Blogeinträge (Tag-sortiert)

Tag: Philosophie

Vorurteile Oder: Brauchen Menschen Illusionen?

Oft schätzen mich die Menschen (zumindest die, die mich nicht kennen) anders ein, als ich tatsächlich bin. Da komme ich als jemand, der aufrecht und mit offenen Augen durchs Leben geht, nicht umhin, mich zu fragen, woran das nur liegt. Klar kann man es auch aus Bequemlichkeit als naturgegeben ansehen, dass die Menschen sich nun mal ein Bild von dem Fremden machen wollen. Es ist ja auch irgendwie verständlich, erscheint er einem dann doch etwas weniger fremd, wenn man sich die Illusion schafft, ihn zumindest etwas zu kennen. Eine solche Vertrautheit, die auf Vorurteilen basiert, erweist sich jedoch im Alltag allzu schnell als scheinheilig und somit ziemlich brüchig, sofern diese nicht revidiert oder richtig gestellt werden. Und selbst dann lässt sich das Gefühl der Enttäuschung auf beiden Seiten oft nicht mehr vermeiden, der Graben zwischen den Akteuren verstärkt sich die zerstörte Illusion mitunter sogar noch.

Aber warum bilden sich die Menschen dann trotzdem immer noch Vorurteile, wo sie doch längst wissen oder wissen sollten, dass deren Schaden in der Regel größer ist als ihr Nutzen? Unvernunft? Das wage ich nicht zu unterstellen, denn dann würde die Vernunft ja, wenn überhaupt noch vorhanden, zu einer Rarität degradiert. Oberflächlichkeit? Man sollte doch meinen, es sei bekannt, dass die Spitze des Eisbergs nur ein minimaler Teil des Ganzen ist und etwa 90% unserer vieldimensionalen Welt sich unter der Oberfläche befindet. Unfähigkeit oder Unwille, in diese Tiefen hinabzugleiten? Vielleicht sogar aus Angst vor dem Ungewissen, aus Furcht davor, statt den erhofften Perlen nur Seeungeheuer vorzufinden? Zu viele Horrorfilme mit irgendwelchen Psychopathen geschaut? Oder was?

Die Gründe mögen unterschiedlich sein. Demnach wären die Methoden, sich davon zu befreien, wohl ebenso unterschiedlich und entsprechend differenziert zu betrachten und von jedem ganz individuell anzuwenden. Vielleicht fällt es den Menschen deshalb so schwer.

Oder sie sind einfach zu bequem. Oder sie unterliegen der Illusion, ihre Illusionen würden sie glücklicher machen als die (aufwändigere, aber lohnenswerte) Suche nach der Wahrheit.

Ich bin nicht diejenige, die die Macht hat, solche Illusionen anderer willentlich zu zerschlagen - selbst wenn ich es wollte. Das kann nur jeder für sich selbst. Durch generelle Offenheit, und vor Allem durch genaues Hinsehen und Hinhören. Das vermittelt einem zuverlässig wertvolle realistische Informationen. Dann kann man sich seine Gedanken darüber machen. Nicht vorher. Sonst entgeht einem vieles.

Amen.

Karin 06.08.2006, 20.17 | (0/0) Kommentare | PL

Gedanken hinter dem Vorhang der Lebensshow

Auf der Annakirmes gestern war viel los. Es war bunt, ich habe viel gesehen, Geld ausgegeben (wenn auch mit Bedacht), Gewürze, Zimtstangen und Billigschmuck (aber nur schönen, dem man es nicht allzu sehr ansieht ;)) gekauft, gestaunt, das Leben genossen, ein paar Pläusche gehalten, Tortelloni mit Weizenbier verzehrt (das Weizenbier natürlich dazu getrunken und nicht mit der Pasta vermischt *gg*), seltsame Menschen gesehen, über die ich schmunzeln musste (ein Foto konnte ich davon ja nicht machen, wobei es mir sowieso unangenehm wäre, einfach so fremde Leute, sofern sie nicht zu irgendeiner Show gehören, zu fotografieren - das macht man einfach nicht), mich in einer begehbaren Liveshow gegruselt und amüsiert, Nervenkitzel auf der Achterbahn gefühlt... mich eben lebendig gefühlt!

Überhaupt mag ich es, mich hin und wieder einfach so, ohne vorherigen Plan, unter die Leute zu mischen. Es ist eine tolle Selbsterfahrung, einfach mal ins Leben einzutauchen und bewusst wahrzunehmen, was es einem an Überraschungen bietet, also auch all die »Kleinigkeiten«, denen man begegnet. Sich mit Menschen unterhalten, die man höchstwahrscheinlich nie wiedersehen wird. Es ist auch eine Form von Freiheit - eine, die man sich immer leisten kann und die ich mir ab und zu gönne, weil sie meiner Seele guttut; vielleicht gerade deshalb, weil sie ohne (negative) Konsequenzen ist, was sie so luftig-unbekümmert macht. Und doch habe ich etwas davon, kann für mich eventuell etwas daraus ziehen. Aber eben dies ist die Freiheit, die darin liegt: Ich allein entscheide, was ich daraus mache, welchen Wert ich diesen zufälligen Erlebnissen jeweils beimesse (über manche kann man ja durchaus meditieren, gerade bei den Zufallsbegegnungen und -gesprächen - egal, ob sie nun bereits Bekanntes bestätigen oder auch mal neue Erkenntnisse bringen).

Es gab mal früher eine Zeit, da habe ich das anders empfunden. Damals ging ich nicht so gern allein irgendwo hin, und wenn, dann fühlte ich mich einfach nur »allein unter Menschen« und wusste daher weniger die Vorzüge dieses Unabhängig-Seins zu schätzen. Ich sehnte mich danach, so zu sein wie die anderen, anstatt froh zu sein, dass ich so war, wie ich bin. Dass es Menschen gab, die mich nicht verstehen, und über die ich selbst umgekehrt nur den Kopf schütteln konnte, sah ich einst als Zeichen dafür, dass ich mich ändern sollte (die anderen, die Masse, würde es ja doch nie tun).

Natürlich war es ein langer Prozess, bis ich akzeptieren konnte, dass ich niemals so sein würde wie andere; und mehr noch: dass ich sogar stolz darauf war, bestimmte Eigenschaften zu besitzen, die ich als meine ganz persönlichen Stärken betrachte und die noch lange nicht jeder sein Eigen nennen kann. Auch bedurfte es einiger Erfahrungen, um zu dem Schluss zu kommen, dass ich im Grunde gar nicht so werden möchte wie manche. Dass ich lieber leise, ohne groß damit aufzufallen und schon gar nicht negativ (dafür ist mir mein Frieden und der meiner Mitmenschen zu heilig), gegen den Strom schwimme, als mich brausend von einer vergifteten Strömung mitreißen zu lassen, dessen Gift derartig wirkt, dass der Blick der Betroffenen so getrübt wird, dass sie ihre durch dieses Gift verursachten Krankheitssymptome gar nicht mehr bemerken.

Ich gehe nun mal meinen individuellen Weg und bin dabei jedem dankbar, der mich auf welche Weise auch immer (es gibt dabei so viele Möglichkeiten wie das Leben Seiten hat) dabei begleitet. Wenige wahre Freunde sind mir hierbei mehr wert als viele falsche. Ehrlichkeit und Authentizität ist für mich die Grundvoraussetzung für ein solches Miteinander, da es Vertrauen schafft (Pfeiler Nummer 3). Wer nicht einmal diese grundsätzlichen Werte, die eigentlich unter dem Schutzmantel der Menschlichkeit selbstverständlich sein sollten, einhalten kann und beispielsweise andere auf gemeinste Art und Weise hintergeht oder gar denunziert, mit dem will und brauche ich nichts zu tun haben. Der schießt sich selbst ins Abseits. Aber: Selbst in solchen Fällen bin ich ja kein Unmensch und warne wenigstens vor den Folgen ihres Tuns. Ob sie es hören wollen oder nicht. (Wohl eher nicht, aber das ist mir egal - in dem Punkt stelle ich mich genauso stur und ignorant wie jene)

Das alles war natürlich gestern auf der Annakirmes kein Thema. Wenngleich es wohl sicherlich mein Besuch darauf war, der mich zu meinen philosophischen Gedankengängen über mich selbst inspiriert haben bzw. Ausgangspunkt dafür waren. Dabei hat mein Gedächtnis wohl auch wieder dieses nicht neue aber immer noch aktuelle Thema aufgewühlt, das wohl immer irgendwo irgendwie ein Thema sein wird. Ich bin zwar kein Mensch, der die Dinge immer wieder aus verschiedenen Richtungen, mal links- und mal rechtsherum, durchkaut, sondern sich lieber mit vielen mannigfaltigen Themen befasst, da es so viel im Leben gibt... aber das musste einfach mal klipp und klar gesagt werden.

Karin 06.08.2006, 19.31 | (0/0) Kommentare | PL

Der Sinn des Lebens in einer oft unsinnigen Welt

Angeregt durch einen Text in der Bohnenzeitung habe ich mir selbst die Frage gestellt: Wofür lebe ich? Welchen Sinn gebe ich meinem Leben selbst?

Ich denke, gerade in Zeiten von Arbeitslosigkeit, wo außerdem alles teurer wird und man sein Geld sowieso schon sehr gut einteilen muss, wenn man nicht irgendwann ziemlich ohne da stehen will (weil es heute ja keinerlei finanzielle / wirtschaftliche Sicherheiten mehr gibt, ja nicht einmal eine medizinische Grundversorgung scheint gesichert, da man ja immer mehr zuzahlen muss; seit der Einführung der Praxisgebühr überlegt man sich ja schon dreimal, ob man wegen irgendeiner Kleinigkeit zum Arzt geht), ist es besonders wichtig für das seelische Wohlbefinden des Einzelnen, dass man neben all solchen Oberflächlichkeiten und Statussymbolen (wie etwa ein dickes Auto, die Segelyacht, und was sich die Reichen noch so alles für überflüssiges, Geld und Rohstoffe fressendes Zeug anschaffen) auch Dinge, also auch Beschäftigungen und Menschen hat, die einem einen tieferen Lebenssinn zu geben vermögen.

Paradoxerweise ist gerade in dieser turbulenten Zeit in der Gesellschaft genau das Gegenteil zu beobachten [siehe auch hier]: Die Menschen jagen sich in ihrem teilweise wahnhaft kranken Erfolgsdenken gegenseitig ins Boxhorn; jeder will der schnellste, beste, reichste und vermeintlich höchste sein. Dabei geht so mancher zugrunde, wird verletzt oder betrogen, während die andere Seite immer mächtiger, skrupelloser und zuletzt auch aggressiver wird. Weil sich ja niemand gegen sie wehrt oder sich traut, sie auf ihr Verhalten aufmerksam zu machen. Oder es schon als normal betrachten. Schließlich ist es ja schon in der Evolution festgelegt, dass der Stärkere gewinnt und der Schwache nicht überleben wird. Dass wir nicht mehr im Dschungel leben, scheint in dem zivilisierten Wahnsinn (nächstes Paradoxon) oftmals vergessen zu werden. Dass Zivilisation auch heißt, Verantwortung für sich selbst und das was man tut zu übernehmen, mitzudenken und sich eine eigene Moral zu bilden, die zumindest niemanden schadet, am besten sogar dem sozialen Miteinander dient, geht hierbei ebenfalls oft unter. Sogar vor Kriegen, die (wenn man es sich mal genauer anschaut) immer irgendwo entweder eine Habgier oder oder eine unsinnige Rechthaberei, in der sich jede Seite für besser hält als die andere, als Ursprung haben, scheut man nicht zurück. Auch das nennt man dann zivilisiert, obwohl doch klar sein dürfte, dass es das nicht ist.

Ich persönlich ziehe es vor, in einer Welt voller vorbeischießender Hasen ein Igel zu sein (Ihr kennt doch bestimmt die Geschichte), der zwar nicht so schnell zu sein scheint, aber auch gar nicht das Bedürfnis hat, sich oder anderen irgendetwas beweisen zu müssen, indem er sein Ziel im Rekordtempo zu erreichen versucht, nur um dann gleich wieder dem nächsten Ziel entgegenzusprinten, womöglich ohne zu bemerken, dass er sich dabei immer auf derselben Strecke hin und herbewegt. Wozu sich dauernd abhetzen, als gäbe es nichts anderes? Worin liegt in dieser Hetzerei der Sinn? In Wahrheit müssen diese Hasen doch kreuzunglücklich dabei sein oder zumindest, es nach der x-ten Ehrenrunde werden. Aber sie sind ja sooo busy, dass sie es vielleicht nicht einmal mehr bemerken. Die Rechnung kommt oft erst, wenn es zu spät ist, und der ungeheure Druck, der dadurch in ihnen und bei ihrem Umfeld entsteht, sich eventuell auf schmerzhafte Weise entlädt. Wo sollte auch sonst die ganze Hochspannung hin, wenn sie nicht irgendwann nach draußen vordringen würde?

Nun, ich für meinen Teil gehöre also zu den Gelassenen. Für manche sogar zu gelassen, aber das ist ein anderes Thema. Jedenfalls lasse ich mich nicht verrückt machen oder gar von mir selbst abbringen. Letztlich ist das etwas Positives und ist auch das, was zählt. Meinen Sinn gebe ich mir durch meine Hobbies, das Schreiben und was ich sonst noch kreativ schaffe. Aber auch, was ich anderen Menschen vermittle - nicht nur kommunikativ, inhaltlich oder kognitiv, sondern auch das Mitgefühl, das ich zeige, meine Fähigkeit zuzuhören und mich in andere hineinzuversetzen und meine Anteilnahme, mein Verständnis (das natürlich auch seine Grenzen kennt, nämlich da, wo die Menschlichkeit und in weiterem Sinne die Natur aufhört); auch die Freude, die ich teile. Neben dem, was ich anderen gebe, ist aber auch das, was ich für mich selbst tue, sinnvoll. Denn auch wenn ich für andere da bin und an sie denke und dies völlig unvoreingenommen und ohne Hintergedanken tue (dass es allen Seiten Vorteile bringt, ist ein schöner Nebeneffekt, aber nicht die Hauptsache und sollte auch nicht einseitig sein), bin ich noch lange nicht selbstlos. Und es ist ja auch nichts in negativem Sinne egoistisches daran, wenn man an sein eigenes Wohl denkt und das macht, was man für richtig hält und was einem auch guttut - manchmal auch ohne Rücksicht auf die Pflichten, die sich vor einem auftürmen. ;)

Man muss auch mal das Leben genießen können, offen für das bleiben, was kommt und nicht geplant war, es einfach mal entspannt plätschern lassen, sich zurücklehnen und eine Verschnaufpause gönnen, spontan etwas Lustiges oder Schönes unternehmen, neue Menschen und die Kultur eines Landes (des eigenen oder eines anderen) kennen lernen und Erfahrungen sammeln. Für mich hat auch dies alles einen Sinn. Nicht nur, um die Erlebnisse, meine Eindrücke und Gedanken dazu später aufzuschreiben, nicht, um möglich viel zu erzählen zu haben, sondern schlicht und ergreifend aus Lust am Leben. Und weil jede Erfahrung einen die Welt letztlich wieder ein Stückchen mehr begreifbar macht. Man wächst daraus, lernt immer mal wieder etwas dazu und erweitert seinen Horizont stetig - nicht bis in Ewigkeit, aber jedes Quentchen Weisheit, das man bekommt, ist doch auch etwas sehr wertvolles.

Also, ich persönlich fühle mich immer sehr, sehr reich, wenn ich denke. Und das tue ich praktisch immer. Manchmal drehen sich meine Gedanken auch um scheinbare Banalitäten, wie das bei jedem mal so ist. Aber ich denke.

Und ich bin mir dabei bewusst, dass es schon irgendwie an ein kleines Wunder grenzt. Millionen Jahre Evolution vom Einzeller bis zum Säugetier (und noch einmal ein gute Stück bis zum modernen Menschen) hat es dafür gebraucht, um diesen kleinen Teil im Gehirn zu entwickeln, der für die menschliche Vernunft zuständig ist. Auch wenn dieser Teil ist noch lange nicht perfekt ausgebildet ist und es wohl nie komplett sein wird (schließlich besteht der Mensch ja so ganz nebenbei auch noch aus Gefühlen, aber auch immer noch vorhandenen niederen Instinkten, was durchaus nichts schlechtes meint, beinhaltet es doch auch die Intuition, auf die wir heute oft viel zu selten hören); auch wenn die Vernunft also - ich sage: zum Glück! - nicht allumfassend ist, mache ich gerne von diesem Wunderwerk Gebrauch und ehre es damit, indem ich es trainiere und klug einsetze. Und es macht mir sogar Spaß!

Damit stelle ich mich im Übrigen keineswegs über andere; im Gegenteil, ich lasse jedem seine eigenen Gedanken und habe dabei die meinen.

Karin 27.07.2006, 23.34 | (1/0) Kommentare (RSS) | PL

Damit Veränderungen nicht scheitern

Oft wird einem gesagt: »Warum bist Du bloß so und so? Wann änderst Du Dich mal?« Zeit seines Lebens wird man dazu angehalten, sich zu verändern, sich anzupassen und immer besser zu werden. Wer das nicht tut, hat das Nachsehen. Immer soll man nach möglichst viel Perfektion streben, obwohl klar ist, dass man diese in einem Leben, und auch in hundert, niemals erreichen wird. Weil es einfach nicht geht - nicht als Mensch und auch nicht als was auch immer. Es gibt immer irgendeinen Makel, und wer danach suchen will, wird auch immer irgendetwas an anderen (und wenn er ehrlich ist, auch an sich selbst) auszusetzen wissen. Statt sich mal so anzunehmen, wie man ist, wird dan direkt die Flucht ergriffen - die Flucht in die Veränderung und somit vor einem selbst.

Versteht mich nicht falsch: Ich habe an sich nichts gegen Veränderungen. Sie sind notwendig, wenn man sich selbst weiterentwickeln und nicht auf der Stelle treten will. Bestenfalls hat man sie sich selbst ausgewählt, in manchen Fällen wurden sie einem auch durch irgendwelche äußeren Umstände aufgedrängt, sei es, weil es einfach nicht mehr anders ging, weil eine Sackgasse zur Umkehr oder zum Einschlagen eines neuen Weges zwang, oder weil man selbst einfach zu schwach war, um seinen eigenen Willen durchzusetzen, oder nicht den Mut aufgebracht hat und den alles entscheidenden Stoß eben brauchte (in dem Fall ist die Fremdeinwirkung ja nichts Schlechtes, sofern man es selbst im Innersten so wollte; und auch sonst kann man daraus lernen, was letztlich auch die praktische Grundvoraussetzung für den Erfolg einer Veränderung ist).

Doch bevor man auch nur daran denkt, sich zu verändern, ist es da nicht sinnvoll, sich zunächst einmal selbst mit all seinen Fehlern so anzunehmen wie man ist? Erst dann kann man souverän voranschreiten und den Schritt ins Ungewisse oder gar den Sprung ins kalte, vielleicht auch felsige Gewässer wagen. Ist das nicht gegeben, läuft man schnell Gefahr, dass die geplante Veränderung sich als totaler Flop erweist. Und wieder hat man eine Enttäuschung mehr zu verkraften, die es einem nicht unbedingt leichter macht, das Vorhaben tatsächlich umzusetzen.

Karin 27.07.2006, 21.52 | (0/0) Kommentare | PL

Zwei Worte zum Samstag

Zufallsspruch:
Verurteile deinen Nächsten nicht, weißt du doch nicht, was du an seiner Stelle getan hättest.

Da ist was dran. Man müsste sich schon vollständig in die Lage anderer Menschen versetzen können, mehr noch: selbst in dieser Lage sein, um genug Wissen zu haben, um sich überhaupt ein Urteil irgendeiner Art erlauben zu können (falls man sich überhaupt eines leisten will). Ein sehr weiser Spruch, und weise der Unbekannte, der ihn ausgesprochen hat.

Und auch dieses Zitat ist wieder einmal sehr bedenkenswert:

Vorsicht und Misstrauen sind gute Dinge, nur sind auch ihnen gegenüber Vorsicht und Misstrauen notwendig.
Christian Morgenstern

In Maßen ausgeübt und wenn sie klug gewählt und begründet sind, können Vorsicht und Misstrauen vor mehr oder weniger gravierendem Schaden (je nachdem, worum es sich handelt und worauf man Wert legt) schützen. In Massen aber bringen sie i.d.R. mehr Schaden als Nutzen, zum Beispiel Menschen auseinander.

Schlimmstenfalls können Vorsicht und Misstrauen eine ähnliche Wirkung erzielen wie Hass und Gewalt: Sie multiplizieren sich tausendmal, nehmen dann unermesslich viel Platz ein und vergiften so die Atmosphäre, die sich fortan in ein Minenfeld verwandelt, auf dem die nächste Explosion nur eine Frage der Zeit ist.

Also lieber nicht zu viel Misstrauen. Ein gesundes Maß an den drei Ns: Nichtwissen, Nichtsehen und Naivität (letzteres könnte man auch Gutglauben, Optimismus oder gewählte Unbekümmertheit nennen) tut der Gemeinschaft gut. Man könnte auch soweit gehen und sagen, dass es gewissermaßen die stärkste Waffe gegen die schlechte Form von Misstrauen darstellt, da es die Gemeinschaft der einander zu Recht Vertrauenden noch mehr zusammenschweißt.

Karin 15.07.2006, 17.58 | (0/0) Kommentare | PL

Hilfe annehmen können

Ich war immer ein Mensch, der versucht hat, mit allem selbst fertig zu werden. Wenn dann etwas schief lief, konnte ich dann wenigstens mich selbst dafür verantwortlich machen. Von anderen abhängig sein und sie für etwas zur Rechenschaft ziehen zu müssen, das eigentlich nur mich selbst betrifft, war mir schon immer ein Greuel und würde ich auch nie tun.

Selbst ist die Frau, das ist mein Motto. Ich habe diesen Weg für mich selbst gewählt, weil ich ihn persönlich für den einzig Richtigen halte. Alles andere ist für mich wischi-waschi und führt letztlich zu keinem zufrieden stellenden Ergebnis.

Das ist auch eines der Gründe, weshalb ich nicht gerne Menschen um Hilfe frage, und selbst dann, wenn man sie mir freiwillig anbietet, immer erst zurückhaltend reagiere. Ich bin bestimmt nicht diejenige, die jemandem den ganzen Arm abreißt, der mir den kleinen Finger reicht. Vielmehr überlege ich einen Moment, wäge ab, ob ich das, was an ihn hängt, überhaupt brauche, erst dann nehme ich es dankend an oder lehne es - ebenfalls dankbar - ab, freundlich, damit sich der Anbieter nicht brüskiert fühlt, obwohl dazu gar kein Anlass bestände. Den Finger lasse ich dran, denn ich habe ja schon zehn und dann noch mal zehn Zehen, was sollte ich da mit einem elften Finger an der Faust oder mit einem zwölften Zeh am Fußballen? Außerdem benötigt der Besitzer ihn doch schon selbst, er gehört ja zu ihm, ist fest mit ihm verwachsen, so dass jede Trennung davon ihm nicht nur sehr weh tun, sondern auch noch gewissermaßen ein Handycap bereiten würde, das nicht hätte sein müssen.

Auch mir weist es so gesehen meine Beschränktheit auf, wenn ich eine Hand annehme. Natürlich weiß ich, dass ich nicht alles kann, nicht alles weiß und nicht jeden kenne. Daran muss ich nicht erinnert werden. Und deshalb weiß ich die Hand auch zu schätzen. Aber ich möchte auch wählen können, ob ich die Hilfe annehmen möchte oder nicht. Überhaupt, mag ich es nicht, wenn man versucht, mir vorzuschreiben, was ich dann anschließend wann, wo, warum mit einem Rat o. Ä. anfange. Das ist nun wirklich meine persönliche Entscheidung. Wenn man mir da reinredet, empfinde ich das als Einmischung in mein Leben. Man kann über alles reden, so lange man damit nicht unbewusst über die Handlungsweisen oder Entscheidungen anderer Menschen bestimmt oder sie im Vornhinein verurteilt.

Nein, stur bin ich nicht, ich habe nur einen eigenen Willen.


Und schließlich: Wenn man nichts von anderen erwartet, wird man auch nicht enttäuscht, kann es immer nur besser sein.

Karin 21.05.2006, 14.14 | (2/1) Kommentare (RSS) | PL

Liebe - Leid - Und wenn alles zur Lüge wird

Warum lassen sich die Menschen noch nach 20 oder 30 Jahren scheiden?

Vielleicht, weil die "Liebe" so sehr zur Gewohnheit geworden ist, dass sich beide Beteiligten mit ihren flach gewordenen Ritualen selbst belügen?

Vielleicht, weil sie erst viel zu spät bemerkt haben, dass es zwischen ihnen eigentlich nicht klappen konnte (also weil wiederum eine Lüge aufgedeckt wird)?

Oder vielleicht, weil sie sich ZU gut kennen, aber nicht akzeptieren können (dann war sie es nicht wert - und erst Recht eine Lüge)?

Aber warum müssen die Menschen lügen?

Doch nicht etwa, nur weil sie Angst haben, allein und unglücklich zu sein?

Alleinsein heißt nicht unbedingt unglücklich sein.

Ohne Partner erspart man sich auch viel Ärger,
hat mehr Zeit für sich selbst,
braucht sich auch auf niemanden einzustellen,
ist unabhängig ...

Doch am Ende, in den stillen Momenten bleibt trotz alldem nur die Sehnsucht zurück - die Sehnsucht nach einem Gegenpol.

Und von vorn beginnt das Spiel, die Jagd und das Leid.Lieben bedeutet immer auch gleichzeitig leiden.

Das sollte man sich immer wieder vor Augen führen.

Lieben und Leiden - es ist wie ein Spiegelbild. Ein süßes Leid zwar, was gibt es Schöneres, als sich im Herzschmerz zu baden.

Aber es bleibt nun mal Leid.

Deshalb sind wir hin und hergerissen zwischen der Liebe, den Zweifeln, dem Leid und der Beendigung der Liebe.

Und dort wo die Liebe endet, kann der Hass beginnen.

Muss er aber nicht. Es gibt immer einen Mittelweg. (Sagt die Vernunft. Das Gefühl jedoch ... lässt sich nicht so leicht zähmen.)

Ein ewiges Hin und Her - das ist die Liebe, an dessen anderem Ende der Hass steht.
Als wenn Eros und Thanatos miteinander Tauziehen spielten.

Karin 29.03.2006, 02.05 | (0/0) Kommentare | PL

Wieviel Knigge muss es sein?

Wusstet Ihr, dass die Bezeichung »Knigge« für allgemeine gesellschaftliche Umgangsformen nach dem Herrn Freiherrn Adolph von Knigge (1751-1796) benannt ist? Ich wusste es nicht, bevor ich im letzten Wochenendmagazin unserer Tageszeitung auf einen Artikel darüber stieß, in dem einige Aussagen aus dessen Buch »Über den Umgang mit Menschen« zitiert wurden.

Nun, er scheint schon ein kluger Mann gewesen zu sein, dieser Herr Knigge; und auch wenn viele seiner Ansichten lediglich ein Spiegel der damaligen Denkweisen ist, gibt es doch einiges, dem die meisten von uns auch heute noch zustimmen würden. Ich halte es jedenfalls für wert genug, um als kleiner Denkanstoß ein paar Zitate von ihm hier zu veröffentlichen. Möge jeder daraus das mit ins Leben nehmen, was er möchte.

PS: Übrigens war es von dem Herrn durchaus nicht als starre Regeln gedacht, an die sich die Menschen möglichst halten sollten, auch wenn dieses Missverständnis das Wort »Knigge« in unser Vokabular brachte. Es war ursprünglich einfach nur eine Abhandlung über seine Gedanken zu diesen Sozialthemen.

Nun aber zu den Textauszügen (der Stil dieses Mannes ist zwar etwas gewöhnungsbedürftig, aber was zählt ist der Inhalt), und dazu dann jeweils ein paar Kommentare von mir:


Zur Wahl des Ehepartners
»Ich glaube nicht, dass eine völlige Gleichheit in Temperament, Neigungen, Denkungsart, Fähigkeiten und Geschmack durchaus erforderlich wäre, um eine frohe Ehe zu stiften; vielmehr mag wohl zuweilen gerade das Gegenteil mehr Glück gewähren. So würde auch mancher Haushalt zugrunde gehen, wenn beide Eheleute gleich viel Lust an Aufwand, Pracht, Üppigkeit, einerlei Liebhabereien oder gleich viel Hang zu einer nicht immer wohlgeordneten Wohltätigkeit und Geselligkeit hätten.«

Oder, wie wir heute sagen würden: Gegensätze ziehen sich an. Ja, dem kann ich mich anschließen. Nicht das Gleiche suchen wir, sondern einen ergänzenden Gegenpol - anders würde eine Beziehung keinem der beiden Beteiligten etwas bringen. Wir suchen beim anderen das, was uns fehlt, um erst gemeinsam eine der Vollkommenheit näher kommende (ohne sie zu erreichen) Einheit zu bilden. Und dass die Gewohnheit gefühlstötend ist, wissen wir doch auch.


Über sozialen Umgang 
»Fehlt Dir etwas, hast Du Kummer, leidest Du Mangel, reichen Vernunft, Grundsätze und ein kluger Wille nicht zu, so klage Dein Leid, Deine Schwäche, niemand als dem, der helfen kann ... Sehr viele treten einen Schritt zurück, sobald sie sehen, dass Dich das Glück nicht anlächelt.«

Das mag wohl bei Fremden oder flüchtigen Bekannten, Arbeitskollegen etc. der Fall sein, mit dem man nicht in allzu engem Kontakt steht. Und natürlich soll man nicht jedem x-beliebigen Vorbeikommenden seine Sorgen zum Himmel schreiend aufdrängen. Ich bin auch nicht der Typ »Jammerlappen«.
Aber ich denke auch, dass man nicht alles in sich hineinfressen soll. Deshalb ist es gut, wenn man sehr gute Freunde hat, mit denen man sich einfach mal über das ausquatschen kann, was einem auf der Seele brennt.
Und von Heile-Welt-Getue halte ich auch nichts. Ehrlichkeit ist für mich das Wichtigste; sich anbahnende Konflikte müssen ausgetragen werden, damit sie gelöst werden können.


»Rühme aber auch nicht zu laut Deine glückliche Lage! Die Menschen vertragen selten ein solches Übergewicht ohne Murren und Neid.«

Okay, man soll nicht prahlen. Dafür sollte man sein Glück lieber mit anderen teilen - dann gibt es auch keinen Grund, neidisch zu sein.


Über den Umgang mit Freunden
»Kein Grundsatz scheint mir unfeiner als der: dass es ein Trost sein kann, Gefährten oder Mitleidende im Unglücke zu haben ... Jede Art von schädlicher Schmeichelei muss im Umgang unter echten Freunden wegfallen, nicht aber eine gewisse Gefälligkeit, die das Leben süß macht.«

Nein, Herr Knigge, Ihrem ersten Satz muss ich leider widersprechen! Schmierige Schmeichelei, die lediglich der Eigenbereicherung dient und somit eine vermeintliche »Freundschaft« ausnutzt, ist hingegen auch meiner Ansicht nach eine Schweinerei. Ganz im Gegensatz zu echten Komplimenten, die sie im Gegenzug sogar noch stärken können.

Karin 07.02.2006, 21.47 | (0/0) Kommentare | PL

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ohne selbst eine Brise abzubekommen.
Ralph Waldo Emerson (1803-1883)







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Oscar Wilde (1854-1900)


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Dante Alighieri (1265-1321)


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