Blogeinträge (themensortiert)

Thema: Kulturwelten

Wahlkampf oder nicht,

ich bewundere den Einsatz der Franzosen für ein nicht nur dort, dort aber schon sehr gravierendes Problem. So lange der Einsatz auch einige Früchte trägt und darüber hinaus auch anhält. Außerdem ist es zunächst einmal wichtig, auf solche Missstände überhaupt aufmerksam zu machen, dafür zu sensibilisieren und aufzuzeigen, dass es im Grunde jeden (durch ungünstige Umstände) treffen kann. Dann sind auch immer mehr bereit, etwas zur Bekämpfung dieses Problems beizusteuern, etwa Sozialwohnungen zur Verfügung zu stellen, zu vermitteln oder sonstwie den Betroffenen zu helfen.
Der Traum, dass eines Tages gar keine Menschen mehr auf der Straße leben... nun, ich weiß nicht, ob sich der so leicht verwirklichen lässt bzw. wie lange es dauern wird. Doch ich denke, dass jeder (unfreiwillig) obdachlose Mensch, dem man ein Dach überm Kopf verschafft hat, dazu beiträgt, diesem Traum ein Stück näher zu kommen. Allen Unkenrufen des politischen Eigennutzes zum Trotz.
Und nicht zuletzt zeigt das Beispiel mit den Zeltstädten einmal mehr, dass die damaligen Pioniere der französischen Revolution ihre hart erkämpften demokratischen Rechte klug und wirkungsvoll einzusetzen wissen - und zwar auch über das vierjährige Kreuzchensetzen hinaus.
Und das sage ich übrigens nicht nur wegen meiner besonderen Frankophilität, oder um dieses Land zu verteidigen (wieso verteidigen? Und wenn, dann können die sich sehr gut selbst verteidigen). Ich würde das auch meinen, wenn in einem anderen Land so gehandelt würde.

Karin 05.01.2007, 19.31 | (0/0) Kommentare | PL

Saddams Tod und die Folgen

Auf dieser Seite haben bloggende Iraker ihre Ansichten und Eindrücke nach der Hinrichtung Saddam Husseins geäußert. Sehr interessant, berührend und empfehlenswert, zu lesen, wie die eigentlichen Betroffenen darüber denken. In sehr vielen Punkten spiegeln die Äußerungen auch meine eigene Meinung zum Thema wider - besonders die, die die Hinrichtung in jedem Fall verurteilen, auch in Hinblick auf die Folgen für das Land, nämlich den Konflikten, die dadurch möglicherweise noch verstärkt werden könnten.

Ich erlaube mir, einen der Statements zu zitieren, das im Grunde das Wesentliche zusammenfasst:
Treasure of Baghdad: "Although I expected it, I was shocked when I heard it. I felt I want to cry but my tears were mixed, tears of happiness and sadness at the same time. Memories of my life under Saddam flashed back in my mind like a train moving fast. An important chapter of our life is finally over. I felt happy because finally the one who suppressed us is gone and forever now. However, I felt sad because his execution is going to increase the blood bath that is already taking place. I felt sad because Saddam was replaced by more tyrants instead of one. Iraq is not a free country yet. Iraq is suffering from Mullahs and Sheikhs who most of them are religious extremists who are trying to take back Iraq to hundreds years back. Sunni and Shiite extremists who are in the government and parliament now are the ones who are imposing their religious ideas on people and in a country where most of its cities were secular. If someone criticizes them, they kill him. So what's the difference? Saddam is hanged and so should the ones ruling Iraq now."

Hier noch meine deutsche Übersetzung davon:
"Obwohl ich es erwartet hatte, war ich schockiert, als ich davon erfuhr. Ich fühlte, dass ich weinen wollte, doch meine Tränen waren gemischt, Tränen der Freude und der Trauer zugleich. Erinnerungen aus meinem Leben unter Saddam Hussein flammten in meinem Gedächtnis auf wie ein sich schnell fortbewegender Zug. Ein wichtiges Kapitel unseres Lebens ist endlich vorüber. Ich war froh, weil schließlich der, der uns unterdrückt hatte, für immer fort war. Dennoch war ich traurig, weil seine Hinrichtung das Blutbad vergrößern wird, dass noch immer stattfindet. Ich war traurig, weil Saddam durch noch mehr Tyrannen anstatt des einen ersetzt worden war. Irak ist heute kein freies Land. Irak leidet unter den Mullahs und Scheichs, die zumeist religiöse Extremisten sind und versuchen, den Irak um hundert Jahre zurückzuwerfen. Sunnitische und schiitische Extremisten in der Regierung und im Parlament sind nun diejenigen, die ihre religiösen Ideen den Menschen aufzwängen in einem Land, wo die meisten Städte weltlich / säkularisiert sind. Wenn jemand sie kritisiert, werden diese getötet. Also, wo liegt der Unterschied? Saddam ist gehängt und so sollen diese nun den Irak verändern."

Von einem Iraker, der zurzeit in Amerika lebt. Auch der Blog ist absolut lesenswert und einfühlsam geschrieben. Ein Artikel daraus hat mich besonders bewegt.

Karin 02.01.2007, 06.41 | (0/0) Kommentare | PL

Vorbildfunktion

Auch in Deutschland könnte es - in einem anderen Bereich - zumindest teilweise wieder aufwärts gehen. In manchen Gegenden ist sogar der richtige Ansatz da - wie etwa in Bad Schmiedeberg in Sachsen-Anhalt. Dort hat man verstanden, was bundespolitisch in der Arbeitsmarktpolitik falsch gemacht wurde - und macht es deshalb entsprechend anders.

Wie? So: "Arbeitslose, die auf dem ersten Arbeitsmarkt nicht integriert werden können, erhalten eine gemeinnützige Beschäftigung in Vereinen, in der Kirche, in der Jugend- oder der Seniorenbetreuung. Arbeit, die ohne Bürgerarbeiter nicht gemacht würde, weil das Geld dafür fehlt. Arbeitsplätze in der Wirtschaft dürften auf keinen Fall gefährdet werden, versichert Bomba.

Finanziert wird das Ganze aus dem Topf für arbeitsmarktpolitische Maßnahmen der Arbeitsagentur. Die Arbeitgeberanteile zur Sozialversicherung übernimmt das Land. Im Unterschied zu Ein-Euro-Jobbern sind die Bürgerarbeiter sozialversicherungspflichtig beschäftigt. "Damit entfällt die Stigmatisierung als Leistungsempfänger", sagt Haseloff. 825 Euro brutto erhalten sie im Monat, nach Steuern und Sozialabzügen bleiben davon 620 bis 670 Euro übrig."


Ob sie damit die angestrebte Vollbeschäftigung in ihrem Ort erreichen werden, bleibt abzuwarten. Auf jeden Fall sind die Erfolge schon jetzt nicht von der Hand zu weisen: Seit September diesen Jahres ist die Arbeitslosenquote in Bad Schmiedeberg von 15,6 auf sage und schreibe 7,8 % gesunken.

Ähm... ich glaube, ich lebe in der falschen Stadt. ;)

Karin 19.12.2006, 15.46 | (0/0) Kommentare | PL

Deutsche Vorurteile zur DDR-Zeit

Ich hatte Euch ja noch den zusammenfassenden Bericht zu der gestrigen Reportage "Drüben!" in der ARD (die übrigens sehr gut recherchiert und umgesetzt war) über die gegenseitigen Vorurteile von Ossis und Wessis zu DDR- Zeiten versprochen. Das werde ich auch jetzt noch tun, wenn auch (was anderes hatte ich auch nicht angekündigt) in mehr oder weniger stichpunktartiger Form. Möge sich jeder selbst ein Bild machen.

  • Es wurde anhand von Beispielen deutlich gemacht, dass im deutschen Westen in Medien und Bildung damals bewusst eine Art F.eindbild Ost geschürt wurde. So standen in den Schulbüchern absichtlich falsche Aussagen, die suggerieren sollten, dass alles, was mit Ostdeutschland zusammenhing, von staatlicher Willkür und " Gewalt geprägt wurde, dass dort nur Armut herrschte usw.
  • Umgekehrt wurde in de DDR natürlich auch kräftig das System propagiert und im Gegenzug versucht, die "andere Seite" so schlecht wie möglich darzustellen. Ob nun die damals sehr lange über den Fabriken hängenden Transparente (die nach einer Weile entsprechend Verschleißerscheinungen zeigten) oder die Meldungen und Aussagen im DDR-Fernsehen (besonders krasses Zitat aus einer damaligen Sendung: "Sie werden dort drüben zu blindem Ha.ss erzogen."): Es hörte sich alles lächerlich polemisch an, und auch ich glaube nicht, dass viele Leute solche Phrasen auch damals ernsthaft geglaubt hatten - nur äußern konnte man das ja nicht.
  • Junge Leute, die man seinerzeit (50er, 60er Jahre) über ihr Bild von der DDR und seinen Menschen befragte, gaben meist immer dieselben pauschalen Antworten: Die Menschen wären so arm, dass sie in alten, mehrmals geflickten Kleidern herumlaufen würden, sie hätten kein Modebewusstsein etc. Dabei handelte es sich bei den Befragten wohl meist um Menschen, die niemals in der DDR gewesen waren und auch sicher keinen wirklichen Bezug (durch Familie oder Freunde) dorthin hatten.
  • Vieles, was mit DDR zu tun hatte, war im Westen offiziell verpönt; bei sportlichen Veranstaltungen zum Beispiel zog der bundesdeutsche Verfassungsschutz einmal die DDR-Fahne ein, weil sie im Westen verboten war. Erst bei den olympischen Spielen 1972 in München, als eine Turnerin aus der DDR Silber gewann, änderte sich das mit der offen zur Schau getragenen Intoleranz (in Bezug auf die Menschen) wieder ein wenig: Es durfte zum Sieg sogar die DDR-Hymne gespielt werden.
  • Umgekehrt verfuhren DDR-Bedienstete mit vielen Dingen, die mit dem Westen zu tun hatten, nicht unähnlich: Als kritisch angesehene Literatur und anderes wurde etwa von westdeutschen per Bahn Einreisenden durch die Kontrolleure, wenn sie etwas fanden, konfisziert; nichts wurde bei den Kontrollen ausgelassen, denn - so war es den Beamten eingetrichtert worden - "alles, was übersehen wurde, könnte sich schlecht auf das Land auswirken".
  • Eine Umfrage in einer westdeutschen Nachrichtensendung hatte damals ergeben, dass noch in den 60ern 47 % aller befragten Bundesbürger der Meinung waren, es gäbe in der DDR Lebens.mittelkar.ten!
  • Aber es gab auch durchaus positive Vorurteile: So bestrachteten Wessis die Ossis auch als in besonderem Maß arbeitskräftig, tüchtig, (sportlich und auch sonst) leistungsfähig und mit einem großen Teamgeist versehen. Ein damaliger Reporter und DDR-Kritiker, der damals vielen aus der Führungsriege des DDR-Staates ein Dorn im Auge war, hebt hervor, er hätte es damals bewundernswert gefunden, wie die DDR-Bürger es damals verstanden hatten, das Beste aus der gegebenen Situation zu machen, sich irgendwie darin zu arrangieren (was per definitionem nicht unbedingt etwas mit sich abfinden, zu tun hat!).
  • Zitat eines damaligen DDR-Verkehrspolizisten, der einen Wessi angehalten hatte und von diesem auch beschimpft wurde: "Er wünschte mir, dass ich mal ein Paket aus dem Westen bekäme, damit mir wieder einfiele, dass ich ein Deutscher wäre." (Er sprach dies mit monotoner, nüchtern seiner Dienststelle berichtender Stimme; man beachte auch den Konjunktiv -> als hätte er eine Distanz schaffen wollen zwischen dem, was er wirklich gefühlt hatte, und seiner Pflicht. Jedenfalls glaube ich, er hätte dann lieber gesagt: "Deutscher bin" statt "Deutscher wäre", da er beim Reden den Eindruck machte, als wäre ihm unwohl dabei gewesen.)
  • Gäste, die ihre Familien im Osten besuchten, hatten zumeist folgenden Eindruck: Sie waren willkommen, wurden besonders herzlich aufgenommen, man freute sich offensichtlich über den Besuch und gab sich große Mühe mit der Bewirtung, es gab so etwas wie ein Festmahl (also mit dem, was zu bekommen war) - aber es war auch laut der Aussagen eine wehmütige Atmosphäre zu spüren.
  • Wer aus dem Osten das Glück hatte, Westdeutschland zu besuchen, genoss die Freiheit und Offenheit natürlich, wenn ihm auch verständlicherweise nicht alles gefiel. Und man bemerkte, dass es einen Unterschied im Geruch gab: Während der Westen für den Ossi eher süßlich roch, verbreitete sich im Osten für die verwöhnte Wessinase eher ein rauchiger Geruch (vermutlich von den Industrieanlagen) und es sah ziemlich grau aus. Auch solche Sinneseindrücke haben wohl in einem gewissen Maß einst die Sicht auf die "andere Seite" geprägt.

Karin 16.12.2006, 01.03 | (0/0) Kommentare | PL

Sieben NEUE Weltwunder

Nicht dass die hängenden Gärten von Babylon (na gut, die gibt's ja wirklich nicht mehr) und Konsorten "ausgedient" hätten (die Pyramiden von Gizeh stehen auch erneut zur Wahl). Aber da seit jener Zeit noch soooo viele andere kulturell und/oder zivilisatorisch bedeutsame Gebäude dazugekommen sind, hat man sich gedacht, es wäre wohl der Zeitpunkt gekommen, sieben neue Weltwunder zu ernennen.
Hier könnt Ihr für die schon vorhandenen Kandidaten voten oder auch noch andere Vorschläge einreichen. Dafür habt Ihr übrigens noch genau 214 Tage und 9 Stunden ab jetzt Zeit.
Ich finde, es ist eine gute Idee, um auf bestimmte (diesmal wörtlich) Meilensteine Kultur und Geschichte der Menschheit wieder aufmerksam zu machen.

Karin 05.12.2006, 15.54 | (1/1) Kommentare (RSS) | PL

Schularchitektur und mehr

Bei Tirilli las ich einen Beitrag über die Einflüsse von Architektur auf die allgemeine Grundstimmung der Menschen. Ohne meine Meinung zu wiederholen, die ich dort schon erläutert habe, möchte ich dem noch hinzufügen, dass meine ehemalige Schule, wo ich mein Abi gemacht habe, je nach individueller Empfindung äußerlich auch nicht gerade einladend aussieht. Diese schwere, alte (für manche vielleicht irgendwie "grau" wirkende) Steinarchitektur, die - früher noch mehr - teils noch von riesigen Bäumen des anliegenden Parks verdeckt wird, entspricht sicherlich nicht jedermanns persönlichem Geschmack, schon gar nicht Jugendlichen von 12 bis 18 Jahren, die Altersgruppe, die sich täglich in diesem Gebäude einfindet, um dort unterrichtet zu werden.
Und trotzdem gab es dort bisher noch keinen einzigen schlimmen Zwischenfall wie solche, von denen in letzter Zeit verstärkt berichtet wurde.
Es spielen da eben sooo viele Faktoren mit hinein... Aber Rückschlüsse von der Architektur auf die allgemeine Grundstimmung zu schließen, halte ich einfach für zu pauschal.
Wichtig ist beispielsweise vor Allem, wie die Schüler betreut werden. Ob es genug Projekte gibt, wo sie sich auch (kreativ, sportlich oder sonstwie) ausdrücken können. Dass sie ausreichend in ihren individuellen Talenten gefördert und auch angespornt werden.
Aber auch, dass es entsprechende Ansprechpartner gibt, an die die Schüler sich wenden können, wenn es ein Problem gibt oder ihnen etwas auf der Seele drückt.
Ohne jetzt Werbung für meine Schule oder gar für das belgische Schulsystem im Allgemeinen machen zu wollen (wenngleich es meiner persönlichen Auffassung nach deutliche Vorteile gegenüber dem deutschen hat, zum Beispiel auch in Hinblick auf die Lerndisziplin), kann ich aus eigener Erfahrung nur sagen, dass diese Punkte und Voraussetzungen dort hinreichend gegeben sind.
Auch in Hinblick auf Hilfestellung, sei es in Form von Hausaufgabenhilfe, oder durch besonderes Engagement von einzelnen Lehrern, wenn Schüler nicht so mitkommen oder Probleme mit dem Unterrichtsstoff haben, ist diese Schule sicher vorbildlich. Ich glaube nicht, dass da so schnell irgendeiner aus dem Netz herausfallen könnte...
Sicher, der Leistungsdruck ist da. Aber es gibt als Schüler auch Möglichkeiten, geholfen zu werden, wenn man sie nur in Anspruch nimmt.
Im Rückblick wird mir sogar noch bewusster, was für ein Glück ich gehabt habe, dort zur Schule gegangen sein zu dürfen. So lange man selbst zur Schule geht, ist einem das oft nicht in dem Maße klar, weil man zu sehr drinhängt und mit seinen eigenen Problemchen zu kämpfen hat.
Aber im Nachhinein bin ich schon DANKBAR, dass ich dort zur Schule gehen durfte. Auch wenn ich, wenn ich nochmal zur Schule gehen müsste/dürfte, so einiges anders machen würde.

Karin 29.11.2006, 22.22 | (3/3) Kommentare (RSS) | PL

Islam

Ein interessanter Link mit Hintergrundwissen zum Islam (bei der Gelegenheit, wo ich das Thema gerade schon mal hatte). Ideal für Leute, die den Islam besser kennen und verstehen lernen wollen. Auch mit Artikeln zu aktuellen Themen (z.B. warum das Kopftuch getragen wird usw.)).
Sehr empfehlenswert. Werde selbst auch noch, wenn ich Zeit habe, darin stöbern.

Karin 28.11.2006, 21.24 | (0/0) Kommentare | PL

Antisemitismus

Er ist weiter verbreitet, als man glaubt. Oft findet er verdeckt statt - während er öffentlich immer mehr verurteilt wird (was ja auch gut so ist), äußert er sich entsprechend immer subtiler. Im Kleinen, durch Anspielungen etwa, wo er nicht sofort bemerkt wird; erst wenn man genauer hinhört oder hinterfragt. Oder durch Tabubrüche / indem bewusst provoziert wird, wie der Jenaer Wissenschaftler Wolfgang Frindte meint: "Öffentlich inszeniert sich der moderne Antisemitismus vorzugsweise durch Tabubrüche wie einst die Flugblattaffäre von Jürgen Möllemann."

Frindte weiter: "Nicht selten wird der Antisemitismus durch Kritik an Israel verschleiert, um sich somit politisch korrekt äußern zu können." Das soll aber nicht heißen, jede Kritik an Israel hätte einen antisemiten Hintergrund. Denn vieles, was kritisiert wird, ist doch durchaus kritikwürdig, so lange die Kritk sachlich ist und sich auf konkrete Sachverhalte und Handlungsweisen bezieht. Jedoch (so differenziert es Frindte): "Moderner Antisemitismus gipfelt in der Gleichsetzung der Palästinenserpolitik mit der Judenpolitik der Nazis."

Antisemitische Einstellungen finden sich in allen Schichten, sind also längst keine Frage der sozialen Situation oder des Bildungsstandes. Das finde ich besonders alarmierend!
Eine Gruppe von Forschern an der Uni Jena hat vor kurzem eine Stuide durchgeführt, in der mehr als 400 Personen 30 Eigenschaften vorgelegt bekamen, die sie bestimmten religiösen Gemeinschaften zuordnen sollten (oder auch nicht). Man wollte herausfinden, inwiefern die Menschen von Vorurteilen geprägt sind.
Den Juden schrieben die meisten folgende Eigenschaften zu: Sie seien erfolgreicher, ehrgeiziger und klüger. Das hört sich ja sehr schmeichelhaft an. ABER als negative Eigenschaften wurden auch Raffgier, Geiz und Unversöhnlichkeit genannt.


Quelle: Dürener Zeitung

Karin 28.11.2006, 07.16 | (2/2) Kommentare (RSS) | PL

Nur 6 %

... aller Deutschen empfinden - zumindest laut einer Allensbach-Studie - Sympathien für den Islam.
Ich kann nicht glauben, dass ich zu einer Minderheit von nur 6 Prozent gehören soll.
Dass ich im Allgemeinen "Sympathien" für den Islam, d.h. für die friedlichen Formen davon, habe, heißt freilich noch lange nicht, ich würde alles, was er predigt, geschweige denn bestimmte konservative und Rechte einschränkende Ansichten befürworten. Schon gar nicht die fundamentalistischen Auswüchse oder gewaltsamen Elemente.
Es heißt auch nicht, dass ich gern zum Islam konvertieren würde (das würde ich nicht).
Aber wenn man sich ein wenig damit auseinandersetzt, erkennt man auch die positiven Seiten, erkennt, dass diese überwiegen und dass auch der Koran so vielfältig ausgelegt werden kann und auch wird, dass man nicht alles in einen Topf werfen kann, dass es Vorteile gibt (darf ich hier noch einmal auf die Gastfreundschaft der Muslime hinweisen, dieses Miteinander, das kennt man in "westlichen" Kulturen heute nur noch selten), dass auch wir etwas im Gegenzug von ihnen lernen können wie sie von uns... und man wird verstehen. Auch sich verstehen. Mit ihnen.
Dann können wir umgekehrt auch dasselbe von ihnen verlangen: Toleranz, Akzeptanz, und am besten auch Respekt (wenn man das kann).
Wie der Zentralrat der Muslime sagt: "In dieser pluralistischen Gesellschaft muss es eine Vielfalt von Ideen geben."

Karin 28.11.2006, 07.10 | (0/0) Kommentare | PL

Der Glaube hat's schwer

»Die Herzen werden dem Papst nicht zufliegen.« So titelte unsere Tageszeitung gestern zum geplanten Papstbesuch in Ankara.

Aber wer sagt denn, dass sie ihm zufliegen sollen? Schließlich sind die Zeiten der Missionierung Gott sei Dank endgültig vorbei.

Dass das Christentum in islamisch-türkischen Kreisen teilweise ein Feindbild darstellt, auch weil einige Vertreter eine bekannte Papstrede (ich meine: mit Absicht!) falsch interpretiert bzw. vermeintlich islamkritische Elemente darin sehen wollten (wer die Rede oder den Auszug daraus gelesen hat, konnte sich ein Bild davon machen, dass dem nicht so ist), ist indes sehr bedauerlich. Und Ratzingers Kritik am EU-Türkeibeitritt halte ich auch nicht für ein hinreichendes Argument, um diesen teilweisen Hass zu »rechfertigen«.

Persönlich bin ich für den Beitritt der Türkei in die EU, wenn bestimmte Bedingungen erfüllt werden. Auch wenn die Entwicklungen nur schleppend verlaufen und sich noch einiges tun muss (das ist klar). Denn ein EU-Beitritt könnte diese Entwicklungen hin zum Besseren noch beschleunigen. Tritt die Türkei nicht bei, wird auch der Druck nicht da sein, irgendetwas an den Verhältnissen zu ändern.

Beispiel: Die Situation religiöser Minderheiten in der Türkei. Anfang des 20. Jh. gab es dort noch mehr als 20 % Christen insgesamt (davon 11 000 orthodoxe Christen noch in den 60er Jahren allein in Istanbul). Heute sind es nur noch maximal 120 000 (21 orthodoxe Christen in Istanbul, die zur Kirche gehen). Die meisten sind wohl abgewandert, weil sie nicht die Möglichkeit sahen, ihren Glauben richtig zu leben und sich vom türkischen Staat stark gegängelt fühlten.

Noch heute ist es so, dass religiösen Gemeinden in der Türkei keine eigene Rechtspersönlichkeit zugestanden wird. Sie dürfen sich nur in Stiftungen organisieren, die allerdings gewissermaßen vom Staat kontrolliert werden. Denn der zu bildende Stiftungsvorstand untersteht dem Generaldirektorat für nichtmuslimische Stiftungen. Außerdem stellt sich für sie noch das Problem, wie sie sich finanzieren können, zumal sie dort kein eigenes Eigentum erwerben und keine Schenkungen oder Spenden annehmen können.

Auch neue Kirchen zu bauen oder alte zu renovieren, wird vom türkischen Staat sehr erschwert und bedarf einer Genehmigung (dreimal dürft Ihr raten, wie oft oder selten diese erteilt wird... ich habe keine Ahnung).

Hinzu kommt noch, dass es den Christen in der Türkei nicht erlaubt ist, ihren Nachwuchs auszubilden geschweige denn Priester aus dem Ausland anzuwerben.

Nein, in einem Staat, wo Glaube eine Sache fehlender Mittel und Voraussetzungen ist und wo Minderheitsreligionen quasi dazu verdammt werden auszusterben (zumindest in der Theorie), würde ich auch nicht leben wollen.

Dabei gibt es auch - das möchte ich nicht unerwähnt lassen - Lichtblicke. Ein katholischer Pfarrer erhielt kürzlich als Erster nach langem diplomatischem Kampf eine Arbeitserlaubnis in der Türkei. Hoffen wir, dass es nicht der Einzige bleibt. Nur nicht nachlassen! (Das meine ich auch für andere Minderheitsreligionen!)

Nun wird also Papst Benedikt (ob sein Herz mitfliegt, weiß ich ja nicht) nach Ankara fliegen. Schön. Es wird zwar nicht gerade das Verhältnis zwischen Muslimen und Christen und vor Allem deren Vertretern radikal in eine zuckersüße Romanze umwälzen. Aber zumindest ist es, denke ich, ein kleiner Schritt nach vorn. Ein winziger Funke, doch immerhin ein Funke, ein Zeichen des Friedens und guten Willens dazu. Vielleicht springt er bei dem einen oder anderen über, vielleicht auch nicht. Schaden kann er jedenfalls nicht.

Karin 28.11.2006, 07.01 | (1/1) Kommentare (RSS) | PL

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den niemand verströmen kann,
ohne selbst eine Brise abzubekommen.
Ralph Waldo Emerson (1803-1883)







Ein Träumer ist jemand,
der seinen Weg im Mondlicht findet,
und die Morgendämmerung
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Oscar Wilde (1854-1900)


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Dante Alighieri (1265-1321)


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