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Köln - letzter Teil

Ich habe mich dann mit dieser positiven Grundstimmung in die Straßenbahn Richtung Köln begeben. Mein Ziel: Die Südstadt, meine alte Schule (Berufskolleg) besuchen - wo ich schon mal hier bin. Es ist eine ganz andere Empfindung, sich freiwillig und in dem Gefühl, kommen und gehen zu können, wann man will, noch einmal an den Ort zurückzubegeben, an den man sich seinerzeit oftmals ohne große Lust in einer Art Pflichtbewusstsein (weil man ja einen Berufsabschluss erlangen wollte), früh morgens halb unausgeschlafen (wegen des langen Wegs) begeben hatte. Jetzt bin ich frei ... kann mal Hallo sagen gehen oder es lassen, ganz wie es mir beliebt.

Natürlich habe ich schon darauf geachtet, den richtigen Zeitpunkt zu erwischen - also ganz kurz vor der Ein-Uhr-Pause. Dass es der letzte Tag vor den Osterferien war und ich großes Glück gehabt habe, überhaupt jemanden anzutreffen, wird mir erst bewusst, als ich darauf aufmerksam gemacht werde. Tja, mit Osterferien habe ich halt in dem Sinne nichts mehr am Hut - das nächste Mal wohl erst später, wenn ich mal eigene Kinder haben werde.

Auf dem Weg zum Lehrerzimmer stoße ich erstmal mit meinem ehemaligen Klassenlehrer zusammen. Während ich mich noch mit ihm unterhalte, kommt ein weiteres bekanntes Gesicht vorbei - dieser Lehrer war praktisch in einem Fach der Vorgänger meines Klassenlehrers, den wir gleich in zwei Fächern hatten. auch mit ihm wechsle ich ein paar Worte, bevor er weitergeht, in Gedanken wahrscheinlich schon bei seinem wohlverdienten Feierabend und zu Hause bei seinen Lieben.

Dann sehe ich noch einige weitere Lehrer wieder, eigentlich die meisten, die ich mal gehabt habe. Bei einer Lehrerin (Klassenlehrerin Nr. 1, d. h. im ersten Ausbildungsjahr) fällt das Gespräch auch auf ein eventuelles Klassentreffen, dass ich ja in die Hand nehmen wollte, aber wegen anderer Prioritäten vorläufig verschoben hatte. Dafür bringt sie natürlich Verständnis auf.

Alles in allem fand ich es schön, einmal die meisten meiner Lehrer wiedergesehen zu haben, und ich denke, dass beruhte auch auf Gegenseitigkeit; zumal sich auch nicht sooo viele (aber doch ein paar) seit Ausbildungsende mal zurückgemeldet hatten.

Und einige Neuigkeiten aus der Schule habe ich auch erfahren - großteils erfreuliche, aber auch eine sehr traurige Nachricht, die mich sehr betroffen gemacht hat und wo ich der Person gerne ein paar aufbauende Worte zukommen lassen würde, mich aber noch nicht traue, da ich nicht weiß, ob es so überhaupt richtig war, dass ich davon erfahren habe. Da ich aus eigener Erfahrung weiß, wie schlimm das ist, kann ich so etwas nicht einfach so ignorieren. Doch ich bin mir wie gesagt noch unschlüssig, wie ich auf die Nachricht angemessen reagieren soll. Es ist eine sehr heikle Situation ...

Aber jetzt, wo ich es weiß, kann ich nicht einfach so tun, als wüsste ich von nichts ich bin auch nur ein Mensch. Doch Mitleid? Würde das nicht noch den Schmerz verstärken? Wie hätte meine Mutter es am liebsten gehabt, das jemand Fremdes in ihrem Fall darauf reagiert? Darüber muss ich noch nachdenken und zwar im Stillen. Das ist das Wichtigste: Stillschweigen. Nichts an die große Glocke hängen. (Ich bin ja hier auch ganz allgemein geblieben; es waren lediglich die allgemeine Form meiner Gedanken, die ich wiedergegeben habe, und nichts, aber auch gar nichts, Persönliches. Das würde ich niemals tun! Versteht Ihr den Unterschied? Ich denke doch.)

Und dieses Letzte möchte ich außerdem noch klarstellen: So lange ich mir nicht darüber klar geworden bin, was die richtigste Reaktion wäre, falls es diese überhaupt gibt, werde ich gar nichts in der Richtung unternehmen. Denn mit einer falschen Reaktion würde ich gar niemandem einen Gefallen tun.

So habe ich an diesem Tag - teils auch unerwartet - wieder einigen neuen Gedankenstoff mit nach Hause genommen, an dem ich teils wieder zu knabbern habe. Aber auch und vor allem positive Erlebnisse mit ins Gepäck genommen; das will ich mal auch nicht vergessen auch wenn es sich, nach dem, was ich erfahren habe, wie eine Farce anhören mag.

Doch sollte ich mich deshalb schämen, dass ich lebe? Nein. Das hätte meine Mutter auch nicht gewollt, als sie ein ähnliches Schicksal erlitt. Und heute sind ja auch andere Zeiten, gibt es noch mehr Hoffnung!!!

Ich habe mir dann noch einen kurzen Stadtbummel in der Innenstadt gegönnt; wollte eigentlich noch etwas shoppen (regelmäßig zur Frühjahrszeit habe ich immer das Gefühl, kaum mehr etwas Vernünftiges zum Anziehen zu haben, was wie immer sehr stark übertrieben ist), aber nachdem ich ein leckeres Matjesbaguette zu mir genommen habe, habe ich keine Lust mehr. Bin müde von diesem für mich sehr langen, weil so früh begonnen, Tag. Ein Eis genehmige ich mir aber noch zum krönenden Abschluss.

Ich ignoriere die Gruppe Punks, die mit ihren Handys herumlungern, aber so tun, als hätten sie kein Geld, und setze mich auf die Stufen zur Domplatte. Schüttele nur den Kopf über die beiden FC Köln-Fan-Studentencliquen, die lauthals irgendeinen Fußballspruch zum Besten geben. Nicht dass mich das stören würde - irgendwie genieße ich es sogar, dieses quirlige Stadtleben. Hier ist halt immer etwas los - undbesonders macht es mir Spaß, dieses Treiben zu beobachten, ohne mich selbst zum Affen machen zu müssen.

Als ich mich über den Bahnhofsvorplatz Richtung Zug in die Heimat begebe, stoße ich noch auf die Vertreterin einer afrikanischen Hilfsorganisation (ich bloggte es bereits) und vollbringe meine gute Tat. Dafür gebe ich gerne Geld - nicht für bettelnde Nichtstuer/innen in schräger Kleidung und bunten Frisuren! (Sorry, aber dafür habe ich wiederum kein Verständnis.)

Karin 10.04.2006, 14.51

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