Ausgewählter Beitrag

Gelbe Muschel Blauer Grund (Ursula Krieger)

Heute möchte ich endlich mein Rezensionsversprechen an meine Leser einlösen. Das Buch habe ich zwar schon seit einer kleinen Weile zuende gelesen, aber ich komme erst jetzt dazu, es vorzustellen.

Für mich, die selbst den Jakobsweg gelaufen ist, war es natürlich besonders interessant zu erfahren, wie jemand anderes ihn erlebt und empfunden hat. Meines Erachtens sind die Erlebnisse verschiedener Menschen darauf nämlich niemals gleich. Es gibt immer Variationen, zugleich aber auch ähnliche Erfahrungen, die Erinnerungen wecken können und die einen mitunter schmunzeln lassen können, wenn man sie wieder gedruckt liest und sich erinnert, wie es bei einem selber jeweils war.

So viel zu meiner Motivation, mich bei dem Testexemplar vom Wagner Verlag ausgerechnet für Gelbe Muschel Blauer Grund entschieden zu haben.

Voller Erwartungsfreude begann ich also entspannt zu lesen. In meist recht kurzen bis mittellangen Kapiteln, die in etwa einer Tagesetappe entsprechen, beschreibt die Autorin auf anschauliche und lebendige, manchmal aber auch nachdenkliche Weise ihren Jakobsweg, ihre Begegnungen und Gedanken auf dem Weg. Dabei lässt sie auch interessante kulturelle Informationen über die jeweiligen Orte sowie Anekdoten und Gespräche in diesen persönlichen Reisebericht einfließen. Aufgelockert wird das Ganze durch einige schöne Gedichte und aussagekräftige Fotos, die jeweils passend eingefügt sind.

In einem flüssigen und ausgeglichenen Schreibstil entführt sie auf sehr kurzweilige, unterhaltsame Weise den Leser mit auf diese Pilgerreise, die sie (anders als ich) am südlich gelegenen Somportpass auf dem aragonesischen Weg gestartet ist. Für mich gab es also allein schon in diesem Teil des Buches einiges Neue zu entdecken, zum Beispiel das etwas abseits gelegene ehemalige mozarabische Kloster San Juan de la Peña hinter Jaca. Ab Puente de la Reina konnte ich dann zahlreiche Dinge in den Beschreibungen wiedererkennen, aber auch so manche Erlebnisse und Gedankengänge sehr gut nachvollziehen.

Nun hatte ich ja meine eigenen Erfahrungen auf dem Camino noch im Hinterkopf. Doch auch, wenn ich alles zum ersten Mal gehört hätte, hätte ich gut in diesen eigentlich schon literarischen (ganz ohne jede Langatmigkeit) und dabei realistischen Reisebericht eintauchen und die geschilderten Erlebnisse nachvollziehen können. Somit eignet sich dieses Buch sowohl für die Vor- als auch für die geistige Nachbereitung auf den Jakobsweg in Spanien - oder auch, wenn man sich einfach so für diesen Weg (oder Pilgerwege im Allgemeinen) interessiert, sich Literatur dazu zu Gemüte führen und sich vom Camino-Feeling und der Mentalität fürs Leben inspirieren lassen will.

Karin 22.03.2011, 23.09

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Kommentare zu diesem Beitrag

3. von udo

Hallo Karin, auch ich habe dieses Buch gelesen und war begeistert! Keiner der üblichen Reiseführer, sondern sehr persönlich und emotional geschrieben.
Es ist als würde man "mitgehen" auf dem Weg.
Sehr zu empfehlen!

vom 14.04.2011, 09.09
2. von ursula krieger

liebe karin,
hola! ich grüße dich herzlich und freue mich, deine rezension zu lesen - so schöne worte hast du gefunden, mit denen du mein "machwerk" vorstellst und einschätzt.
besonders interessant finde ich, dass du pilgerin bist und habe bereits einen teil deiner aufzeichnungen begierig gelesen und werde weiter stöbern. auch deine gedichte sprangen mich an.
wie bist du an diesen rezensionsauftrag gekommen? läuft so etwas über den verlag?
freue mich, von dir zu hören und wünsche dir "buen camino"!
puk (pilgerin u.k.)

vom 11.04.2011, 23.08
Antwort von Karin:

Danke für Deinen Kommentar. 

Auf das Buch bin ich tatsächlich über den Verlag gekommen. Das heißt, ich durfte mir im Rahmen dieser Trigami-Kampagne zugleich eines aussuchen. Meine Wahl war natürlich schnell getroffen.

Ebenfalls Buen Camino!

1. von Angelika

Du sprichst mir aus dem Herzen. Auch mir haben die sehr persönlichen Gedanken und Beobachtungen der Autorin sehr gefallen. Selbst die Schilderungen touristischer Highlights erhalten durch die Assoziationen der Pilgerin und durch kleine Anekdoten einen persönlichen Charakter. Interessant sind auch die Geschichten der Menschen, die ihr begegnen. Besonders schön finde ich aber die beigefügten Gedichte.
Also: Unbedingt lesenswert. :engelbär:

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