Ausgewählter Beitrag

Siegburg - Ein Wintermärchen I

Es waren einmal 9 Menschen vom Volke der Seelenfärbler. Die hatten beschlossen, dass es mal wieder an der Zeit war, sich zu treffen. An einem schönen Samstagmorgen um punkt 11.14 Uhr trafen sie sich am Hofe der Dampfrösser. Einige waren bereits eine halbe Stunde früher eingetroffen und hatten sich unwissend schon an der Bäckerei gesichtet, aber nicht erkannt, da sie sich noch nicht kannten. Und als die Erzählerin dieser wahren Geschichte dort genüsslich ihr Käsebrötchen mit einem Latte Macchiato hinuntergespült hatte und dabei ein paar Wortfetzen vom Stehtisch nebenan vernommen hatte:
"Hallo. Nun haben wir uns ja doch noch getroffen. Mein Name ist M."
Da kam mir kurz der Gedanke, es könnten sich möglicherweise um Seelenfärbler handeln. Doch im Zweifel, ob ich mich damit vielleicht geirrt haben könnte, fragte ich lieber nicht nach und wartete weiter auf die anderen, die gleich mit dem anderen elektrischen Dampfross :) hergeeilt kommen würden. Da ich zwei der sich treffenden Menschen schon kannte, würde ich sie wohl kaum verpassen.

Als nun alle vollzählig beisammen waren, ging es schließlich auf Schusters Rappen (=Schuhe!) los - immer der Nase nach, geradeaus und dann rechts, wohin die meisten Menschen sich dirigieren, als wäre der Weihnachtsmarkt, der die Vergangenheit wieder aufleben lässt, ein Magnet, der alles, was nicht niet und nagelfest ist (und auch, was es durchaus ist), an sich zieht.

Über dem Eingang prangt in großen Buchstaben ein Willkommensgruß, der die Besucher auf dem Markt in authentischer mittelalterlichen Sprache herzlich willkommen heißt. Als wir hindurchtreten, ist es, als beträten wir eine andere, längst untergegangene Welt. Diese schön gekleideten Menschen, bezaubernde Gerüche und Geräusche, alles genau so, wie es einst gewesen sein muss, weckt phantasievolle Bilder in unserem Kopfkino, wenn wir nicht gerade miteinander reden und /oder zuhören.

Doch eines der ersten Dinge, die unsere Ohren wahrnehmen, ist wohlklingender musikalischer Art:

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Das lässt uns so sehr das Herz aufgehen, dass wir hier gerne ein Stück verweilen, der Musik lauschen und uns unterhalten lassen (dabei wird das Publikum aktiv in das Schauspiel und die Reden einbezogen, auch später, als wir noch an anderer Stelle dem Gaukler zuschauen werden; es macht alles richtig Spaß). Auch das eine oder andere Bildchen mit diesem rechteckigen Wunderwerk moderner Technik, auch Knipsmaschine genannt, ist wie man hier sieht, mit drin.

Im Weitergehen treffen wir noch zwei andere Menschen (Seelenfärbler), die auf eigene Faust unabhängig hier sind und einigen offenbar bekannt sind. Es folgt eine kurze Vorstellungsrunde und ein paar Worte, die gewechselt werden, bevor sich die Wege - also unsere und die des Paares - wieder trennen.

Bald begegnen wir einem der Schausteller, der draußen vor einem Café seinen Kaffee oder was auch immer genießt und seine Kunst noch nicht begonnen hat. Auf irgendeinen etwas laut geäußerten Kommentar von mir zur Urgewalt und den anderen kommt er direkt auf uns zu und ein kleiner, ganz kurzer Plausch wird gehalten.
Später sehen wir ihn dort wieder - in Aktion:

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Zuerst aber werden wir beim Schlendern mit einer anderen, zufälligen Begegnung beehrt (Mensch, dieser besondere Tag ist ja wie ein richtiges Überraschungsei, bei dem sich die Überraschungen förmlich überschlagen!). Fast hätten wir ihn nicht erkannt, wenn nicht Pauline's Töchterchen uns dezent darauf hingewiesen hätte: "Ist das nicht..."
Doch, er war es tatsächlich - kein Doppelgänger *gg*. Die Kappe tief ins Gesicht gezogen, ein süßes Baby (ich nehme an, seines) im Kinderwagen und sich möglichst bedeckt in der Menge haltend, gab es daran gar keinen Zweifel. Einer von uns kam dann auf die Idee, ihn zu fragen, ob er nicht schnell für ein Foto gemeinsam mit uns "posieren" möchte. Neben dem einen netten Bild von der Ruth müsste noch mindestens ein weiteres "Beweisfoto" bestehen, wo auch ich mit der ganzen Gruppe mit drauf bin. Ich bin schon gespannt, wenn ich das zu Gesicht bekomme, auch wenn Ihr hier es vielleicht nicht sehen werdet.
Danach war er allerdings flink wieder weg - was ich auch irgendwo verstehen kann. Wenn ich Promi und an einem Wochenende privat unterwegs wäre, würde ich auch meine Ruhe haben wollen. Trotzdem war er freundlich und nett - hat sogar irgeneinem vorbeilaufenden Menschen (keiner von uns, ich z.B. hatte nichts nichts Papierartiges zum Schreiben dabei außer einem Buch und ein paar Zeitungsseiten) ebenso unauffällig wie jener fragte ein Autogramm gegeben.
Gestern Abend wollte ich mir eigentlich aus diesem Anlass nach langer Zeit wieder seine Sendung angucken, habe sie aber leider vor lauter Bildbearbeitung verpasst. Na ja.

Weiter geht's - es gibt ja sooo viele hübsche Sachen zu bestaunen, zum Beispiel solche klangvollen an diesem Stand:

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Von Windspielen über Trommeln und Blockflöten hin zu kleinen Bimmelglöckchen was hier alles zu finden, an dem man sich gar nicht sattsehen konnte.

Auch hier an diesem duftigen Stand kamen wir vorbei und hielten uns (nicht nur wegen des vielen Fotografierens) lange genug dort auf, um möglichst viele Eindrücke auf uns wirken zu lassen.

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Irgendwann kamen wir auch an diesem Getränkestand vorbei:

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Wo wir allerdings nichts tranken und einige vielleicht nicht einmal das Schild bemerkten, das auf diesen sicherlich leckeren Trank hinwies. Viel mehr waren wir abgelenkt durch ein Spektakel, das genau auf der anderen Seite dargeboten wurde. Siehe Gauklerundjongleursbild.
Ich habe mich für dieses entschieden, wenngleich auch das Feuerbild mit den Fackeln serh schön geworden ist. Von den aus dem Beutel fallenden geschnorrten Feuerzeugen habe ich (zum Glück für den guten Mann mit dem derben Humor ;)) nicht gemacht.
Auch das gebrauchte Taschentuch, in das er sich laut vernehmlich / theatralisch geschneuzt hatte und das er dem Geber aus dem Publikum zurückgeben wollte, habe ich mir erspart bildlich festzuhalten. :))
Doch, es war sehr lustig. So verging die Zeit wie im Fluge, es fiel uns sichtlich schwer, uns davon loszureißen. Aber dann siegte die Neugierde, die uns weiterdrängte durch diesen dichten Menschenfluss, der sich im Rechtsverkehr durch die Budengassen wand. Denn wir wollten ja noch etwas anderes sehen.

Diesen lieblichen Harfenklängen (mir fiel erst im Nachhinein auf, dass es sich offenbar um denselben holden Jüngling wie der von dem ersten Foto handelte) hätten wir ebenfalls noch lange lauschen mögen.

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Die Musik hallte in unserer Seele noch lange nach. Doch da es woanders so lecker nach Essen roch,

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lief uns allmählich das Wasser im Munde zusammen und fing bei dem einen oder anderen vielleicht auch der Magen an zu knurren. Nun stellte sich die Frage: Wo etwas essen? Uns beratend standen wir da.

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Die Lösung war schnell gefunden. Wir einigten uns darauf, zum Griechen in einer Seitenstraße zu gehen.
Endlich konnten wir sitzen und uns ganz in Ruhe unterhalten. Und ich bekam ein mindestens 20 Jahre altes Bild zu sehen, als die Frau Urgewalt noch jünger und (auf andere Weise als heute) schön war. Kaum wiederzuerkennen! Aber dies zeigt wieder einmal, wie Menschen sich im Laufe ihres Lebens merklich verändern können...

In der Wartezeit wurden wir auch durchs Fenster auf den Nikolaus vor dem Papierwarenladen gegenüber aufmerksam, worauf eine lebhafte Diskussion entbrannte, ob wir ihn nicht mal hineinbitten sollten. Zwei gingen also los, ihn zu fragen - und kamen zwar nicht mit dem Nikolaus, aber mit süßen Schokolädchen für jeden zurück. Na, so lange er so großzügig seine Gaben auch unter den erwachsenen Kindern verteilt und draußen auf und ablaufend die Menschen mit seinem Hohoho und Glockengeschwinge erfreut, kann ich nur sagen, dann macht er seinen Job zufriedenstellend. :)
Und mit Frau Urgewalt hat er sich wie man in ihrem Blog sehen kann, auch sehr gut verstanden - musst wohl dieses Jahr sehr brav gewesen sein, liebe Ruth. ;)

Nach mehr als einer Stunde (auf die Uhr habe ich nicht so genau geachtet - unwichtig), eine Zeit jedenfalls, die bei so viel Geselligkeit, fröhlichem Lachen und Gaumenfreuden wie in Windeseile davonflog, spaltete sich die Gruppe zeitweilig. Die einen wollten hinauf zur Burg, die jetzt eigentlich ein Kloster ist, und zwar zu Fuß, die anderen verkündeten, sie wollten sich per Bimmelbähnchen hinaufbefördern lassen und blieben dann doch unten, schauten sich schon mal den Rest vom Weihnachtsmarkt an, um sich dann im Warmen niederzulassen.

Fortsetzung folgt...

Karin 10.12.2006, 23.44

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Kommentare zu diesem Beitrag

1. von urgewalt

ach hast du das schön geschrieben. ich könnte nie so schön schreiben. aber ob ich lieb war oder nicht muß der weihnachtsmann entscheiden aber ich will es doch hoffen. aber immer kann man auch nich brav sein. der weihnachtsmann war wirklich auf meiner seite und hat sich schon bei mir gemeldet. ich hab mich gefreut dich noch mal wiederzusehen. erzähl dann mal wieviel bratäpfel du gemacht hast :oops santa:
liebe grüße :kuckuck:

vom 11.12.2006, 16.04
Antwort von Karin:

Mach ich. Bis jetzt noch keine. ;)
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