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Der Teppichhändler (Meg Mullins)

Als seine im Iran zurückgebliebene Frau sich von ihm scheiden lässt, bricht für den Teppichhändler Uschman eine Welt zusammen. Er hatte sich immer gewünscht, dass sie ihm irgendwann nach New York folgen würde. Noch lange leidet er darunter, dass ihnen zusammen, noch bevor er diesen Schritt unternahm, keine Kinder beschert worden sind - zumindest keine, die die Geburt überlebten. Nun hat sie also einen anderen gefunden, mit dem sie tatsächlich ein Baby hat und mit dem sie in die Türkei gezogen ist, nachdem sie seine Mutter in ein Altersheim gesteckt hat, die sie zuvor selbst versorgt hat.
Natürlich hat er immer noch sein Teppichgeschäft, das ziemlich passabel läuft. Inklusive der anspruchsvollen, manchmal schwierigen Kundin Mrs. Roberts, für die er immer wieder neue Teppiche aussuchen muss, weil sie nach einigen Tagen feststellt, dass ein anderer doch nicht so gut in ihre Wohnung passt und ihn daher zurückgehen lässt.
Doch darüber gehen ihm seine eigenen Probleme nicht aus dem Kopf, die er erst einmal verarbeiten muss. Und die Erinnerungen an seine Heimat und seine Familie klingen noch sehr lange in ihm nach. Klar, dass es ihm als Trost erscheint, als er durch Zufall die junge Studentin Stella kennen lernt, zu der er sich gleich hingezogen fühlt und mit der er sich über alles unterhalten kann. Bis sie zueinander finden, dauert es einige Zeit - es ist wie ein vorsichtiges sich Herantasten. Und dann ist es natürlich nicht nur schön, sondern es gibt auch diese Momente, wo deutlich wird, dass sie in zwei verschiedenen Welten leben...

Fazit:

Sehr einfühlsam, mit großer Menschenkenntnis und ganz ohne Klischees und Kitsch beschreibt Meg Mullins diese Geschichte über Liebe, Einsamkeit und alles, was damit verbunden ist. Eine Geschichte, in die man eintauchen kann, aber auch ab und zu mal innehalten und darüber nachdenken.
Zum Beispiel auch darüber, was es bedeutet, verschiedene scheinbar widersprüchliche Kulturen miteinander zu vereinbaren, den schmalen Grat zwischen einer eher traditionellen Welt und der Moderne zu überwinden. Aber auch über die Bewältigung von Verlusten, und anschließend nach vorne schauen.

Gut finde ich auch die Dialoge, in denen die handelnden Personen offen und neugierig miteinander reden, locker und ohne Vorurteile. Diese kommen authentisch herüber, so, wie auch gesprochen würde, und sind, ebenso wie der Rest, flüssig geschrieben.

Trotz der lockeren, ja scheinbar „fröhlich dahinplätschernden“ Erzählweise bemerkt man doch beim Lesen die Tiefe, die darin steckt. Man spürt, dass die vordergründigen Handlungsabläufe auch einen Hintergrund haben. Die Geschichte hat eine „Seele“.

Auch die stellenweise Melancholie wird sehr gut herübergebracht, und man fühlt richtig mit dem Protagonisten, aus dessen Perspektive erzählt wird. Zugleich dringt jedoch auch in diesen melancholischen Passagen Hoffnung durch, so dass der Roman niemals schwermütig wirkt. Diese Kombination halte ich für besonders gelungen und passend.
Das Ende ist angesichts der Situation unvermeidlich, aber würdig.

Karin 20.10.2007, 21.37

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