Blogeinträge (Tag-sortiert)

Tag: Ansichten

Warum ich mein Tagebuch gegen ein Weblog tauschte

Wenn ich so darüber nachdenke, hat das Bloggen gegenüber einem traditionellen privaten Tagebuch ein paar ganz wesentliche Vorteile:

  • Man schafft sich von Vornherein eine Distanz zwischen sich und seinen Worten bzw. dem, was man ausdrücken will (denn man möchte ja auch, dass es für Außenstehende, die ja nicht die Hintergründe kennen, einigermaßen verständlich wird).
  • Deshalb strukturiert man automatisch seine Aussagen besser (während man im Tagebuch alles wild durcheinander so runterschreibt, wie es einem einfällt, womit man eher selten zu irgendeinem vernünftigen Ergebnis kommt).
  • Man selektiert mehr zwischen Wichtigem und Unwichtigem, weil man ja nicht jede noch so uninteressante Kleinigkeit einzeln aufzählen will. Dies verschafft einem schonmal einen großen Überblick, wenn nicht gar sehr viel mehr Klarheit über die Probleme, vor denen man eventuell steht, bzw. über die Situation an sich, die man beschreibt.
  • Und nicht zuletzt: im Blog ist praktisch unendlich viel Platz für meine Gedanken, während die Seiten eines Tagebuchs soooo begrenzt sind (bei meinen letzten von mir geführten hatte ich mich schon aufs DIN A4-Format verlegt - eigentlich ist der Blog doch eine logische Fortsetzung dieses Bedürfnisses nach immer mehr Raum für meine Worte).
  • Hier kann ich auch mal vom Hölzchen aufs Klötzchen kommen, ohne dass ich damit gleich drei Seiten streichen müsste ;-). Und was nicht in den einen Beitrag passt, eröffne ich halt als neues Thema in einen weiteren Beitrag.

Nun spreche ich natürlich nur für mich. Wer will, kann dieses Plädoyer für das Bloggen gerne nach Belieben mit eigenen Argumenten ergänzen. Ich selbst habe meine Erklärung dafür.

Und schließlich macht Bloggen einfach mehr Spaß, weil man mit Menschen kommunizieren kann - das Heftlein zu Hause kann ja nicht antworten, ist nicht lebendig, hat keine eigenen Erfahrungen zu teilen, zeigt kein Verständnis, baut mehr ab als auf, gibt keine neuen Impulse, weil sich alles nur um die eigenen Gedanken dreht. ;-)

(Kein neues Thema, aber es ging mir heute durch den Kopf.)

Karin 21.05.2006, 23.03 | (1/0) Kommentare (RSS) | PL

Hilfe annehmen können

Ich war immer ein Mensch, der versucht hat, mit allem selbst fertig zu werden. Wenn dann etwas schief lief, konnte ich dann wenigstens mich selbst dafür verantwortlich machen. Von anderen abhängig sein und sie für etwas zur Rechenschaft ziehen zu müssen, das eigentlich nur mich selbst betrifft, war mir schon immer ein Greuel und würde ich auch nie tun.

Selbst ist die Frau, das ist mein Motto. Ich habe diesen Weg für mich selbst gewählt, weil ich ihn persönlich für den einzig Richtigen halte. Alles andere ist für mich wischi-waschi und führt letztlich zu keinem zufrieden stellenden Ergebnis.

Das ist auch eines der Gründe, weshalb ich nicht gerne Menschen um Hilfe frage, und selbst dann, wenn man sie mir freiwillig anbietet, immer erst zurückhaltend reagiere. Ich bin bestimmt nicht diejenige, die jemandem den ganzen Arm abreißt, der mir den kleinen Finger reicht. Vielmehr überlege ich einen Moment, wäge ab, ob ich das, was an ihn hängt, überhaupt brauche, erst dann nehme ich es dankend an oder lehne es - ebenfalls dankbar - ab, freundlich, damit sich der Anbieter nicht brüskiert fühlt, obwohl dazu gar kein Anlass bestände. Den Finger lasse ich dran, denn ich habe ja schon zehn und dann noch mal zehn Zehen, was sollte ich da mit einem elften Finger an der Faust oder mit einem zwölften Zeh am Fußballen? Außerdem benötigt der Besitzer ihn doch schon selbst, er gehört ja zu ihm, ist fest mit ihm verwachsen, so dass jede Trennung davon ihm nicht nur sehr weh tun, sondern auch noch gewissermaßen ein Handycap bereiten würde, das nicht hätte sein müssen.

Auch mir weist es so gesehen meine Beschränktheit auf, wenn ich eine Hand annehme. Natürlich weiß ich, dass ich nicht alles kann, nicht alles weiß und nicht jeden kenne. Daran muss ich nicht erinnert werden. Und deshalb weiß ich die Hand auch zu schätzen. Aber ich möchte auch wählen können, ob ich die Hilfe annehmen möchte oder nicht. Überhaupt, mag ich es nicht, wenn man versucht, mir vorzuschreiben, was ich dann anschließend wann, wo, warum mit einem Rat o. Ä. anfange. Das ist nun wirklich meine persönliche Entscheidung. Wenn man mir da reinredet, empfinde ich das als Einmischung in mein Leben. Man kann über alles reden, so lange man damit nicht unbewusst über die Handlungsweisen oder Entscheidungen anderer Menschen bestimmt oder sie im Vornhinein verurteilt.

Nein, stur bin ich nicht, ich habe nur einen eigenen Willen.


Und schließlich: Wenn man nichts von anderen erwartet, wird man auch nicht enttäuscht, kann es immer nur besser sein.

Karin 21.05.2006, 14.14 | (2/1) Kommentare (RSS) | PL

Erschütternd

Erschütternd - ist vieles.

Erschütternd ist es, wenn Kinder sich unwissend (?) mit Zeichen bemalen, die für eine sehr dunkle Vergangenheit stehen.

Erschütternd ist es, wenn Schlimmes kleingeredet, verharmlost oder gar totgeschwiegen wird.

Erschütternd ist es, wie ein Fehltritt eine Lawine des Hasses zwischen Kulturen oder Menschen auslösen kann.

Erschütternd ist es, wie schnell sich ein Keil zwischen Menschen schiebt und wie beschwerlich scheinbar (!) der Weg über die Brücke ist, die sie wieder zusammenführen könnte.

Erschütternd ist es, wie blind die Menschen in ihrer Wut sein können, wenn sie meinen, durch Gewalt ihre Probleme lösen zu können.

Erschütternd ist so einiges, was wir immer wieder in der Zeitung lesen.

Erschütternd ist sicher auch so einiges, was wir selbst erleben müssen.

Erschütternd ist auf jeden Fall auch das Leid anderer Menschen, von dem wir etwas mitbekommen.

Aber erschütternd ist auch nicht alles.

Für alles gibt es das passende Wort - und es gibt viele Worte, die genau das ausdrücken, was wir in dem Moment meinen. Man muss sie nur wählen und gebrauchen.

Denn wenn man ein Wort zu oft verwendet, nimmt das ihm die Kraft - für Fälle, an denen es wirklich zutrifft.

Und erschütternd ist ein kraftvolles Wort.

Warum ihm die Ausdrucksstärke nehmen, indem man es für all das verwendet, was einem im Alltag stört?

Die oben genannten Beispiele gehören zu den wirklich erschütternden Dingen.

Doch in der Häufung wird das Wort »erschütternd« auch wieder sehr schwach, wird dem Gegenstand der Aussage nicht mehr in dem Maße gerecht, wie es sollte. Es nutzt sich ab, zeigt kaum noch Wirkung.

DAS ist erschütternd.

Es ist erschütternd, wie achtlos die Menschen mit den Worten umgehen.

Sie werfen sie weg, als wären sie nicht kostbar.

Sie verschleißen sie, bis sie nutzlos sind in dem Moment, wo sie wirklich gebraucht würden.

Sie verschwenden sie, bis am Ende nichts mehr übrig ist als das nackte Skelett, eine leere Wüste, dessen Sandsturm den letzten Kaktus umpustet.

Die Menschen gehen mit den Worten um wie oft auch mit der Liebe.

Versteht mich nicht falsch: Ich lasse mich gern erschüttern.

Gerade deshalb wähle ich meine Worte mit Bedacht. Zähle jedes auf meiner Hand ab, drehe es drei Mal in verschiedene Richtungen. Sehe, wie es wirkt, wie es in der Sonne strahlt und vom Regen durchnässt noch mehr wiegt. Erst dann - ja, erst dann - gebe ich es ab.

Und treffe damit ins Schwarze.

Mitten ins Herz.

Erschüttere es.

© Karin Scherbart


Nachtrag: Manchmal werden solche Worte als Lückenfüller verwendet, als Flucht vor der Leere, die entsteht, wenn einem die Worte fehlen. Ich selbst stelle mir hier die Frage, ob hier das Schweigen nicht angebrachter ist. Ehrlicher. Das Schweigen zulassen - das erfordert Mut, aber es lohnt sich. Man muss das nur verstehen.

Karin 20.05.2006, 18.36 | (0/0) Kommentare | PL

Absurde Erfindungen Teil 1

Brauchen wir so etwas? Ich denke nein. Die Welt hat andere Probleme, um die sich noch dringlicher gekümmert werden sollte. Also, ich konnte darüber nur den Kopf schütteln. So etwas kann doch nur gelangweilten Ingenieuren oder mit der Wissenschaft Beauftragten einfallen, die nichts Besseres mit ihren Fähigkeiten anzufangen wissen oder die bloß in die Schlagzeilen kommen möchten.

Karin 22.04.2006, 14.54 | (1/0) Kommentare (RSS) | PL

Karfreitagsgedanken (dafür ist es nie zu spät)

Ich denke, noch wichtiger, als zu wissen, was man will, ist zu wissen, was man nicht will. Das andere erschließt sich meist aus dem, was man erlebt.
***
Noch besser, als seine Träume zu verwirklichen, ist es, jene zu realisieren, die man nie wagte zu träumen. Nichts erfordert mehr Mut und Kraft als dies. Wer das vollbringt, verdient allerhöchsten Respekt unter den Menschen.
***
Die besten Osterüberraschungen haben nichts mit Ostereiern, Schokolade oder Lämmern zu tun. Und manchmal bringt der Osterhase auch Glück.
***
Ostern ist eine der guten Gelegenheiten, sich zu versöhnen - damit Freundschaften eine Auferstehung erleben können. Das Wichtigste ist aber die Versöhnung mit sich selbst. Man muss mit sich selbst im Reinen sein, wenn man mit anderen ins Reine kommen will.
***
alles (c) Karin Scherbart

Karin 15.04.2006, 02.21 | (0/0) Kommentare | PL

Köln - letzter Teil

Ich habe mich dann mit dieser positiven Grundstimmung in die Straßenbahn Richtung Köln begeben. Mein Ziel: Die Südstadt, meine alte Schule (Berufskolleg) besuchen - wo ich schon mal hier bin. Es ist eine ganz andere Empfindung, sich freiwillig und in dem Gefühl, kommen und gehen zu können, wann man will, noch einmal an den Ort zurückzubegeben, an den man sich seinerzeit oftmals ohne große Lust in einer Art Pflichtbewusstsein (weil man ja einen Berufsabschluss erlangen wollte), früh morgens halb unausgeschlafen (wegen des langen Wegs) begeben hatte. Jetzt bin ich frei ... kann mal Hallo sagen gehen oder es lassen, ganz wie es mir beliebt.

Natürlich habe ich schon darauf geachtet, den richtigen Zeitpunkt zu erwischen - also ganz kurz vor der Ein-Uhr-Pause. Dass es der letzte Tag vor den Osterferien war und ich großes Glück gehabt habe, überhaupt jemanden anzutreffen, wird mir erst bewusst, als ich darauf aufmerksam gemacht werde. Tja, mit Osterferien habe ich halt in dem Sinne nichts mehr am Hut - das nächste Mal wohl erst später, wenn ich mal eigene Kinder haben werde.

Auf dem Weg zum Lehrerzimmer stoße ich erstmal mit meinem ehemaligen Klassenlehrer zusammen. Während ich mich noch mit ihm unterhalte, kommt ein weiteres bekanntes Gesicht vorbei - dieser Lehrer war praktisch in einem Fach der Vorgänger meines Klassenlehrers, den wir gleich in zwei Fächern hatten. auch mit ihm wechsle ich ein paar Worte, bevor er weitergeht, in Gedanken wahrscheinlich schon bei seinem wohlverdienten Feierabend und zu Hause bei seinen Lieben.

Dann sehe ich noch einige weitere Lehrer wieder, eigentlich die meisten, die ich mal gehabt habe. Bei einer Lehrerin (Klassenlehrerin Nr. 1, d. h. im ersten Ausbildungsjahr) fällt das Gespräch auch auf ein eventuelles Klassentreffen, dass ich ja in die Hand nehmen wollte, aber wegen anderer Prioritäten vorläufig verschoben hatte. Dafür bringt sie natürlich Verständnis auf.

Alles in allem fand ich es schön, einmal die meisten meiner Lehrer wiedergesehen zu haben, und ich denke, dass beruhte auch auf Gegenseitigkeit; zumal sich auch nicht sooo viele (aber doch ein paar) seit Ausbildungsende mal zurückgemeldet hatten.

Und einige Neuigkeiten aus der Schule habe ich auch erfahren - großteils erfreuliche, aber auch eine sehr traurige Nachricht, die mich sehr betroffen gemacht hat und wo ich der Person gerne ein paar aufbauende Worte zukommen lassen würde, mich aber noch nicht traue, da ich nicht weiß, ob es so überhaupt richtig war, dass ich davon erfahren habe. Da ich aus eigener Erfahrung weiß, wie schlimm das ist, kann ich so etwas nicht einfach so ignorieren. Doch ich bin mir wie gesagt noch unschlüssig, wie ich auf die Nachricht angemessen reagieren soll. Es ist eine sehr heikle Situation ...

Aber jetzt, wo ich es weiß, kann ich nicht einfach so tun, als wüsste ich von nichts ich bin auch nur ein Mensch. Doch Mitleid? Würde das nicht noch den Schmerz verstärken? Wie hätte meine Mutter es am liebsten gehabt, das jemand Fremdes in ihrem Fall darauf reagiert? Darüber muss ich noch nachdenken und zwar im Stillen. Das ist das Wichtigste: Stillschweigen. Nichts an die große Glocke hängen. (Ich bin ja hier auch ganz allgemein geblieben; es waren lediglich die allgemeine Form meiner Gedanken, die ich wiedergegeben habe, und nichts, aber auch gar nichts, Persönliches. Das würde ich niemals tun! Versteht Ihr den Unterschied? Ich denke doch.)

Und dieses Letzte möchte ich außerdem noch klarstellen: So lange ich mir nicht darüber klar geworden bin, was die richtigste Reaktion wäre, falls es diese überhaupt gibt, werde ich gar nichts in der Richtung unternehmen. Denn mit einer falschen Reaktion würde ich gar niemandem einen Gefallen tun.

So habe ich an diesem Tag - teils auch unerwartet - wieder einigen neuen Gedankenstoff mit nach Hause genommen, an dem ich teils wieder zu knabbern habe. Aber auch und vor allem positive Erlebnisse mit ins Gepäck genommen; das will ich mal auch nicht vergessen auch wenn es sich, nach dem, was ich erfahren habe, wie eine Farce anhören mag.

Doch sollte ich mich deshalb schämen, dass ich lebe? Nein. Das hätte meine Mutter auch nicht gewollt, als sie ein ähnliches Schicksal erlitt. Und heute sind ja auch andere Zeiten, gibt es noch mehr Hoffnung!!!

Ich habe mir dann noch einen kurzen Stadtbummel in der Innenstadt gegönnt; wollte eigentlich noch etwas shoppen (regelmäßig zur Frühjahrszeit habe ich immer das Gefühl, kaum mehr etwas Vernünftiges zum Anziehen zu haben, was wie immer sehr stark übertrieben ist), aber nachdem ich ein leckeres Matjesbaguette zu mir genommen habe, habe ich keine Lust mehr. Bin müde von diesem für mich sehr langen, weil so früh begonnen, Tag. Ein Eis genehmige ich mir aber noch zum krönenden Abschluss.

Ich ignoriere die Gruppe Punks, die mit ihren Handys herumlungern, aber so tun, als hätten sie kein Geld, und setze mich auf die Stufen zur Domplatte. Schüttele nur den Kopf über die beiden FC Köln-Fan-Studentencliquen, die lauthals irgendeinen Fußballspruch zum Besten geben. Nicht dass mich das stören würde - irgendwie genieße ich es sogar, dieses quirlige Stadtleben. Hier ist halt immer etwas los - undbesonders macht es mir Spaß, dieses Treiben zu beobachten, ohne mich selbst zum Affen machen zu müssen.

Als ich mich über den Bahnhofsvorplatz Richtung Zug in die Heimat begebe, stoße ich noch auf die Vertreterin einer afrikanischen Hilfsorganisation (ich bloggte es bereits) und vollbringe meine gute Tat. Dafür gebe ich gerne Geld - nicht für bettelnde Nichtstuer/innen in schräger Kleidung und bunten Frisuren! (Sorry, aber dafür habe ich wiederum kein Verständnis.)

Karin 10.04.2006, 14.51 | (0/0) Kommentare | PL

Was ist bloß mit unserer Jugend los?

Heute morgen in unserer regionalen Zeitung war wieder so ein Fall, wo ich mich frage:

Wie kann sich in nur wenigen Jahren (und es ist ja weniger als zehn Jahre her, dass ich selber in dem Alter war) nur so viel im negativen Sinne in der Jugend tun?

Was machen die Erziehungsverantwortlichen falsch, das früher nicht so gravierend oder nur in Einzelfällen in die Hose ging?

Sind die heutigen Jugendlichen dümmer als die, die es noch vor einigen Jahren waren? Und es sind ja nicht nur Hauptschüler, bei denen solche schlimmen Gewaltfälle auftauchen - jetzt ergreift diese Welle schon die Realschüler unserer näheren Umgebung; demnächst fängt das vielleicht auch noch an den Gymnasien an oder tut es schon (denkt nur an den Fall Steinhäuser in Erfurt seinerzeit).

Es ist immer wieder erschreckend, und immer noch kann ich es nicht verstehen.

Noch als ich in dem Alter war, wäre so etwas nicht möglich gewesen, oder zumindest waren es da noch Einzelfälle. Vielleicht lag das daran, dass sie sehr viel weniger in die Schlagzeilen gerieten, weil dann die Diskussion noch nicht so aktuell war.

Vielleicht ist das belgische Schulsystem in punkto Erziehung doch besser bzw. wird mehr Wert darauf gelegt, dass neben der fachlichen Ausbildung auch die erzieherische Aufgabe der Schule mehr wahrgenommen wird. Dort werden nämlich extra Erzieher/innen angestellt, die sich nicht nur um die Abwesenheiten von Schülern kümmern, sondern auch Ansprechpartner sind, wenn es Probleme gibt. Auf den Schulhöfen steht in den Pausen immer ein oder meistens zwei Erzieher, die halt aufpassen und ggf. auch eingreifen können, wenn etwas aus dem Ruder läuft. Klar, als ich klein war, wurde diese "Kontrollaufsicht" von den meisten eher als einschränkend empfunden. Wer allerdings genauer nachgedacht hat, musste allerdings auch einsehen, dass es auch eine durchaus sinnvolle Einrichtung war.
So durfte zum Beispiel niemand ohne Erlaubnis der Eltern das Schulgelände in der einstündigen Mittagspause verlassen (essen konnte man auch sehr preisgünstig in der Schulkantine). Natürlich ist das noch lange keine Gewähr dafür, dass da nicht irgendetwas in dieser Mittagspause passiert. Aber ich denke doch, dass diese Maßnahme helfen kann, beispielsweise Gewalt unter Schülern einzudämmen, da verantwortungsbewusste Eltern ja i.d.R. ihr Kind, dessen Neigungen und auch Beeinflussbarkeit meist sehr gut, auf jeden Fall aber besser als Fremde, einschätzen können und daher wissen, was sie ihrem Kind erlauben können und was lieber noch nicht, wie selbstständig und vernünftig es bereits denkt und wo nicht, eventuell wie impulsiv und aus niederen Instinkten es manchmal handelt oder eben glücklicherweise nicht.

Ja, ich denke, es liegt zu einem beträchtlichen Anteil auch an dem deutschen Bildungssystem. In anderen Ländern scheint es jedenfalls nicht so in dem Ausmaß zu eskalieren wie hier. Und wenn dann nur in sozialen Brennpunkten - in Deutschland aber ist es schon überall so, unabhängig von den sozialen "Schichten" (leider gibt es sie noch) und Milieus. Sicher ist das auch hier ein zusätzlicher Faktor, aber es bleibt nicht dabei, die Gewalt und Kriminalität ist vielmehr schon längst über dessen Grenzen hinaus präsent.

Und was ich auch nicht verstehe, ist, warum die Eltern verdammt noch mal in vielen Fällen nicht mehr darauf achten, was ihre Kinder sich für gewaltverherrlichende DVD's, Musik, Computerspiele und sonstige Medien reinziehen. Denn oftmals fehlt den pubertierenden Teenies noch das verschärfte Urteilsvermögen, um mit so etwas richtig umzugehen. Und geredet wird auch oft nicht mehr miteinander, auch nicht darüber, in diesen Familien. Manchmal hat man sogar den Eindruck, es ist den Eltern schon egal, wie ihre Kinder sich entwickeln. Teils weil sie zu sehr mit ihren eigenen Problemen beschäftigt sind (hier müsste die Gesellschaft eigentlich mal eingreifen, zum Beispiel dafür sorgen, dass ein alkoholabhängiger Vater in eine Entzugskur kommt, schon den Kindern zuliebe, die die Folgen letztlich zuerst abbekommen).

Am Ende ist die ganze Gesellschaft, sind wir alle in einem gewissen Grad verantwortlich für das, was in dieser geschieht. Ich denke mal, dass man diese Entwicklung immer noch - langfristig - stoppen kann, indem die Eltern, Lehrer und andere Erziehungsbeauftragte mehr denn je zusammenarbeiten und ihrem Erziehungsauftrag nachkommen.

Wenn es aber so weiter geht wie bisher, sehe ich schwarz für die Zukunft unserer Kinder und später Enkelkinder, und alle, die danach folgen. Denn die würden es dann nicht mehr anders kennen und einfach so weitermachen, wie es heute läuft. Eine Horrorvorstellung, vor der mir schon heute graust.

Es ist schon schlimm genug. Machen wir es nicht noch schlimmer, indem wir einfach resignieren und nichts tun. Das gilt nicht nur für die Politiker da oben, sondern gerade bei jedem Einzelnen, in den Familien, in den Schulen, überall.

Sonst ist es irgendwann wirklich zu spät, diese Entwicklung zu stoppen - dann nämlich, wenn wir alle im Grab liegen und unsere Nachkommen Säbel rasselnd darauf tanzen.

Frankensteins Kinder lassen grüßen!

Karin 04.04.2006, 11.08 | (0/0) Kommentare | PL

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Ralph Waldo Emerson (1803-1883)







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Oscar Wilde (1854-1900)


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Dante Alighieri (1265-1321)


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