage Vermutungen, wer es sein könnte. Aber liegt sie mit einer davon richtig??

Und dann ist da noch Beth. Laut deren eigener Aussage bei der Vorstellungsrunde des ersten Seminars studiert sie ein Fach namens "Gender Studies". Schon ziemlich zu Anfang des Semesters teilt sie Cass mit, worüber sie ihre Arbeit schreiben will. Offenbar sieht es so aus, als ob sie immer wieder Vorwände sucht, um in Cass' Nähe zu sein. Als Beth ihr ihre traurige, teils jedoch in sich widersprüchliche Familiengeschichte auftischt, hat Cass Mitleid mit ihr. So kommt es, dass sie, als Beth von der Bar, in der diese nebenbei kellnert, anruft, weil ihre Pflegeeltern sie angeblich rausgeschmissen haben, direkt hinfährt und ihr sogar ein Obdach anbietet.
Was sich zunächst zu einer Art Freundschaft zu entwickeln scheint, wird Cass zunehmend unangenehm - vor Allem deshalb, weil sie sich in ihrer Privatsphäre eingeschränkt fühlt. Zum Beispiel, als sie an einem Tag nach Hause kommt und das gesamte Chaos ihrer Wohnung aufgeräumt, alles geputzt und den Kühlschrank prall gefüllt vorfindet. Zudem bringt sie Beth's Anwesenheit in eine missliche Lage, als Matt plötzlich überraschend vor der Tür steht...

Nach und nach wird sie im Verlauf der Handlung von Erinnerungen übermannt, die durch irgendwelche Geschehnisse oder Aussagen wachgerufen wurden. Diese Erinnerungen hatte sie teils schon lange verdrängt. Zuerst kommen Erinnerungen an ihre Familie hoch, wo alles noch in Ordnung war. Dann die Zeit der Pubertät, als sie 15 war und eine richtige Rebellin, wo sie den Eindruck hatte, dass ihre Mutter sie als Tochter nicht mehr so liebte wie früher - immer war ihr Bruder David das Lieblingskind. Als ihr Vater starb, heiratete ihre Mutter einen anderen. An eben jenem Tag der Vermählung passierte Cass etwas Tragisches - so gesehen eine Folge von einem ebenso tragischen Ereignis, das ihr zuvor geschehen war...

Meine Rezension:

Katy Gardner versteht es, gekonnt eine Spannung aufzubauen, die ihresgleichen sucht. Stellenweise bekommt man beim Lesen fast eine sinnbildliche Gänsehaut!

Die Ich-Perspektive, die hier wirklich perfekt ausgenutzt wird (als Leser weiß man immer nur so viel, wie die Hauptperson Cass zu dem Zeitpunkt auch weiß, bzw. woran sie sich gerade erinnert), ist dabei wirklich gut gewählt.

Es ist sehr atmosphärisch und inhaltlich dicht geschrieben. Auf diese Weise erfährt man immer wieder etwas Neues - und so manches Mal entpuppt sich etwas anders, als man dachte, wird verwirrt und auf falsche Fährten gelockt, an die die Protagonistin in dem Moment selbst glaubt.

Am Ende ist vieles ganz anders, als man sich das aufgrund des Verlaufs vorgestellt hat.
Sicher, im Rückblick hätte einiges stutzig machen können. Anderes aber konnte man wirklich nicht voraussehen, da man ja alles immer nur durch die Brille der Hauptperson "gesehen" hat.
Und diese hatte sich halt ihre eigene Version aufgebaut; einerseits geprägt durch bestimmte Dinge (schlimmer Art) in ihrer Vergangenheit, die sie verdrängt hatte und die erst nach und nach wieder zum Vorschein kommen. Andererseits aber auch durch falsche Interpretationen und Vorurteile ihrerseits.

Ebenfalls werden die handelnden Personen gekonnt in die Geschichte eingesponnen, um bestimmte Wirkungen / Handlungsrichtungen zu erzielen.

Alles in allem ist das wirklich ein Psychothriller vom Feinsten!
Ich kann schon jetzt sagen, dass es nicht das letzte Buch von dieser Autorin gewesen ist, das ich gelesen habe. Es werden weitere folgen - nur nicht direkt hintereinander.

Karin 15.10.2008, 19.57 | (0/0) Kommentare | PL

Schaurig

(Ein anderer Titel fällt mir dazu nicht ein - denn genau das ist es bzw. genau SO wirkt das Thema auf mich.)

Momentan lese ich - unter anderem - Evangeline von D. W. Buffa.

Dieses Thema beschäftigt mich währenddessen so sehr, dass ich mir meine eigenen Gedanken darüber gemacht habe.
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Karin 02.09.2008, 23.28 | (2/2) Kommentare (RSS) | PL

Freiheit

Für uns ist Freiheit etwas Selbstverständliches. Auch wenn wir uns manchmal unfrei fühlen - abhängig von irgendwelchen Verhältnissen, Verpflichtungen oder gar von etwas, das in uns selbst liegt - ja, auch dann sind wir im Grunde frei.
Wir können jederzeit unser Haus verlassen und hingehen, wohin wir wollen.
Wir sind es, die entscheiden, was wir gerade, jetzt im Moment, tun möchten, und was wir für die Zukunft planen.
Wir müssen nicht bis zum Umkippen arbeiten, denn wir können irgendwann Feierabend machen.
Wir werden nicht gezwungen, ohne Entgelt zu arbeiten.
Wir müssen uns nicht alles gefallen lassen.
Ich könnte die Liste noch lange fortführen - auch das ist Freiheit.

Doch all diese Punkte, die ich eben aufgezählt habe, sind in Wahrheit keinesfalls selbstverständlich. Es sind Errungenschaften, die vergangene Generationen für uns hart erkämpfen mussten.
Vergangen? Leider nein, noch lange nicht. Dass in bestimmten Staaten all die verschiedenen Freiheiten, die wir hier als so "selbstverständlich" angenommen haben, noch immer mehr oder weniger stark eingeschränkt sind, dürfte wohl kaum jemanden hier erstaunen.
Aber ist Euch auch bewusst, in welchem Ausmaß es auch in diesem Jahrtausend noch Sklaverei gibt? Zum Beispiel im Sudan, aber auch in Pakistan und Indien. Und es hört noch lange nicht unbedingt an den Grenzen dieser Länder auf. Wer glaubt, es beträfe nur Gegenden, die ganz weit weg sind, nur nicht bei uns in den "westlichen" Ländern, der täuscht sich leider.
Siehe Mende Nazer. Sie war bestimmt nicht die einzige. Für sie ist es übrigens gut ausgegangen: Sie erhielt nach ihrer Flucht letztlich Asyl. Bis dahin war es ein harter Kampf, wie auch am Ende in ihrem Buch nachgelesen werden kann.
Dieses Buch war auch der Auslöser für meine Gedanken über die Freiheit.
Obwohl es in einem eher einfachen Stil und nicht besonders anspruchsvoll geschrieben ist, haben mich die Schilderungen darin beim Lesen tief aufgewühlt. Was sie erleben musste, ist einfach unfassbar - man kann sich die Grausamkeiten kaum vorstellen, die sie im Laufe ihrer Geschichte durchleiden musste.
Wer immer noch glaubt, diese Geschichte wäre ein Einzelfall, den muss ich wiederum enttäuschen.

Und jetzt kommt noch etwas: Damit zumindest eine der vielen Fällen von Sklavereiopfern und somit die Problematik noch bekannter wird, verschenke ich das Buch "Sklavin" von Mende Nazer. Es handelt sich dabei um die im Schneekluth Verlag erschienene gebundene Ausgabe, die übrigens sehr gut erhalten ist. Interessenten bitte per Kontaktformular oder auch im Kommentar melden. Sollten mehrere es haben wollen, entscheidet das Los. "Einsendeschluss" für die Interessemeldungen ist der kommende Sonntag, 02. März 2008, 0:00 Uhr. offen (so lange, bis es vergeben ist).
PS: Und wenn ich sage, ich verschenke es, dann meine ich auch, dass ich es verschenke. Das heißt, auch die Portokosten übernehme ich selbst. Nur falls jemand fragt oder stutzig ist. ;-)


UPDATE 06.03.2008: Nun ist es vergeben. Kerstin hatte im Kommentar Interesse daran angemeldet und darf sich nun darauf freuen. :-)

Karin 29.02.2008, 23.55 | (3/2) Kommentare (RSS) | PL

Pellkartoffeln und Popcorn: Kriegserinnerungen

In diesem Buch erzählt Evelyn Sanders von ihren Kindheitserinnerungen zur Kriegszeit sowie den ersten Jahren nach dem Krieg.
Aufgewachsen in Berlin-Zehlendorf, erlebt sie im zweiten Weltkrieg die Fliegeralarme und Lebensmittelknappheiten und alle Schwierigkeiten, die sich im täglichen Alltag des Krieges so ergeben.
Als der Krieg in den Jahren vor seinem Ende seinen schrecklichen Höhepunkt erreicht, wird sie wie viele andere Kinder aufs Land geschickt, damit sie dort zur Schule gehen kann. Zusätzlich zu der Trennung von der Familie kommt noch hinzu, dass die Lebensbedingungen auf dem Land v.A. zu jener Zeit für ein Stadtkind, auch wenn die Pflegeeltern sich noch so freundlich bemühen, schon sehr gewöhnungsbedürftig sind.
Nur kurz ist sie beim BDM (wegen ihres Alters kam sie zum Glück erst sehr spät überhaupt hinein - sich entziehen konnte man sich dem übrigens nicht wirklich), denn eines Tages taucht ihre Mutter auf und holt sie über Umwege und mit vielen Tricks (damals brauchte man ja für alles Genehmigungen - auch für den Transport - und alles wurde sehr streng registriert und kontrolliert) zurück in ein Berlin, das kaum mehr wiederzuerkennen ist. Seltsamerweise blieb Zehlendorf von den Bombenangriffen verschont - die häufigen Strom- und U-Bahn-Ausfälle etc. bekommen jedoch auch dessen Bewohner genauso zu spüren wie alle anderen.
Nach Ende des Krieges wird es natürlich nicht von einem Tag auf den anderen besser. Der Wiederaufbau nimmt sehr viel Kraft in Anspruch. Aus Mangel an frischen Lebensmitteln wird sehr viel mit Aromen zugesetzt und statt echten Kaffee gibt es nur Kaffee-Ersatz. Am Anfang des Monats stehen sie ab 08.00 Uhr in meterlangen Schlangen vor den Lebensmittelläden, bei denen sie eingetragen sind, und hoffen, dass sie für ihre Lebensmittelkarten, wenn sie an der Reihe sind, auch das bekommen werden, was draufsteht (und nicht wieder mal nur Ersatz). Der Schwarzmarkt und der Tauschhandel blühen als einziger "Wirtschaftszweig".
Die Schulen nehmen ihren Betrieb wieder auf, so gut es eben geht (anfangs muss man auf bereits pensionierte Lehrer zurückgreifen, um überhaupt Lehrkräfte zu haben), jedoch erstmal in kleineren Räumlichkeiten, ohne Lehrbücher und mit mangelndem Schulmaterial (kaum Papier), häufig - wie immer - auch ohne Strom und im Winter mit verkürztem Stundenplan, weil es sich in der eisigen Kälte eben nicht gut lernt oder lehrt. Wer als Erwachsene Glück hat, verdient sich als Housemaid in einem von Amerikanern besetzten Haus etwas dazu, obwohl das Geld praktisch keinen Wert hat (oft tauscht man in Naturalien)...
Später wird es - wenn auch mit erheblichen logistischen Schwierigkeiten - wieder möglich, in den Urlaub ans Meer zu fahren. Zumindest, wenn man über die entsprechenden Beziehungen verfügt. Dann kommen die ersten Kriegsgefangenen zurück, und einige ziehen in eine weniger ruinierte Stadt im Westen, so lange der Umzug noch bezahlbar ist...

Fazit:

Sehr interessant, (wo möglich) mit viel Witz und mit Charme, erzählt die Autorin völlig klischeefrei, aber auch ohne Beschönigungen, ihre Geschichte. Obwohl diese locker und aus der manchmal etwas naiven Perspektive des Kindes, das sie damals war, geschrieben ist, und somit jeglicher Melancholie entbehrt (nicht zu viele Jammereien, die an den Verhältnissen gar nichts geändert hätten), spürt man doch recht deutlich die bedrückende Stimmung der Situation, in der sich diese Menschen in jener Epoche befanden.
Das schwierige Thema wurde hier auf angemessene Weise angepackt und ist so volksnah und unkompliziert, dass Menschen jeden Bildungsstandes sich dazu angeregt fühlen können, dieses Buch zu lesen. Es liest sich leicht und ist daher auch für Menschen geeignet, die davor zurückschrecken, ellenlange und trockene Geschichtsbücher zu lesen.

Karin 04.11.2007, 02.04 | (0/0) Kommentare | PL

Persönlichkeitsrecht vs. Kunstfreiheit

Spatestens seit "Esra" und "Meere" ist die Diskussion wieder neu entflammt.
Die Diskussion darüber, ab wann in der Literatur das Persönlichkeitsrecht eindeutig verletzt wird, und wann es in diesem Rahmen gerechtfertigt ist, in die Kunstfreiheit einzugreifen. Rechtlich stehen beide gleichberechtigt nebeneinander. In der Praxis geraten sie jedoch immer wieder spätestens dann in Konflikt, wenn irgendeine mit dem Autor bekannte Einzelperson sich selbst in einem literarischen Werk wiederzuerkennen und mehr noch: denunziert glaubt, obwohl sie gar nicht namentlich erwähnt und außerdem charakterlich etc. so verfremdet wird, dass sie von der allgemeinen Öffentlichkeit nicht wiedererkannt werden kann.

Im Fall "Esra" wäre womöglich niemand auf die Idee gekommen, Esra mit der Klägerin in Verbindung zu bringen, wenn diese nicht laut "Das bin ich!" gerufen hätte. Dabei hätte es genauso sein können, dass Esra einfach nur ein Phantasiegebilde des Autors ist, in dem sich zwar seine Erfahrungen widerspiegeln mögen - aber das ist der Interpretation des Lesers überlassen. Die Dame hat es dementsprechend auf sich bezogen interpretiert, und auf dieser einen Auffassung basiert dann das Gerichtsurteil. Unabhängig davon, dass ansonsten alle möglichen Leute hätten Pate für diese Figur stehen können - mal von der Option abgesehen, dass sie vollkommen frei erfunden gewesen wäre, um irgendetwas künstlerisch zum Ausdruck zu bringen.

Wie immer gehen die Meinungen darüber auseinander. Einige sehen tatsächlich in der Figur der Esra die Ehre der klagenden Person verletzt. Andere meinen wiederum, in dem Urteil eine Einschränkung der Kunstfreiheit, wenn nicht gar eine Form der Zensur zu erkennen.
Die Zensur von Medien, die etwa sexuelle Tabus der jeweiligen Zeit brechen, hat in Deutschland eine lange Tradition. Angefangen mit Günther Grass' "Katz und Maus" und "Die Blechtrommel", bis hin zu den bekannten Fällen "Mutzenbacher" und "Mephisto".

Über das "Mephisto"-Urteil kann ich nun auch endlich wieder zum Thema zurückkommen.
Hier ist in Bezug auf die Kunstfreiheit versus Persönlichkeitsrechte Folgendes zu lesen:
"Die Richter sehen es im Falle einer Kollision der Kunstfreiheit mit dem Persönlichkeitsrecht als nicht so entscheidend an, dass Persönlichkeitsdaten verwendet werden, entscheidend sei die Vermengung von realen und fiktiven Elementen. Für die Lösung sei es relevant, ob und inwieweit das 'Abbild' gegenüber dem 'Urbild' durch die künstlerische Gestaltung des Stoffes und seine Ein- und Unterordnung in den Gesamtorganismus des Kunstwerks so verselbstständigt erscheint, dass das Individuelle, Persönlich-Intime zu Gunsten des Allgemeinen, Zeichenhaften der Figur 'objektiviert' ist."
So lange man das beachtet, ist man also noch auf der sicheren Seite.

Und bei Erlebnisberichten oder biografischen Werken z.B., wo der Grad der Authentizität naturgemäß so hoch ist, dass man kaum ausschließen kann, dass sich jemand irgendwo wiedererkennen könnte, stehen diese Personen ja auch nicht im Vordergrund. Dass man niemanden beleidigt und keine intimen Details preisgibt, sollte denke ich immer selbstverständlich sein.
Wenn alle Leute, die (vermeintlich) in der Literatur gleich welcher Art auftauchen, gegen den Autor klagen würden, dann hätte - theoretisch zumindest - auch das "Ehepaar Schnabbel" gegen Hape Kerkeling klagen können, obwohl sie so anonymisiert und verallgemeinert beschrieben werden, dass es wohl auf viele Ehepaare zutreffen könnte. Oder die Österreicherin ("Gibt's 'n hier G'schäfte?"). Und ob er zuvor alle, die in "Ich bin dann mal weg" namentlich genannt wurden, nach ihrem Einverständnis gefragt hat, ist auch fraglich, zumal er zu dem Zeitpunkt nach eigener Beschreibung noch gar nicht wusste, dass er das Buch schreiben würde.

Bei anderen Berichtsformen, etwa in der Presse, ist die bloße Nennung eines Namens (wenn es sich z.B. um eine Person von öffentlichem Interesse handelt) auch nicht strafbar - in diesem letzteren Fall wäre es aber auch ziemlich absurd.

Karin 30.10.2007, 16.19 | (2/2) Kommentare (RSS) | PL

Bücherstöckchen

Bei Ocean aufgeschnappt.

Liest Du gerne?

Was für eine Frage... Und wie!!!!!

Wenn ja, welches Genre?

Oh je... wo soll ich da anfangen? Ich lese so ziemlich viele Genres, so lange mich nur die Themen interessieren... Historische Romane, Kultur- und Gesellschaftsromane, philosophische und psychologische Romane, Thriller, Schwedenkrimis, Science Fiction, Fantasy... ab und zu auch Sachbücher nund Ratgeber, aber das sind eher Ausnahmefälle.

Dein letztes Buch hieß wie?

Aktuell lese ich gleich mehrere Bücher:
- Evelyn Sanders: Pellkartoffeln und Popcorn
- Hape Kerkeling: Ich bin dann mal weg (Hörbuch)
- Elaine Aron: Hochsensibilität in der Liebe

Würdest Du es sie weiterempfehlen?

Ja. Ich bitte um etwas Geduld.

Warum hast Du Dir genau diese(s) Buch(:er) zugelegt?

1. Zufallstreffer
2. Ich wollte mal wissen, wie andere den Jakobsweg so erlebt haben - und wie unterschiedlich
3. aus Eigeninteresse

Welches war das miserabelste Buch, dass Du je in der Hand hattest?

Hm... einige Stephen King-Bücher sind tatsächlich grottenschlecht (obwohl es umgekehrt ein paar wenige gibt, die sich wirklich gelohnt haben). Mir fallen jedoch - allgemein - keine konkreten Titel ein von Büchern, die mir überhaupt nicht gefallen hätten. So etwas verdrängt man wohl ziemlich schnell...

Bist Du ein Bücherquäler? Entsorgst Du z.B. die Schutzumschläge, machst Eselsohren oder besudelst die Seiten?

Niemals!!!!! Mit Büchern gehe ich immer sorgsam um. Wenn ich ein gebrauchtes erwerbe, trage ich dafür Sorge, dass wenigstens der jetzige Zustand nicht noch verschlechtert wird.

Was machst Du mit den Büchern, wenn Du sie gelesen hast?

Verschenken, verleihen, tauschen, manchmal auch verkaufen... oder erstmal behalten. Einige Klassiker, die mir sehr gut gefallen haben oder mir etwas bedeuten, behalte ich dauerhaft.

Karin 30.10.2007, 00.28 | (2/1) Kommentare (RSS) | PL

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Notizen und Gedanken



Glück ist ein Duft,
den niemand verströmen kann,
ohne selbst eine Brise abzubekommen.
Ralph Waldo Emerson (1803-1883)







Ein Träumer ist jemand,
der seinen Weg im Mondlicht findet,
und die Morgendämmerung
vor dem Rest der Welt sieht.

Oscar Wilde (1854-1900)


Der Weg zum Ziel beginnt an dem Tag,
an dem Du die 100%ige Verantwortung
für Dein Tun übernimmst.

Dante Alighieri (1265-1321)


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