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Seelische Tauwetterperiode

Noch vor wenigen Stunden war ich in negativer Stimmung. Das hatte wohl damit begonnen, dass ich nachts erst Einschlafprobleme hatte, weil die Gedanken ohne konkreten äußeren Grund (schließlich hat sich an meiner Situation in der letzten Zeit nicht viel geändert) kreisten und ich irgendwie unruhig war - vielleicht auch, weil so viele Dinge noch unerledigt und ungeklärt waren und teils noch immer sind.

Als ich dann aber erstmal eingeschlafen war, schlief ich wie ein Stein (aber keinesfalls traumlos - im Gegenteil hatte ich durchaus einen angenehmen Traum, den ich erinnere) durch - auch das ist bei mir nichts Ungewöhnliches.

Am frühen Abend nach Sonnenuntergang kam es mir so vor, als wäre sie gerade erst aufgegangen und würde nun schon wieder, ohne großartig Tageslicht geschenkt zu haben, wieder verschwinden. Dann las ich noch einen Artikel über Depressionen und war verblüfft, wie viele der »Symptome« doch auch auf mich zutrafen.

Auch ich bin ein Morgenmuffel (was ich für mich noch als völlig normal betrachte, was zu dem Zeitpunkt dieser Stimmung und Gedanken nicht anders war - ich brauche halt morgens meine Zeit, was wohl unter anderem auch an meinem niedrigen Blutdruck liegen kann, dass ich zum Beispiel nicht abrupt aufstehen kann etc.).

Auch laufe ich nicht permanent mit einem Barbiepuppenlächeln fröhlich pfeifend durch die Gegend herum. Und an Antrieb fehlt es mir auch manchmal - in manchen Phasen halt verstärkt; dann kann es passieren, dass ich Dinge immer wieder aufschiebe, bis ich sie dann doch irgendwann mit neuem Schwung in Angriff nehme, weil sie immer notwendiger werden oder ich mir deutlicher denn je bewusst geworden bin, was die Folgen wären, wenn ich mich nicht aufraffen würde (so etwas nennt man wohl Selbstmotivation oder auch Selbstdisziplin).

Dass ich besonders emotional bin (es gab sogar schon Augenblicke in meinem Leben, wo ich ohne nach außen erkennbaren, mir persönlich aber doch unterbewusst schwanendem Grund geheult habe), sehe ich einfach als zu meinem Naturell gehörig und außerdem als etwas durchweg Positives an, da doch Sensibilität auch etwas ist, dass einem beispielsweise im Umgang mit Menschen, oder um etwa Mitgefühl gegenüber anderen zu entwickeln, sehr nützlich sein kann. Emotionale Intelligenz ist ja ohnehin etwas, was vielerorts wohl immer mehr verloren geht, also vor Allem da, wo es fast nur um den eigenen Profit, um Geld und andere wirtschaftliche Belange geht, und wo der Mensch immer mehr auf der Strecke bleibt (was man etwa in vielen Entscheidungen v.A. größerer und internationaler Konzerne erkennen kann).

[Eben weil ich so emotional bin, könnte ich mir beispielsweise auch niemals vorstellen, im Personalwesen tätig zu sein; solch gravierende Entscheidungen, die gewissermaßen über Existenzen von Menschen entscheiden, würde ich mich viel zu schwer tun zu treffen, weiß ich doch auch aus dieser anderen Perspektive, wie es ist. Aber ich schweife wieder mal ab.]

Mit einem Wort: Ich war nah dran, mich in eine Schublade zu stecken, in die ich definitiv nicht gehöre. Oder nicht gehören will, und daher aus diesen Gedankengängen neue Kraft geschöpft habe, in dem ich mir gesagt habe: So will ich nicht werden. Ich muss endlich mal wieder für mich selbst sprichwörtlich mit der Faust auf den Tisch klopfen und einfach aufstehen. Chakka!!!

Dann ließ ich den Computer hochfahren, checkte gewohnheitsmäßig meine Emails und war erstaunt, wie viele Kommentare auf einen einzigen Beitrag von mir abgegeben worden sind. Das hätte ich nicht gedacht. Anscheinend ist das Themenspektrum: Individualität, »Mittelmäßigkeit« und Erfolg allgemein sehr ansprechend. Klar, es sind halt Lebensthemen, die einen immer wieder auf die eine oder andere Weise beschäftigen. Beim Schreiben des einen Beitrags waren übrigens keine aktuellen Gegebenheiten ausschlaggebend für meine Gedanken - ich wurde in dem Moment ausschließlich durch den Spruch, über den ich nachgedacht habe, inspiriert. Natürlich spielen da auch meine individuellen Erfahrungen (also nicht nur die selbst gemachten, sondern auch, was ich durch andere erfahre), Elemente aus meinem eigenen Leben usw. mit eine Rolle - wie sollte ich sonst zu solchen gedanklichen Schlüssen kommen?! Aber es gab keine konkrete Situation als Auslöser.

Umso mehr bin ich ein wenig erstaunt über die Resonanz. Aber es ist gut so. So mag ich bloggen. Wie Ihr seht, habe ich auch alle Kommentare beantwortet (was ich seit einiger Zeit sowieso immer tue, einfach, weil mir jeder Kommentar es wert ist), und es hat gut getan, meine Gedanken in die Tastatur zu tippen; es hat sogar gut getan, eventuelle Missverständnisse, die aus dem Beitrag etwa herausgelesen wurden, aufzuklären. Solche konstruktiven Diskussionen liebe ich, sie sind zugleich Anregung und halten den Geist in Bewegung (denn Stillstand wäre das Schlimmste, was einem passieren könnte - Stillstand und Lethargie wären für mich mit einer anderen Art von Tod gleichzusetzen).

In diesem Sinne bedanke ich mich ganz herzlich bei Euch für Eure zahlreichen Denkanstöße. Sie haben einen doppelten Zweck erfüllt. :)

Karin 03.11.2006, 22.37

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