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Windsor Chorlton: Datumsgrenze

Inhaltsangabe dieses Buches

Eine junge Frau, die von einem Fischerboot geborgen wurde, wird auf die Krankenstation eines Kreuzfahrtschiffes aufgenommen. Man erfährt, dass es sich dabei um die frisch gebackene englische Zoologin Candida Woodville mit Spitznamen »Candy« handelt, die zweite Überlebende des Zeppelinabsturzes der Regenwaldexpedition von Wildguard, einer radikalen Umweltschutzorganisation. Die Gruppe war auf einer einsamen Insel vor der Küste von Sumatra gestrandet, nachdem einer der Piloten bereits während des Unfalls gestorben war. Bisher dachte man, der amerikanische Journalist Jay Boucher sei der einzige Überlebende.

Nach dieser Eingangsszene folgt ein großer Zeitsprung nach hinten: Es wird der Beginn der Geschichte geschildert, als Candy ihr Bewerbungsgespräch mit Aquila für diese Wildguard-Expedition hat. Sie macht sich nicht viele Hoffnungen, was sie auch ihrer Freundin Gemma mitteilt. Überraschenderweise wird sie aber doch genommen. (Klar, denn sonst wäre die Geschichte hier schon zuende gewesen.) Der Flug läuft bis zum Ausgangspunkt glatt; doch als sie anschließend einen Rundflug mit dem Zeppelin machen wollen, gerät dieses in Turbulenzen und stürzt ab.

Die Anführer der Gruppe und von Wildguard sind Leo Jaeger, ehemaliger Hells Angel, und Aquila Corrigan, eine spirituelle Umweltaktivistin und Vegetarierin, die von diesen Werten sehr überzeugt ist und selbst, wenn es um Leben und Tod geht, diese offenbar nicht verraten würde. Zu den Teilnehmern der Expedition gehört auch ein Prominenter, der Schauspieler Dexter Smith und seine Lebensgefährtin, das Model Nadine Wells. Aus dem journalistischen Bereich gehört noch der Filmregisseur Ronnie Trigg dazu. Wissenschaftlich begleitet wird die Gruppe außer von Candy noch von Robert Marriott, der bereits mehrere Expeditionserfahrungen in der Wildnis gemacht hat und so mit Rat und Tat zur Seite stehen kann. Der deutsche Copilot Josef Fieser ist bei dem Absturz schwer verletzt worden und muss gepflegt werden. Dazu kommt ein ominöser Mann, der sich »Disco« nennt und sich als Letzter und vor Ort der Gruppe angeschlossen hat. Die Teilnehmer sind alles junge Menschen zwischen Mitte Zwanzig und Ende Dreißig, nur der tote Pilot ist über Vierzig.

Auf der Insel geht es natürlich nun darum, zu überleben. Zwar haben sie für eine gewisse Zeit Vorräte, welche sie von dem Wrack bergen, sowie ein Schlauchboot. Aber die Vorräte werden auch nicht ewig reichen, und nach einer bestimmten Weile schwindet auch die Hoffnung, dass sie gefunden werden, immer mehr. Schließlich weiß ja auch niemand, dass sie den Absturz überlebt haben, geschweige denn, wo sie sich befinden. Zudem fahren an dieser Stelle nur wenige Schiffe vorbei. Trotzdem versuchen sie, diese mit Feuer und einer Fahne auf sich aufmerksam zu machen ohne Erfolg. Als die Vorräte immer mehr zur Neige gehen, lassen Aquila und Leo notgedrungen zu, dass gefischt wird, auch wenn sie sich selbst weiterhin streng an ihre vegetarische Ernährungsweise halten. Doch je länger der Aufenthalt hier und diese Situation andauern, desto mehr sinkt die Stimmung, bis schließlich die Ökos und die Fleisch- / Fischesser sich in zwei getrennte Gruppen aufteilen. Letztere behalten das Gebiet am Strand, während die anderen sich bei der Fahne ansiedeln.

Die menschlichen Probleme sind aber nicht die einzigen Hindernisse, die sich ihnen in den Weg stellen. Gefahren lauern auch in der Natur, beispielsweise durch die Krokodile in den Mangroven (ein Sumpfgebiet, das die Insel mit dem Festland verbindet, jedoch nur schwer passierbar ist) aber auch durch einen Tiger, der in der Gegend herumstreift...

Meine Eindrücke

Der erste Satz war für mich zugegeben etwas abschreckend, zumal ich mich von Fakten und Koordinatenangaben irgendwie erschlagen fühlte. Vermutlich war das auch ein Grund, weshalb ich das Buch in der Vergangenheit bei der Wahl einer neuen Lektüre ein paar Mal ins Regal zurückgestellt habe. Doch nach ein paar Seiten war ich dann drin und wollte unbedingt wissen, welche Geschichte Candy uns zu erzählen hat. Es wird übrigens in der dritten Person erzählt, im späteren Verlauf wird der Schwerpunkt aber immer mehr auf Candys und Jays Perspektiven gelegt. Was ja auch Sinn macht in Anbetracht der Tatsache, dass sie die beiden sind, die letztendlich bei diesem Abenteuer übrig bleiben. Dass man das weiß, hat jedoch keinen Einfluss auf die Spannung, denn wie genau alles abgelaufen ist, erfährt man schließlich erst im Verlauf der Story. Ich wollte jedenfalls immer wissen, wie es weitergeht, und es gibt auch einige Highlights und Wendepunkte. Allerdings muss ich sagen, dass der Klappentext (siehe Foto) da auch etwas in die Irre führt. Es ist nämlich keineswegs so, dass sie alle gegenseitig aufeinander losgehen würden, wie der Klappentext möglicherweise suggeriert, wenngleich es schon ein paar kritische Momente gibt. In Wahrheit ist es aber vor Allem eine der handelnden Personen, die negative Energien zu streuen versucht. Ansonsten versuchen sie meist schon vernünftige Entscheidungen zu treffen und abzuwägen, auch wenn das nicht immer leicht ist. Welche Person das ist, will ich natürlich nicht verraten, aber beim Lesen bekommt man schon allmählich eine Ahnung, wer das sein könnte. Daneben taucht aber auch noch eine andere Schwierigkeit auf, und zwar in Form von Piraten.

Den Schreibstil empfand ich als durchschnittlich. Es ist zwar flüssig geschrieben, aber eben nicht besonders, irgendwie sogar trivial. Die paar Rechtschreibfehler, die mir aufgefallen sind, fand ich noch nicht so schlimm; die häufiger fehlenden Kommas haben mich nach einer Weile aber doch etwas gestört, auch wenn mein Lesefluss davon (abgesehen von dem Ärgernis) nicht maßgeblich unterbrochen wurde. Gut fand ich hingegen, dass einige Details zur Flora und Fauna eingebaut wurden, welche übrigens auch realistisch und glaubwürdig dargestellt wurden. Diese Informationen werden auf unterhaltsame Weise eingeflochten und beeinträchtigen den Verlauf der Story keineswegs. Im Gegenteil tragen sie sogar zur Spannung bei und halten den interessierten Leser zusätzlich am Ball. Allerdings steht trotz allem die Story inklusive der Interaktionen zwischen den Charakteren im Vordergrund, so dass es kritischeren Lesern vielleicht wiederum zu wenig Hintergründe sein könnten. Alles in allem ist es schwerpunktmäßig ein Abenteuerroman. Ich persönlich hatte mir das ein wenig anders / hintergründiger vorgestellt. Etwas schade finde ich es außerdem, dass dieser Roman nicht ganz ohne Klischees auskommt und die sich anbahnende und entwickelnde Lovestory zwischen Jay und Candy streckenweise einigermaßen im Vordergrund steht. Immerhin wird das später relativiert, indem der weitere Verlauf dieses Aspektes offen bleibt aber trotzdem. Zum Schluss wird es noch einmal knifflig auf welche Weise, darüber muss ich mich natürlich ausschweigen.

Fazit

Als unterhaltsamer und auch spannender Abenteuerroman taugt dieses Werk trotz einiger stilistischer Schwächen durchaus. Ebenso sind einige Informationen nebenbei eingeflochten worden, wenngleich sie eher eingeschränkt sind. Die Story kommt für mich teils trivial herüber, und es werden menschliche Klischees bedient, ohne sie näher zu durchleuchten oder zu hinterfragen. So war zumindest mein Eindruck. Bei der Endbewertung bin ich etwas zwiegespalten. Ich denke, es kommt auch darauf an, was man erwartet. Ich selbst hatte jedenfalls ein wenig mehr erwartet als eine Unterhaltungslektüre mit teilweisem Informationswert »en passant«. Einiges hätte meines Erachtens noch mehr in die Tiefe gehen können, anstatt Bekanntes wiederzukäuen und teils Klischees zu bedienen.

Karin 15.06.2011, 20.16

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