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Tag: Bücher

RAM und Jakobsweg

Da wollte ich ein wenig Hintergrundwissen über den sagenumwobenen RAM-Orden (RAM steht für Regnus Agnus Mundi, was in etwa so viel heißt wie "Herrschaft des Lammes der Welt") recherchieren, das in dem Buch "Auf dem Jakobsweg" von Paulo Coelho eine so große Rolle spielt - einfach aus Interesse.
Aber alles, was ich darüber finden konnte, war praktisch das, was ich aus der Lektüre dieses Buches sowieso schon wusste und steht entweder in Verbindung zum Autor selbst, oder es wird nur auf den fremdsprachigen Wikipedias als einzelner Artikel aufgeführt, und selbst da nur kurz.
Komisch - eigentlich müsste der Orden doch bekannter sein, wenn er schon so alt ist.
Auf der deutschen Version der offiziellen Website des Autors wird RAM wie folgt beschrieben:
" Regnus Agnus Mundi ist ein 1492 gegründeter Orden mit katholischen Wurzeln, der das Studium der Sprache der Symbole über ein System mündlicher Unterweisung betreibt. Tatsächlich entsprechen die Bezeichnungen "Meister" und "Schüler" nur Rollen in einem Prozess der Unterweisung. Darin werden Aufgaben gestellt, bei deren Lösung jeder die Antwort auf seine eigenen Fragen findet. Der R.A.M.-Orden hat keinen Amtssitz, keine offiziellen Vertreter, kein Geheimwissen, und sein wichtigster Grundsatz ist, dass man nur lernt, indem man einen Schritt vorwärts geht."
Das war's. Als wäre es lediglich so eine Art regionale Privatinstitution mit nur wenigen Mitgliedern. Dabei hätte es mich wirklich interessiert, zum Beispiel Näheres über die Gesamtphilosophie / das Gesamtkonzept des Ordens, ein kurzer historischer Rückblick, oder so etwas in der Art.
Okay, im Buch steht auch, dass es sich bei den Exerzitien etwa um Dinge handelt, die jedermann durchführen kann, einen Weg, den jeder gehen kann (so wie der Jakobsweg eben auch).
PS:Der Wikipedia-Artikel über Paulo Coelho gibt sogar noch weniger Aufschluss über RAM, ist aber ansonsten sehr lesenswert.
PPS: Über Coelhos Website stieß ich noch auf einen weiteren interessanten Link (auf Englisch) zum Jakobsweg.

Karin 12.04.2007, 02.38 | (0/0) Kommentare | PL

Nach-österliche Reflexionen

Zitat aus "Auf dem Jakobsweg" von Paulo Coelho:

"Gott wusste, dass, damit er seine Liebe beweisen konnte, das Volk den Schwächeren in den Tod schicken würde. (...)
Wen immer das Volk auch wählen würde, immer würde der Sohn des Vaters (= Bar-Abbas) am Ende gekreuzigt werden."

Wenn dem so wäre, dann müsste das in meinen Augen ein grausamer Gott sein, an den religiöse / kirchengläubige Christen glauben.
Ich verstehe nicht, was es mit Liebe zu tun haben soll, den Schwächeren sterben zu lassen statt ihm beizustehen. Nur, damit der Stärkere noch mehr über sich hinaus wachsen kann.

In der Evolution mag das ja durchaus ein nützliches Prinzip sein, dass der, der stärker ist, sich durchsetzt, eben weil er einfach überlebensfähiger ist.
Aber davon abgesehen, im Leben, fände ich es persönlich ein größeres Zeichen von Liebe, sich für den Schwächeren einzusetzen und ihm mit dieser Liebe, die ihm zuteil wird, letztendlich sogar zu stärken, damit er bald aus eigener Kraft wird um seine Ziele und Träume kämpfen können.
Hingegen empfinde ich es als grausam und ungerecht, wenn es andersherum ist.

Natürlich kann man es auch so sehen, dass man den Schwachen durch ein solches Handeln von seinem Leiden erlöst. Aber ich denke, dies ist einfach nur der einfachere Weg für manche - zumeist für die Stärkeren, die sich dadurch bestätigt fühlen und sich freuen, nun ein paar potentielle Steine weniger im Weg zu haben.

Stellt man sich das bis ins Extreme vor, dass ein solches Prinzip immer angewendet würde, dann käme man bestimmt irgendwann zu dem Punkt, wo es nur noch starke Menschen gäbe.
Und eine Gesellschaft nur aus starken (oder auch perfekten) Menschen - das erinnert mich irgendwie an Huxleys "Schöne neue Welt", wo die Menschen zwar perfekt genormt sind, aber im Grunde eigentlich auch wieder schwach, denn wenn irgendetwas Unvorhergesehenes passiert, können sie sich nicht darauf einrichten, weil es nicht mit dem übereinstimmt, was sie kennen und was sie gelernt haben (bzw. worauf sie "programmiert" worden sind, um ganz bewusst eine kalte Sprache zu verwenden).
Während mich vor so etwas schaudert, erscheint mir umgekehrt eine Gesellschaft nur aus Schwachen genauso wenig erstrebenswert - denn dann würde die Welt still stehen. Doch ich denke, eine Gesellschaft nur aus Schwachen würde es sowieso unter natürlichen Umständen niemals geben, weil der Mensch IMMER insgeheim nach irgendetwas Höherem strebt - ein Relikt der Evolution, und das ist auch gut so.

Nein, wir brauchen beide - Starke UND Schwache. Aber die (vermeintlich) Schwachen in den Tod zu schicken, das hätte etwas Selektierendes und absolut NICHTS mit der Liebe Gottes oder was auch immer zu tun. Im Gegenteil erinnert mich das sogar an... etwas ganz, ganz Schlimmes.

Aus diesen Gründen empfinde ich persönlich auch die Kreuzigung Christi als ungerecht und alles andere als liebevoll. Und könnte man den toten Jesus heute über das befragen, das auf seinem Tod begründet wurde (und was im Verlauf der Geschichte unter dessen Namen alles angerichtet wurde), würde er sicherlich in vielen Punkten die Hände über dem schüttelnden Kopf zusammenschlagen.
Unverständlich ist mir, dass man so etwas als Gottes Wille verkaufen kann, obwohl es doch wohl nur die Überzeugung einiger vermeintlich "Starker" sein kann. Denn genau das ist es ja auch: Es steht in diesem Satz nirgendwo geschrieben, dass es Gottes Wille ist - das Volk wollte es so (was auch noch lange nicht heißen muss, dass ALLE es so wollten).

Man kann dem Phänomen "Gott" für sich viele verschiedene Namen geben. Manche nennen ihn schlicht "Gott Liebe". Das ist genauso richtig wie die Aussage anderer: "Gott ist gerecht" oder wie wiederum andere für sich sagen: "Ich glaube nicht an Gott" oder "Für mich ist es etwas ganz anderes, das ich nicht benenne".
Aber um auf "Gott Liebe" zurückzukommen: Wie bloß könnte es Liebe sein, den Schwachen umzubringen sterben zu lassen, obwohl man ihm helfen sollte / könnte????? Nein, das entzieht sich wirklich meinem Verständnis.

Vielleicht habe ich irgendwas nicht begriffen, vielleicht habe ich einen anderen Blickwinkel, aus dem ich den Sinn dessen nicht erkennen kann. Ich will auch niemandem auf den Schlips treten - aber so sehe ich das.

Karin 09.04.2007, 19.06 | (4/3) Kommentare (RSS) | PL

Ein Engländer in Paris (von Stephen Clarke)

Dieses Buch habe ich schon vor einer Weile ausgelesen, war aber bisher noch nicht dazu gekommen, es vorzustellen:


Klappentext

Paul West, ein junger Engländer, kommt für seinen neuen Job in die französische Hauptstadt und findet heraus, wie die Franzosen wirklich sind: Sie essen Unmengen Schimmelkäse, misstrauen allen, die nicht französisch sprechen, und - oui, sie küssen sich den ganzen Tag! Dieser Bestseller ist ein zum Kaputtlachen komischer Bericht über die Freuden und Qualen eines verliebten Engländers in Paris.


Bewertung

Ich war total begeistert von dem Buch! Wie der fiktive Ich-Erzähler Paul von einem französischen Fettnäpfchen ins andere stolpert und dabei so einiges erlebt (die Geschichte findet irgendwo hinter der ersten Hälfte auch einen gelungenen kritisch-inhaltlichen Höhepunkt, den ich aber nicht verraten möchte - selber lesen ;-)) - es war richtig erfrischend, das zu verfolgen.
Auch lässt er sich durchaus als humorvoller und unterhaltsamer Ratgeber lesen, worauf man achten sollte, sofern man selber einmal in die Situation kommt, wo man beruflich in diesem Land und insbesondere in der Stadt der Liebe weilt.


Textauszug

"Am dritten Morgen endlich, nach einer wahren Kletterpartie über Berge aufgeweichter Kartons und zertretener Blumenzwiebeln, nachdem ich mich wie ein Storch im Salat zwischen rollenden Getränkedosen und umherflatternden Zeitungen gekämpft hatte*, glühten mir vor Stolz die Ohren, als man mir zu Qualität und Quantität der vorgelegten Papiere gratulierte. Ich erhielt Erlaubnis, die verbotene Tür zu passieren, und gelangte in einen typischen nüchternen Warteraum. In einer offenen Spirale, einem Schneckenhaus nicht unähnlich, zogen sich Bearbeitungsschalter an drei Wänden entlang. Vor den Schaltern standen Stühle, die zu etwa einem Drittel von erschöpft aussehenden Aspiranten auf eine carte de séjour besetzt waren. Einige sahen in ihren Anzügen genauso aus wie ich. Andere Versionen von mir trugen Rock. Ich fragte mich, wieviel arbeitsfreie Tage unsere Arbeitgeber das insgesamt wohl kostete.
Es gab auch ein Häuflein Chancenloser. Diese Leute sahen aus, als wollten sie jemanden davon überzeugen, dass die EU bereits 15 weitere Mitgliedsstaaten aufgenommen hatte. Das mag vielleicht ras.sistisch von mir klingen, ich lag aber sicher kaum daneben, der Auseinandersetzung von Schalter sechs nach zu urteilen.
"C'est l'Europe, non?" rief aufgebracht ein Mann mit schwarzem Schnurrbart. "Je suis Européen, moi!"
Der Blick der Beamtin hinter der Panzerglasscheibe wurde hart. Die Frauen an den Schaltern fünf und sieben unterbrachen die Abfertigung und beugten sich zur Unterstützung ihrer Kollegin um die Trennwand herum. Ein Hagelschauer einsilbiger Wörter prasselte gegen die Trennscheibe.
"Eh oh!"
"Ho lá. Eh!"
"Non, mais je suis Européen, moi! Merde!"
Das fatale Wort hatte einen magischen Effekt.
"Oh!" Die Frau, über die er sich aufregte, schob ihm seine Papiere unter dem Glas hindurch zu und sagte, er solle gehen. (...)

Kaum 24 Stunden später war ich schon an der Reihe. Ebenfalls Schalter sechs. Der Todesschalter. Ich presste zuversichtlich ein bonjour heraus (aber ohne zu viel zu lächeln), versuchte mein Bestes, europäisch auszusehen, und schob ihr mit einem Stoßgebet den Papierstapel hin.
Die Frau hakte jedes meiner Dokumente auf einer Liste ab, die sich auf der Innenseite einer rosa Aktenkladde befand. Als sie zu meinen Fotos kam, schürzte sie die Lippen.
"Sie hätten die Fotos ausschneiden sollen." sagte sie.
"Aha," sagte ich (und dachte: "Aaarrggghhh!")."
...

* Dies alles, weil zu dem Zeitpunkt mal wieder ein Streik, in diesem Fall durch die Müllmänner, im Gange ist - Anm. der Zitierenden.

Karin 17.03.2007, 02.45 | (1/1) Kommentare (RSS) | PL

Endbewertung: Die volle Wahrheit

Nachdem ich hier ja schon einen Einblick in das Buch gegeben hatte, möchte ich es Euch nun nach kompletter Lektüre noch einmal richtig vorstellen.


Klappentext:

Beim alten Adel von Ankh-Morpork wächst die Fremdenfeindlichkeit. man ist der Ansicht, dass es zu viele Trolle, Zwerge und Untote in der Stadt gibt, und im Patrizier sieht man den Schuldigen. Zum zweck seiner Enthebung werden die Gangster Nadel und Tulpe engagiert.
Sie sollen ihn mit Hilfe eines Doppelgängers in Misskredit bringen. Unterdessen haben William de Worde und einige Zwerge die erste Zeitung der Scheibenwelt afu die Beine gestellt. Als die Stadtwache Lord Vetinari verhaftet, schlägt die Stunde der Pressefreiheit...


Fazit

Ich habe mich bis zum Schluss bei der Lektüre dieses Buches köstlich amüsiert. Verglichen mit beispielsweise "Ruhig Blut" besticht es durch eine packende inhaltliche Dichte. Außerdem wird hier besonders deutlich, dass die Scheibenwelt keineswegs ein statisches Szenario ist, in das beliebig irgendwelche Geschichten eingebettet werden, sondern dass sie sich mit jedem Buch auch weiterentwickelt. Das finde ich an den Scheibenwelt-Romanen besonders spannend. Und dieser hier gehört für mich ganz eindeutig zu den besonders gelungenen!

Karin 17.03.2007, 01.54 | (0/0) Kommentare | PL

Die volle Wahrheit

Nein, dies wird noch keine Rezension dieses Buches von Terry Pratchett. Vorerst möchte ich einfach nur eine interessante Textstelle zitieren; nicht nur reicht meine Zeit nicht für mehr aus, sondern ich habe das Buch ja noch gar nicht zuende gelesen (wenn ich den Hohlbein noch mitzähle, lese ich momentan in meiner Freizeit insgesamt 4 Bücher privat parallel, und da ich ja nicht den ganzen Tag mit Vergnügungsschmökern verbringe, kann es noch etwas dauern, bis ich sie alle durch habe, obwohl sich z.B. die Franzosensatire sehr flüssig liest - ein ideales "Feierabendbuch", ohne jetzt schubladenmäßig urteilen zu wollen).
Hier also der sehr gescheite Auszug aus dem Nachfolgeroman von "Der fünfte Elefant" (jedenfalls sind in Der fünfte Elefant einige hier thematisierte Entwicklungen schon angedeutet und tauchen hier Personen auf, denen man schon in dem anderen Buch begegnet):

"Es heißt, es gäbe zwei Kategorien von Leuten auf der Welt. Wenn man den einen ein Glas zeigt, das genau halb voll ist, so sagen sie: Dieses Glas ist halb voll. Die anderen hingegen meinen, das Glas sei halb leer.
Allerdings gehört die Welt jenen, die das Glas ansehen und sagen: "Was ist mit diesem Glas? Entschuldigung! Dies ist mein Glas? Nein, das glaube ich nicht. Mein Glas war voll! Und es war größer!"
Und am anderen Ende der Bar ist die Welt voller Leute, die ein zerbrochenes Glas haben,oder deren Glas achtlos umgestoßen wurde (meistens von Personen, die ein größeres Glas verlangen), oder die überhaupt kein Glas haben, weil sie ganz hinten stehen und noch nicht die Aufmerksamkeit des Wirts erringen konnten.
William war einer dieser Glaslosen. Obwohl er zu einer Familie zählte, die nicht nur über ein größeres Glas verfügte,sondern sich auch noch Personen leisten konnte,die diskret mit Flaschen in den Nähe standen und das Glas immer wieder auffüllten.
Es war eine selbst auferlegte Glaslosigkeit, die schon recht früh begonnen hatte, als man ihn zur Schule fortschickte."
(c) Terry Pratchett
 

Karin 03.03.2007, 18.57 | (3/3) Kommentare (RSS) | PL

Chronik der Unsterblichen I

Eher durch Zufall stieß ich auf den ersten Band der Chronik der Unsterblichen, "Der Abgrund" von Wolfgang Hohlbein. Und habe mich heute Vormittag, da ich nun mal Zeit hatte, richtig darin verschmökert.

Ich muss sagen, ich bin so begeistert davon - in meinen Augen ist das sein Meisterwerk. Nicht nur spannend, sondern auch sehr einfühlsam geschrieben; ich konnte mich gut in die Hauptperson hineinversetzen, und zum Nachdenken angeregt (was meist bei mir eher nicht eine Wirkung der Bücher des Autors war, zumindest jener, die ich bisher gelesen habe - da stand für mich mehr die Spannung als Leseargument im Vordergrund - , und mich daher positiv überraschte) hat es mich auch.
Irgendwie geht mir dieses Buch nicht aus dem Kopf - ich freue mich schon auf die Gelegenheit, es weiterzulesen. Aber im Moment liest noch jemand dieses Buch - ich würde es mir dann auch ausleihen (dafür habe ich ja auch ein anderes Buch verschenkt). Außerdem kribbelt es mir in den Fingern, auch die Fortsetzungen (bisher 9 insgesamt an der Zahl, so wie ich das erkennen konnte) zu verschlingen - bin jetzt schon neugierig, wie es weitergeht, obwohl ich gerade mal die ersten 64 Seiten gelesen habe.
Sicherlich werden die darin ausgedrückten Gedanken noch einige Zeit in mir nachwirken. Zumal es (wiederum rein zufällig??) gerade so gut passte.

Karin 27.02.2007, 20.09 | (2/2) Kommentare (RSS) | PL

Tea-Bag

von Henning Mankell.

Inhalt

Die Geschichte startet in einem Flüchtlingslager in Südspanien, in dem Tea-Bag gelandet ist, nachdem das Fluchtschiff aus Afrika vor der spanischen Küste gekentert ist. Als sie dort von einem schwedischen Journalisten über die Lebensverhältnisse im Lager interviewt wird, wird ihr klar, welches fortan ihr Ziel ist: Sie will nach Schweden. Eines Tages gelingt ihr sogar die Flucht, und eine beschwerliche Odyssee quer durch Europa beginnt.

In Schweden hat der Dichter und Schriftsteller Jesper Humlin seine eigenen Sorgen: Seine Beziehung zu der Krankenschwester Andrea befindet sich in einer Krise, sie setzt ihn unter Druck, weil sie ein Kind von ihm will, er aber nicht von ihr; zusätzlich verlangt sein Verleger von ihm, dass er einen Kriminalroman schreiben soll, weil sein jährlicher Gedichtband sich nicht mehr gut verkauft, während er sich weigert, diesen Krimi zu schreiben; mit seiner Mutter versteht er sich nicht wirklich besonders gut... außerdem steht seine finanzielle Situation auf der Kippe, da seine Aktien immer weiter in den Keller rutschen und sein Aktienberater ihn bewusst schlecht berät...
Und nun soll er auch noch einen Schreibkurs für eingewanderte Frauen durchführen, die sich illegal in Schweden aufhalten und die offenbar schreiben lernen wollen, um ihre Geschichte zu erzählen. Zunächst widerwillig erklärt er sich dazu bereit, und so lernt er auf dem ersten Schreibkurs, der in dem Boxklub seines ehemals besten Freundes stattfindet, Tea-Bag, die Russin Tanja und die etwas mollige Iranerin Leyla kennen.

Obwohl der Schreibkurs nicht so verläuft, wie Jesper Humlin es sich vorgestellt hat - beim ersten Kurs schreiben viele gar nichts und einige nur drei Sätze auf, und er muss eine Ohrfeige einstecken, weil er einem der Mädchen wohlwollend die Wange gestreichelt hat.
Aber dann fangen sie eine nach der anderen an zu erzählen; und was sie erzählen, hat es in sich und geht wirklich unter die Haut. So erfährt er allmählich immer mehr über die Schicksale dieser drei Frauen, und baut sich allmählich jeweils ein Bild auf, das dennoch nie vollständig abgeschlossen ist und jedes Mal neue Fragen aufwirft...

Fazit

Das war der bisher beste Afrikaroman (wenn auch einer, der in Schweden spielt, und nicht nur ein Afrikaroman, weil ja die Schicksale von Menschen mit verschiedener Nationalität miteinander verbunden werden), den ich von Mankell gelesen habe. Sehr einfühlsam geschrieben, konnte ich mich sehr gut in die Lage der Hauptpersonen hineinversetzen.
Der Erzählstil, wo die Geschichten bewusst jedes Mal unvollendet bleiben und viele Fragen offen lassen, bringt die Handlung voran und macht sehr neugierig auf das Weiterlesen, so dass man das Buch am liebsten nicht mehr aus der Hand legen möchte.
Auch hat es mir sehr viel zum Denken gegeben und wird sicherlich noch lange in meinem Herzen widerhallen.

Karin 25.02.2007, 22.49 | (0/0) Kommentare | PL

Erwartungen

In "Tea-Bag", dem Buch, das ich zurzeit lese (seit gestern, um genau zu sein, in einer weitgehend schlaflosen Nacht angefangen), steht etwas sehr Interessantes und Nachdenkenswertes zum Thema Erwartungen, dem ich mich inhaltlich gut anschließen kann:


"Um nicht vor lauter Hoffnungslosigkeit verrückt zu werden, galt es, sich in Geduld zu üben, das hatte sie frühzeitig begriffen, Und Geduld konnte nur aus dem Gefühl entstehen, dass nichts geschehen würde, und dadurch, dass sie sich aller Erwartungen entledigte. Im Lager kam es oft vor, dass Menschen sich das Leben nahmen oder wenigstens einen ernsthaften Versuch machten. Sie hatten nicht gelernt, ihre Erwartungen wirksam zu bekämpfen, und waren schließlich unter der Last zusammengebrochen, die aus der Überzeugung resultierte, alle Träume würden sich sofort verwirklichen lassen."

(c) Henning Mankell


Das Buch selbst werde ich noch vorstellen, sobald ich es ausgelesen habe. Hierzu bitte ich wiederum um - nun ja - etwas Geduld. :-)

Karin 11.02.2007, 22.24 | (0/0) Kommentare | PL

Monsieur Ibrahim und die Blumen des Koran

Inhalt:
Der 11-jährige jüdische Junge Moses führt kein leichtes Leben: Dem Vater, ein arbeitsloser Rechtsanwalt, der sich verbittert hinter seinen Büchern verschanzt und ihn dauernd mit Moses' unbekanntem Bruder Popol vergleicht, kann er es niemals recht machen. Und das, obwohl Moses ihm den ganzen Haushalt ganz alleine führt, täglich für sie beide einkauft und sein Essen kocht. Seine Mutter ist fortgegangen, als er noch so klein war, dass er sich kaum mehr an sie erinnert.
Als Moses sein Sparschwein schlachtet, um es für ein wenig Vergnügung auszugeben anstatt es zu sparen, gefällt das dem Vater nicht ganz so gut. Außerdem ist er sehr misstrauisch und bezichtigt seinen Sohn des Geldstehlens.
Wenn er schon des Klauens bezichtigt wird, denkt sich Moses daraufhin, warum sollte er es nicht tatsächlich tun. Also lässt er jedes Mal, wenn er in Monsieur Ibrahims Laden einkaufen geht, eine Konservendose mitgehen. Schon bald stellt sich heraus, dass der gute Mann, der die Ruhe selbst zu sein scheint, das sehr wohl bemerkt.
Und mit der Zeit entspinnt sich ein interessanter Dialog zwischen ihnen, der meist nur aus wenigen Sätzen besteht, aber umso tiefgründiger ist. So erfährt er beispielsweise, dass Monsieur Ibrahim eigentlich gar kein Araber ist, sondern Türke, dass er, obwohl er Moslem ist, Alkohol trinkt, da das im Sufismus, einer mystischen / philosophischen Richtung des Islam, die den Schwerpunkt nicht auf den Legalismus (islamisches Recht) legt, offenbar nicht verboten ist. Auch zeigt sich, dass dieser Mann ein sehr verschmitztes Kerlchen ist, der seinen Charme clever einzusetzen weiß, um seine Ziele zu erreichen.
Es entwickelt sich eine richtige Freundschaft zwischen ihnen, und als Moses Lebenssituation sich schlagartig verschlechtert, erweist es sich, dass auf Monsieur Ibrahim absolut Verlass ist und er sich ungefragt sehr gut um ihn kümmert. Nach einer abschließenden Reise in die Heimat Monsieur Ibrahims, wo er auch dessen besten Freund kennen lernt und eine Art Tanz lernt, der an einem Ort getanzt wird, den man "Tekke" nennt, und der zugleich so etwas wie ein Gebet ist, wird sich sein Leben für immer zum Positiven verändern...

Textauszug:
"M'sieur Ibrahim, wenn ich sage, dass das Lächeln etwas für reiche Leute ist, dann will ich damit sagen, dass es nur was für glückliche Leute ist."
"Na, da irrst du dich aber. Es ist das Lächeln, das glücklich macht."
"Quatsch."
"Versuch's."
"Quatsch", sage ich.
"Bist du höflich, Momo?"
"Muss ich sein, sonst krieg ich was hinter die Löffel."
"Höflich sein ist gut. Freundlich sein ist besser. Versuch es mal mit einem Lächeln, und du wirst sehen."
Nun, wie auch immer, wenn man nett darum gebeten wird von Monsieur Ibrahim, der mir ein Büchse Sauerkraut allerfeinster Qualität rüberschiebt, warum es dann nicht versuchen...
Am nächsten Tag benehme ich mich wie ein Blöder, als ob mich in der Nacht etwas gestochen hätte: Alle und jeden lächle ich an.
"Nein, Madame, ich bitte um Entschuldigung, die Aufgabe in Mathe habe ich nicht verstanden."
Zack: Lächeln.
"Ich hab sie nicht geschafft!"
"Gut, Moses, ich werde sie dir noch einmal erklären."
Noch nie erlebt. Kein Anschnauzer, kein Tadel. Nichts.
In der Schulkantine...
"Könnte ich noch ein bisschen Maronencreme haben?"
Zack: Lächeln.
"Ja, mit einem Klacks Quark..."
Und ich krieg's.
Beim Sport gebe ich zu, dass ich meine Turnschuhe vergessen habe.
Zack: Lächeln.
"Sie müssen noch trocknen, M'sieur."
Der Lehrer lacht und klopft mir auf die Schulter.
Ich bin wie im Rausch. Keiner kann mir widerstehen. Monsieur Ibrahim hat mir die wirksamste aller Waffen gegeben. Ich befeuere die ganze Welt mit meinem Lächeln. Ich werde nicht mehr wie Ungeziefer behandelt.
(c) Eric-Emmanuel Schmitt

Fazit:
Ein klasse Buch, das beispielhaft für den Brückenschlag zwischen den Kulturen sein könnte. Mit einfachen Worten werden Weisheiten angesprochen, die für das Leben wesentlich sind. An vielen Stellen - vor Allem denen, in denen es zu grotesken, nicht sehr realistischen Situationen kommt - hat es mich zum Schmunzeln angeregt. Es kommt aber bei dem Buch nicht darauf an, ob es realistisch ist und ob sich bestimmte Leute tatsächlich so leicht um den kleinen Finger wickeln ließen, wenn man ihnen Ähnliches erzählen würde (zum Beispiel die Sache mit dem "Führerschein" :-) ). Auf die Aussage kommt es an. Auf die "Seele" des Buches. Also, es hat mich bewegt und es wird mich sicher noch lange gedanklich begleiten. Ich habe es ins Herz geschlossen, und daher möchte ich es Euch besonders an Selbiges legen.

Karin 11.02.2007, 21.51 | (0/0) Kommentare | PL

Nur eine Kleinigkeit

von Robert Cormier.

Inhalt:
Nach dem Tod von Henrys Bruder ist der Vater kaum ansprechbar und die Mutter schuftet, um die Familie durchzubringen. Zum glück findet Henry einen Job beim Lebensmittelhändler Mr. Hairston, doch dessen Boshaftigkeit und Menschenhass verstören ihn zutiefst. als dieser von ihm verlangt, etwas zu zerstören, was einem Freund wichtig ist, gerät Henry in einen schier unlösbaren Konflikt. Denn die Belohnung ist so verlockend wie die Strafe grausam, wenn er sich weigert. Wird er die innere Kraft haben, sich der Verführung zu widersetzen?

Fazit:
Sehr einfühlsam und mit klaren, prägnanten Worten geschrieben ist dieses Jugendbuch, dessen Thema aber auch als Erwachsener noch interessant ist. Am Ende stellt man sich die Frage, wie man sich selbst entschieden hätte, wobei für mich die Antwort ganz klar gewesen wäre.

Okay, dies war jetzt die wohl kürzeste Buchvorstellung bisher, aber mehr kann man dazu nicht schreiben, ohne zu viel vorweg zu nehmen, zumal das Buch mit seinen 111 Seiten auch nicht gerade dick, also ideal zum Lesen in einem Rutsch an einem freien Nachmittag geeignet ist.

Karin 04.02.2007, 15.01 | (0/0) Kommentare | PL

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Notizen und Gedanken



Glück ist ein Duft,
den niemand verströmen kann,
ohne selbst eine Brise abzubekommen.
Ralph Waldo Emerson (1803-1883)







Ein Träumer ist jemand,
der seinen Weg im Mondlicht findet,
und die Morgendämmerung
vor dem Rest der Welt sieht.

Oscar Wilde (1854-1900)


Der Weg zum Ziel beginnt an dem Tag,
an dem Du die 100%ige Verantwortung
für Dein Tun übernimmst.

Dante Alighieri (1265-1321)


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