Wahrhaft entdecken kann der Mensch nicht auf einer Entdeckungsreise, sondern dann, wenn er neu zu sehen lernt.
Dieser Zufallsspruch passt wie Faust aufs Auge. Heute Nacht um etwa halb Eins kam nämlich mein Vater braungebrannt aus seinem Türkeiurlaub zurück, zu dem er sich zum zweiten Mal innerhalb von drei Jahren mit einem guten Freund aufgemacht hatte (die beiden waren von einem weiteren gemeinsamen Freund vom Flughafen abgeholt worden). Zwei Mal an denselben Ort (Kusadasi), das fände ich in meinem jungen, abenteuerlustigen Alter zu langweilig. Und wenn ich in Urlaub fahre, will ich Neues, will ich Kultur, will ich Menschen kennen lernen, will ich viel Außergewöhnliches erleben - keinen reinen Erholungsurlaub, kein Herumhängen am Strand und um die Hotelanlage herum, kein ewiges Shoppen auf irgendwelchen Märkten und Läden oder Herumsitzen in irgendwelchen gewöhnlichen Cafés, also Dinge, die man zum Großteil auch zu Hause haben kann, nur eben mit ein paar Grad Celsius weniger. Und ich würde jede Menge Fotos knipsen, so viel, wie sämtliche Speicherkarten, die ich besitze, hergeben. Nicht so die Generation meines Vaters.
Okay, mit einer dicken Schwellung am Fuß ab der zweiten Woche, wohl wegen irgendeiner Reaktion auf die Sandalen, die er sich gekauft hatte, kann man eben nicht allzu viel unternehmen. Gelaufen ist er damit trotzdem. Aber wenigstens hat er sich gut vom Alltag erholt und viel Sonne getankt. Machte jedenfalls einen guten Eindruck, als er heute zurückkam, und einige Sachen hatte er ja doch zu erzählen, wenngleich nur die Kurzversion zu jener Stunde. Er ist ja auch gerade erst angekommen. Den Rest werde ich wohl so nach und nach erfahren. Ich wohne ja schließlich mit ihm zusammen, da redet man ja täglich miteinander.